Aufgrund des Ausbruchs der Schweinepest bei Wildschweinen im Rhein-Sieg-Kreis und dem Rheinisch-Bergischen-Kreis ist für Teile des Ennepe-Ruhr-Kreises ab dem 27.02.2009 eine Überwachungszone (Surveillance-Zone) eingerichtet worden.
Zu dieser Zone gehören die Jagdreviere, die in den Stadtgebieten
Sprockhövel -südlich der A1-, Gevelsberg -südlich der A1-,Wetter -südlich der A1-, Schwelm, Ennepetal und Breckerfeld liegen.
Hier finden Sie eine Karte der betroffenen Gebiete in NRW und der Überwachungszone des Ennepe-Ruhr-Kreises.
Die genauen Auflagen, die sich für die Jagdausübungsberechtigten in diesen Revieren daraus ergeben, können Sie der Allgemeinverfügung entnehmen.
Zusammengefasst enthält die Verfügung folgende Auflagen:
- Von jedem erlegtem Stück Schwarzwild ist eine Blutprobe und daumengroßes Stück der Milz (ersatzweise auch Niere oder Mandel) zu entnehmen. Zu diesem Zweck sind die beigefügten Probenbecher, Blutröhrchen und Begleitscheine zu verwenden.
- Die Tierkörper sind mit den amtlichen Wildmarken zu kennzeichnen.
- Die Proben sind dem Ennepe-Ruhr-Kreis zusammen mit dem Begleitschein zur Verfügung stellen. Nach Rücksprache mit der Stadt Hagen und dem Märkischen Kreis können die Proben zusammen mit der Trichinenprobe auch in Hagen oder Lüdenscheid abgegeben werden.
- Bis zum Vorliegen des negativen Untersuchungsergebnisses gelten die Tierkörper als vorläufig beschlagnahmt und dürfen nicht zerlegt oder vermarktet werden. Die Tierkörper verbleiben bis zur Freigabe beim Erleger. Die Freigabe erfolgt telefonisch durch Mitarbeiter des Veterinäramtes des Ennepe-Ruhr-Kreises. Die Ergebnisse können Sie auch hier abrufen. Daher bitte ich darum, unbedingt auf dem Begleitschein eine Telefonnummer anzugeben, unter der Sie oder der Jagdausübungsberechtigte erreichbar sind.
- Fallwild ist nach Rücksprache mit dem Veterinäramt ebenfalls auf Schweinepest zu untersuchen.
- Aufbrüche sind wie bisher durch Vergraben unschädlich zu beseitigen.
Für weitere Rückfragen stehen Ihnen die Mitarbeiter des Veterinäramtes selbstverständlich jederzeit zur Verfügung.
An der Schweinepest erkranken nicht nur Haus-, sondern auch Wildschweine. Letztere waren in den zurückliegenden Jahren häufig Ursache für Seuchenausbrüche in Hausschweinebeständen. Da sich aufgrund der hohen Wilddichten die Bekämpfung der Schweinepest beim Schwarzwild schwierig gestaltet, entwickelten Wissenschafter ein orales Immunisierungsverfahren.
Die Klassische Schweinepest (KSP), auch Europäische Schweinepest genannt, ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, die sowohl bei unserem Hausschwein als auch beim Europäischen Wildschwein (Sus scrofa) vorkommt. Mit KSP-Virus infizierte Schwarzwildbestände waren in den zurückliegenden Jahren nicht selten der Ausgangspunkt für Infektionen in Hausschweinebeständen. Betrachtet man die Seuchensitutation bei Haus- und Wildschweinen in den letzten 12 Jahren, so wird deutlich, dass die meisten Seuchenfälle bei Hausschweinen in Gebieten lagen, wo auch Wildschweine mit dem Virus infiziert waren.
Selbst in Jahren ohne KSP bei Hausschweinen hat die Infektion in Wildtierbeständen zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden geführt, nicht nur in der Forstwirtschaft, sondern auch in der Landwirtschaft. Dort vor allem, weil vorbeugende Seuchenschutzmaßnahmen erforderlich wurden und Handelsbeschränkungen die im Seuchengebiet gelegenen schweinehaltenden Betriebe beeinträchtigten. Nicht nur aus Gründen der Gefahr der Erregereinschleppung in die Haustierbestände, sondern vor allem aus der Sicht eines gesunden Wildbestandes ist es notwendig, die KSP beim Schwarzwild zu bekämpfen und in möglichst kurzer Zeit zu tilgen.
Was tun, um der Seuche Einhalt zu gebieten?
Normalerweise reißt das KSP-Geschehen bei geringer Schwarzwilddichte infolge der begrenzten Kontaktmöglichkeiten zwischen den Tieren innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes ab, so dass es auch ohne spezielle Bekämpfungsmaßnahmen zum Erlöschen der Seuche kommt. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Wilddichte weniger als 1 Wildschwein pro 100 ha beträgt.
In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die Schwarzwildpopulation in Deutschland allerdings so stark entwickelt, dass es in den meisten Fällen nicht mehr zum natürlichen Abreißen der Infektion kam, trotz der Bemühung der Jäger, die Population durch jagdliche Maßnahmen zu reduzieren.
Wildschweine gegen KSP impfen
Zur oralen Immunisierung der Wildschweine gegen KSP wird ein Köderimpfstoff eingesetzt, der auf einem vollständig attenuierten (abgeschwächten) Virus beruht. Das im Tierkörper begrenzt vermehrungsfähige, aber Schweine nicht mehr krankmachende Impfvirus wird in Blister abgefüllt und mit einer auf Maisbasis bestehenden, mit Geschmacks- und Geruchsstoffen angereicherten Ködermasse umgeben.
Im ersten Feldversuch basierte das Impfverfahren auf zwei Impfkampagnen im Frühjahr und im Herbst, wobei die Köder jeweils zweimal im Abstand von 14 Tagen bedeckt ausgelegt wurden. Eine bedeckte Auslage der Köder ist wichtig, um einerseits das Impfvirus vor Umwelteinflüssen, vor allem gegen Sonne und Frost, zu schützen und andererseits weitgehend zu verhindern, dass andere Wildtiere den Köderimpfstoff aufnehmen. Mit der zweimaligen Köderauslage sollte eine größere Anzahl an Wildschweinen erreicht werden.
Unter dem Aspekt einer nicht zu hohen Schwarzwildpopulation und eines moderaten Infektionsgeschehens war die Seuche in Niedersachsen (1993–1995) mit einer zweimaligen Doppelimpfung pro Jahr innerhalb kurzer Zeit zu tilgen. Hingegen gelang es sowohl in Mecklenburg-Vorpommern als auch in Brandenburg trotz zwei Impfkampagnen pro Jahr und erhöhter Köderanzahl nicht, das Virus rasch zu eliminieren.
Der Hauptunterschied zum ersten Impfgebiet in Niedersachsen bestand in den beiden Bundesländern vor allem darin, dass höhere Wilddichten zu verzeichnen waren und die Anzahl an Köderplätzen aufgrund des geringeren Waldanteils deutlich unter der in Niedersachsen lag. Außerdem war das Ausmaß der infizierten Population nicht genau bekannt.
Drei Impfperioden bringen durchschlagenden Erfolg
Erst mit Einführung der mehrfachen Impfung gelang es in beiden Bundesländern, die Infektionskette wirksam zu unterbrechen und die Seuche zu tilgen. Das Verfahren mit dreimaligen Doppelimpfung im Frühjahr, Sommer und Herbst wurde erstmals konsequent in Baden-Württemberg (1999–2001) angewandt und führte dort zur Ausrottung der KSP in weniger als einem Jahr. Seither besteht das Impfverfahren aus folgenden Verfahrensparametern:
- Anlegen von 0,5–1,0 Kirr-/Köderplatz pro 100 ha Jagdfläche und bedeckte Ausbringung von 20–40 Ködern je Platz in Abhängigkeit von der Populationsdichte (Rottenanzahl und -größe) und vom Biotop;
- drei Impfperioden im Frühjahr, Sommer und Herbst mit jeweils zweimaliger Auslage der Impfstoffköder im Abstand von 4 Wochen;
- Jagdstopp an den Kirrstellen für mindestens 5 Tage;
- Aufsammeln der oberflächlich liegenden Köder oder Impfstoffblister 5 Tage nach der zweiten Köderauslage.
Dieses Impfverfahren hat den Vorteil, dass die im Frühjahr geborenen Frischlinge zu einem frühen Zeitpunkt in die Impfmaßnahmen einbezogen werden können. Da Frischlinge den größten Anteil der Population ausmachen, ist es wichtig, dass der Anteil immunisierter Tiere dieser Altersklasse möglichst hoch ist.
Frischlinge bleiben Sorgenkinder
Frischlinge bleiben auch bei der oralen Immunisierung unsere Sorgenkinder, da sie
- bis zu einem Alter von 4 Monaten den derzeit eingesetzten Köderimpfstoff nur unzureichend aufnehmen,
- nur kurze Zeit durch die mit der Muttermilch aufgenommenen mütterlichen Antiköper geschützt sind und
- Frischlinge im Gegensatz zum Ferkel innerhalb der ersten Lebensmonate offensichtlich noch kein komplett funktionierendes Immunsystem besitzen.
Es ist daher dringend erforderlich, durch intensive Bejagung den Anteil dieser hoch empfänglichen Population zu reduzieren. Ziel ist es, im Rahmen der KSP-Bekämpfung einen Frischlingsanteil an der Jagdstrecke von etwa 70% bis 80% zu erreichen.
