Perspektiven für dörfliche Ortsteile

Landrat Olaf Schade (vorne, Vierter von links) warb mit anderen Rednern um eine Wettbewerbsbeteiligung von Ortsteilen der Städte./Foto: Westfalenpost/Hans-Jochem Schulte

Ein Leben auf dem Dorf kann sehr schön sein. Bunte Fotos zeigten es: Fröhliche Menschen vor der Dorfkneipe, traditionelle Feste, Freundschaftsbäume, gemeinsames Gärtnern, strahlende Menschen aus allen Altersklassen.

Dr. Anke Schirocki von der Landwirtschaftskammer NRW hatte diese Aufnahmen im Gepäck, als sie mit ihrem Kollegen Dr. Waldemar Gruber im Veranstaltungsraum der Dorfgemeinschaft „Freistaat Oberbauer“ in Ennepetal für die Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ warb. Sie möchte, dass sich auch die dörflichen Ortsteile der Städte im Ennepe-Ruhr-Kreis an dem Wettbewerb beteiligen.

„Oberbauer ist die Metropole zwischen Voerde und Breckerfeld“

Zur zweiten Infoveranstaltung - die erste fand in Hattingen-Elfringhausen statt - betonte Landrat Olaf Schade, dass auch der Kreis zahlreiche Dörfer habe, in denen sich Menschen engagieren. So würdigte er das Engagement des „Freistaates Oberbauer“ und punktete augenzwinkernd mit dem Satz: „Oberbauer ist die Metropole zwischen Voerde und Breckerfeld.“

Auch Ennepetals Bürgermeisterin Imke Heymann, die namentlich ihren Amtskollegen André Dahlhaus aus Breckerfeld willkommen hieß, fand lobende Worte für die Dorfgemeinschaft in Oberbauer. So erfuhren die Besucher aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis vom Freistaat-Vorsitzenden Frank Altena auch von der Arbeit im hochgelegenen Ennepetaler Stadtteil. „Im Jahre 2004 haben sich sechs Leute zusammengetan“, berichtete Altena von der ersten Idee bis zum heutigen Erfolg.

Es wird auch Widerstände geben

Dr. Anke Schirocki nahm die Worte Altenas auf. Ziel des Wettbewerbes sei es, dass Menschen Verantwortung für das Leben im Dorf übernehmen, in Gemeinschaft Zukunftsperspektiven entwickeln und schließlich die Lebensqualität vor Ort steigern. Man müsse sich Ziele setzen, sagte die Fachfrau von der Landwirtschaftskammer, „vor allem aber an einem Strang ziehen“. Natürlich müssten auch Widerstände beseitigt werden. „Ja, die wird es geben“, so Anke Schirocki. Wichtig sei die Gemeinschaft, der Zusammenhalt. So entwickle sich ein Stolz für das eigene Dorf.

Im Gespräch mit Frank Altena und Waldemar Guderian vom „Freistaat Oberbauer“ habe sie einen gewissen Stolz herausgespürt. Auch wenn man nicht Sieger des Wettbewerbes werden sollte, habe man gewonnen: den Blick über den Zaun gemacht, neue Ideen entwickelt und an der Zukunft des Dorfes gearbeitet und nicht zuletzt auch erfahren, wo es eine finanzielle Förderung geben könnte.

Kreisverwaltung will helfen

Die Menschen, die zur Info-Veranstaltung gekommen waren, hatten fast alle Erfahrungen mit ehrenamtlicher Arbeit, aber auch feststellen müssen, dass ohne finanzielle Förderungen die Verwirklichung von Plänen schwierig ist. Dass es Möglichkeiten gebe an Fördertöpfe zu kommen, erläuterte Andreas Roters von der Kreisverwaltung. Er bot seine Hilfe an. Die Städte Breckerfeld, Ennepetal, Gevelsberg, Sprockhövel und Wetter setzen dabei auch auf „VITAL.NRW“ mit dem Untertitel „verantwortlich, innovativ, tatkräftig, attraktiv und ländlich“.

Der Fachbereichsleiter im Ennepetaler Rathaus, Stephan Langhard, erklärte, dass das Landesprogramm „VITAL.NRW“ auch kleine Projekte fördere. Man sei jetzt dabei, einen Projektausschuss zu bilden, der auch bürgerschaftlich getragen werde. „Wir sind noch im Aufbau“, erklärte Langhard. Man werde einen Regionalmanager einstellen, der unter anderem auch die vielen Fördermöglichkeiten im Blick habe.

Bewerbungen geplant

„Wir sollten die Chance nutzen“, appellierte Landrat Olaf Schade. Darunter verstehen der Landrat und Ennepetals Bürgermeisterin Imke Heymann auch die Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft!“.

Obwohl im Rahmen der Infoveranstaltung noch keine verbindlichen Zusagen von dörflichen Gemeinschaften zur Teilnahme am Wettbewerb auf Kreisebene gemacht wurden, sagte Frank Altena, der Vorsitzende des „Freistaates Oberbauer“ auf Nachfrage dieser Zeitung: „Ich gehe davon aus, dass wir an dem Wettbewerb teilnehmen. Wir haben schließlich noch viel vor.“

Auch die Ennepetaler Politik fand daran Gefallen: Dabei waren die SPD-Kreistagsabgeordnete Ingrid Tigges, der Vorsitzende der SPD Fraktion im Rat der Stadt, Volker Rauleff, und die Ratsmitglieder Gisela Werrn (CDU) und Bernd Tigges (SPD).

Stichworte Ehrenamtskneipe, Dorfplatz und Einkaufsmöglichkeit

Das Treffen fand im „Veranstaltungsraum“ des Vereins „Dorfgemeinschaft Freistaat Oberbauer“ in der ehemaligen Schule des ländlichen Ennepetaler Stadtteils statt. Dieser Raum, der bereits mit einer Theke ausgestattet ist, soll zu einer „Ehrenamtskneipe“ werden.

„Wir denken auch daran, auf dem ehemaligen Schulhof einen Dorfplatz zu errichten!“ sagte der Vorsitzende Frank Altena im Gespräch mit dieser Zeitung. Angedacht sei auch eine Einkaufsmöglichkeit zu schaffen, denn in Oberbauer gebe es schon lange kein Geschäft mehr.

Quelle: Westfalenpost, Lokalausgabe Schwelm, Gevelsberg, Ennepetal und Sprockhövel, Autor Hans-Jochem Schulte