Flüchtlinge auf dem Weg zum Arbeitsplatz

Die Flüchtlinge informierten sich bereits im vergangenen Jahr bei ABC und Thyssen-Krupp-Bilstein über den Kurs, der sie auf eine Ausbildung vorbereiten soll./Foto: privat

Sie kommen aus der ganzen Welt, aus Afghanistan oder Guinea. 18 Flüchtlinge werden ab Montag in der Ausbildungswerkstatt von ABC eine Chance bekommen, einen erfolgreichen Einstieg in die Berufswelt zu schaffen. Sechs Monate lang erhalten sie eine berufsbezogene Sprachförderung und eine anschließende berufliche Qualifizierung in der Metalltechnik für Industrieberufe.

„Wir brauchen sie. Wir können von ihnen lernen. Es ist eine Notwendigkeit für uns selbst, diese Menschen aufzunehmen“, fand Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des Märkischen Arbeitgeberverbandes, gestern bei der Vorstellung des Projekts in den Gevelsberger ABC-Werkstätten deutliche Worte. Er selbst hatte die Idee dafür und wies auf die Einzigartigkeit hin: „Hier engagiert sich eine Lehrwerkstatt als Bildungsträger“.

Jobcenter EN engagiert sich auch

Das Förderprogramm sei aber auch einzigartig in seiner Netzwerkarbeit. Dabei engagiert sich neben ABC auch noch Thyssen-Krupp-Bilstein in Ennepetal. Die Agentur für Arbeit in Hagen und die Jobcenter Ennepe-Ruhr haben die Auswahl der Teilnehmer getroffen und leisten finanzielle Hilfe. Die Volkshochschule (VHS) Ennepe-Ruhr Süd führt unter anderem das Sprachprogramm durch. Es wird ganz praxisbezogen in einem Saal in der ABC-Ausbildungswerkstatt stattfinden. Die Schüler sitzen den Lehrerinnen in Blaumännern gegenüber.

Eine „gute und außergewöhnliche Initiative“ gehe hier an den Start, lobt ABC-Geschäftsführer Frank
Haberstroh. Es sei wichtig, dass die heimische Wirtschaft Verantwortung bei der Integration übernehme: „Arbeit ist einer der zentralen Motoren der Gesellschaft“. Sie schaffe gemeinsame Identitäten. Die 800 Mitarbeiter von ABC stammten aus 18 Nationen. Ein Drittel von ihnen hätte keinen deutschen Pass: „Bei uns ist die Herkunft egal."

"Es ist ein Leuchtturmprojekt"

Heiner Dürwald, Leiter der Jobcenter EN, sprach bei der Vorstellung von einem „Leuchtturmprojekt“ In den Jahren 2015 und 2016 seien 5.000 Flüchtlinge in den Ennepe- Ruhr-Kreis gekommen, „3000 davon werden dauerhaft bei uns bleiben.“ Man brauche viele solcher Projekte, „weil es auch um viele Menschen geht.“

Den Gedanken griff der Gevelsberger Bürgermeister auf. Den heimischen Firmen bot Claus Jacobi als Verbandsvorsteher der Volkshochschule Ennepe-Ruhr Süd an, bei ähnlichen Projekten zu helfen: „Das sollte eine Fortsetzung finden. Wir haben jetzt als VHS einen Werkzeugkasten in der Hand, um dabei zu helfen.“

Nach der sprachlichen Förderung werden die Flüchtlinge in den Ausbildungswerkstätten von ABC und Thysssen-Krupp-Bilstein einen Einblick in den deutschen Arbeitsalltag und die Anforderungen in der Metallindustrie erhalten. Schließlich wird ein betriebliches Praktikum folgen. Dass sich dafür mehr als genug Angebote der heimischen Wirtschaft finden werden, davon ist Maier-Hunke überzeugt. Und er bittet auch um Verständnis für die Teilnehmer: „Es ist nicht einfach, in einem anderen Land zu leben und keine Fehler zu machen.“

Quelle: Westfalenpost, Lokalausgabe Schwelm, Gevelsberg, Ennepetal und Sprockhövel, Autor Klaus Bröking