Hattingen: KI zu Besuch beim Sprachkurs in der Stadtbibliothek

In dieser Gruppe lernt es sich leicht: Mehrfach pro Woche ist die Stadtbibliothek Hattingen Anlaufstelle für Flüchtlinge, die deutsch lernen wollen./Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Bereits seit gut einem Jahr bietet die Stadtbibliothek Hattingen viermal pro Woche ein Sprachtraining für Flüchtlinge an. Jetzt nutzte Laura Kleinsimlinghaus vom Kommunalen Integrationszentrum des Ennepe-Ruhr-Kreises die Gelegenheit, das Angebot kennenzulernen. Anlass: Wie 36 andere Initiativen zwischen Breckerfeld und Witten, Herdecke und Schwelm hat auch das Projekt in der Ruhrstadt Geld aus dem Förderprogramm KOMM-AN NRW erhalten.

Den Weg in die modern und gut ausgestatteten Räume der Stadtbibliothek haben an diesem Vormittag sechs Flüchtlinge gefunden. Zusammen mit den ehrenamtlichen Lehrkräften üben sie in freundlicher Atmosphäre Deutsch. „Wir setzen ganz pragmatisch bei den Bedürfnissen der Teilnehmer an und vermitteln die deutsche Sprache durch praxisnahen Unterricht“, berichtet Ingeborg Fabers, die sich freiwillig in der Flüchtlingshilfe engagiert. Der anfängliche Ansatz, die Kurse wie regulären Deutschunterricht zu gestalten, hatte sich nicht bewährt. Zu unterschiedlich war beispielsweise das Sprachniveau der Teilnehmer.

Alltagssituationen stehen im Mittelpunkt

„Sinnvoll und sofort nutzbar“, beobachtet Kleinsimlinghaus, „sind die vielen praktischen Hilfestellungen, die hier gegeben werden. Dazu zählen neben dem Nachstellen von Gesprächssituationen in Rollenspielen auch Besuche bei der Bogestra oder das Planen eines Einkaufs.“

Die ehrenamtlich Engagierten sehen „ihren“ Unterricht als Anlaufpunkt für die Flüchtlinge, die keine Möglichkeit haben, einen regulären Sprachkurs zu besuchen. „Zum einen haben einige keinen Anspruch darauf. Zum anderen macht es aber auch Sinn, die Sprachkenntnisse zunächst in diesem Rahmen zu verbessern“, berichtet Susanne Scholz, Mitarbeiterin der Stadtbibliothek und Koordinatorin des Angebots.

Kinder sollen noch stärker angesprochen werden

Sie weiß auch: „Für viele der Ehrenamtlichen sind die Stunden in der Stadtbibliothek längst nicht alles. Sie helfen den Flüchtlingen auch bei Behördengängen sowie der Organisation von Kinderbetreuung oder dem Knüpfen erster Kontakte auf dem Arbeitsmarkt.“ Lohn des Einsatzes: Vielfach gelingt es, die Teilnehmer nach einiger Zeit in staatlich anerkannte Integrationskurse zu vermitteln.

In Zukunft möchte die Stadtbibliothek verstärkt Kinder ansprechen. Bernd Jeucken, Leiter der Stadtbibliothek, plant mithilfe von Tablet-PCs eine digitale Rallye durch die Bibliothek. Da die App-Anwendungen oft mit bildlichen und mit sprachlichen Elementen arbeiten, sind Kinder mit geringen Deutschkenntnissen bei der Lösung von Aufgaben nicht ausgeschlossen.

Stichwort Förderprogramm KOMM-AN NRW

Treffpunkte renovieren und ausstatten oder Bücher für den Sprachunterrichtkaufen, Ehrenamtler fortbilden oder ihnen die Kosten für Bustickets erstatten, die sie benötigen, um Flüchtlinge zu Behörden zu begleiten - das Programm fördert ganz gezielt ehrenamtliche Arbeit in der Flüchtlingshilfe. Es wird durch das Kommunale Integrationszentrum des Ennepe-Ruhr-Kreis begleitet und umgesetzt. 2016 konnten 125.600 Euro verteilt werden.

„Das Geld hilft, die Neuankömmlinge in unsere Gesellschaft, in unsere Städte einzubinden, sie ankommen zu lassen“, hatte Landrat Olaf Schade im Sommer bei der Übergabe der Förderbescheide deutlich gemacht. „Jedes Projekt bietet den Menschen mit Bleibeperspektive eine Chance, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.“