Kreis fördert Sprachförderung durch Tagesmütter

Ausgebucht: Die Premiere der Fortbildung rund um Sprache stieß bei Tagesmüttern und Tagesvätern auf großes Interesse./Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Singen und Spielen, Essen und Zähne putzen, Geschichten hören und sich bewegen - diese Situationen kennt jeder, der Kinder betreut. Weniger bekannt: Diese und viele weitere ganz alltägliche Momente können bestens genutzt werden, um Sprache und Sprachverständnis des Nachwuchses effektiv zu fördern,

„Wie erfolgreich es ist, Sprachförderung ebenso nebenbei wie bewusst in den Alltag einzubauen und zeitlich auszudehnen, haben die Niederländer vor fast 20 Jahren wissenschaftlich belegt. Das Konzept nennt sich `Language Route´. Auf der Gewinnerseite stehen dabei insbesondere die sprachschwächeren Kinder mit Migrationshintergrund“, erläutert Andrea Zacher, Koordinatorin für Sprachförderung im Fachbereich Soziales und Gesundheit der Kreisverwaltung.

In den letzten drei Jahren bereits 700 Erzieher geschult

Im Ennepe-Ruhr-Kreis sind Pädagogen seit mehr als drei Jahren auf der Language Route unterwegs. In dieser Zeit hat der Kreis mehr als 700 Erzieherinnen aus 65 Kitas zu entsprechenden Schulungen eingeladen und diese finanziert „Die Rückmeldungen waren positiv, die Zufriedenheit mit der Fortbildung hoch“, berichtet Zacher. Daher wird das Angebot jetzt auf Tagesmütter erweitert. An der Premiere in Gevelsberg nahmen 14 Tagesmütter und 3 Tagesväter teil. Sie ließen sich erklären, was es bedeutet, Sprachanlässe sprachförderlich zu gestalten.

Wie das aussehen kann, zeigt das Buch „Die kleine Raupe Nimmersatt“. Es liefert alle Voraussetzungen für den Einsatz innerhalb des Konzeptes der Language Route. Die Geschichte ist kurz, der Inhalt schnell nachvollziehbar und die Bilder sind nah am Text. Während die Erzieherin die Geschichte vorliest, können die Kinder die Gegenstände, die gerade erwähnt werden, von einem Tisch nehmen. Rund um Obst, Gemüse und Lebensmittel lassen sich die Farben üben.

Das Gehörte mit Aktivitäten verbinden

„Oder“, so Zacher, „die Kinder werden nach den Artikeln einzelner Wörter gefragt, müssen diese in farblich passende Säckchen sortieren. ´Der´ in blau, ´die´ in rot und ´das´ in grün.“ Auch Satzstrukturen können geübt werden. Auf die Frage „Was frisst die Raupe?“ wählt ein Kind einen Gegenstand und antwortet „Die Raupe frisst… .“ Ganz nebenbei achten die Tagesmütter noch auf richtige Aussprache und Sprechweise.

Ideal ist es, das Gehörte und Gelernte mit Aktivitäten zu verbinden. Beispiele hierfür sind das Malen von Bildern mit Raupen oder Schmetterlingen, ein Ausflug in den Wald oder das Zubereiten eines Obstsalates.

Freie Plätze erst wieder nach den Sommerferien

„Der erste Seminartag in Gevelsberg hat den Teilnehmern vor Augen geführt, was machbar ist. Insgesamt besteht die Fortbildung aus drei Tagen. Im Dezember und Januar  folgen die beiden weiteren je neunstündigen Veranstaltungen. Auch dann wird es darum gehen, rund um die alltäglichsten Situationen vielfältigste Ideen zu finden, die den Kindern den Weg zu einer guten Sprache und einem guten Sprachverständnis freimachen“, kündigt Zacher an.

Tagesmütter und -väter, die an der Fortbildung interessiert sind, können sich an Andrea Zacher wenden, Tel.: 02336/93 2434, Email: A.Zacher(at)en-kreis.de. Das nächste für Mai, Juni und Juli geplante Angebot ist allerdings bereits ausgebucht. Es gibt aber eine Warteliste für die dritte Auflage. Sie soll nach den Sommerferien stattfinden.