Sprachkursteilnehmer gehen zum Lachen in den Keller

Immer mittwochs und freitags begrüßt Miriam Venn (rechts) Geflüchtete zum Sprachkurs./Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Freitagabend, 18 Uhr in Sprockhövel. Während die meisten schon im Feierabend-Modus sind, wird im Keller der Wohnung von Miriam Venn fleißig gelernt. Jeden Mittwoch und Freitag treffen sich hier acht Geflüchtete aus dem Iran, Syrien, Afghanistan und Armenien. Sie üben Deutsch auf fortgeschrittenem Niveau.

Venn hat in den letzten Jahren die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in ihrer Stadt aufgebaut. Bei ihr laufen die Fäden aller Angebote zusammen. Den heutigen Kurs hat sie als zertifizierte Dozentin für Deutsch als Zweitsprache vor 18 Monaten selbst ins Leben gerufen. Die Erfolge können sich sehen lassen. Die Teilnehmer haben das Sprachniveau B1 erreicht. „Das steht schon“, so Venn, „für deutlich fortgeschritten und macht es möglich, auch komplexe Themen der deutschen Grammatik zu besprechen.“

Alltagssituationen und Sprichwörter fließen in den Unterricht ein

Diese werden, wie in einem regulären Unterricht, erklärt, abgefragt und durch Hausaufgaben vertieft. Obwohl alle konzentriert bei der Sache sind, hat der Beobachter den Eindruck, hier wird im positiven Sinn zum Lachen in den Keller gegangen. Die Stimmung ist auffallend gut, es wird viel gelacht und gescherzt.

Neben klassischem Unterricht werden immer wieder Alltagsthemen besprochen und Praxistipps gegeben. Hier geht es dann beispielsweise um Paketdienste oder Mietverträge. Sehr beliebt sind auch deutsche Sprichwörter. So bekommt Osama heute die typische Antwort auf die Frage „Wer ist dran?“ zu hören. „Immer der, der fragt!“. Geschickt lässt Venn in diesen Zusammenhängen Themen des gesellschaftlichen Zusammenlebens in Deutschland in den Unterricht einfließen. Abwechslung bringen deutsche Filme wie „Good Bye Lenin“, die zuvor als Buch in leichter deutscher Sprache gelesen und besprochen wurden.

Kommunales Integrationszentrum hat Angebot vor Ort unterstützt

Die Teilnehmer sind von diesem kostenlosen Angebot begeistert und zeigen durch ihre sprachlichen Fortschritte ihr Engagement. Seit kurzem bietet die Flüchtlingshilfe in Zusammenarbeit mit zwei Teilnehmern einen Arabisch-Kurs für Deutsche an. Er wird sehr gut angenommen und verdeutlicht den Teilnehmern die immensen Schwierigkeiten und Herausforderungen, die der Erwerb einer völlig fremden Sprache mit sich bringt.

Überhaupt bietet die Flüchtlingshilfe Sprockhövel Geflüchteten eine ganze Menge. Die 25 Sprachkurse - alle professionell nach Sprachniveau eingeteilt - sowie alle anderen Angebote finden Interessierte auf der Internetseite der Flüchtlingshilfe unter www.fluechtlingshilfe-sprockhoevel.de.

Das Kommunale Integrationszentrum des Ennepe-Ruhr-Kreises unterstützt die Flüchtlingshilfe Sprockhövel mit Fördergeldern aus dem Landesförderprogramm KOMM-AN. Sie haben geholfen, die Kurse mit Materialien auszustatten und den Internetauftritt in verschiedene Sprachen zu übersetzen.

Stichwort Förderprogramm KOMM-AN NRW

Treffpunkte renovieren und ausstatten oder Bücher für den Sprachunterricht kaufen, Ehrenamtler fortbilden oder ihnen die Kosten für Bustickets erstatten, die sie benötigen, um Flüchtlinge zu Behörden zu begleiten - das Programm fördert ganz gezielt ehrenamtliche Arbeit in der Flüchtlingshilfe. Es wird durch das Kommunale Integrationszentrum des Ennepe-Ruhr-Kreis begleitet und umgesetzt. 2016 konnten 125.600 Euro verteilt werden.

Informationen über das Förderprogramm und darüber, wie das Kommunale Integrationszentrum des Ennepe-Ruhr-Kreises die lokalen Flüchtlingsinitiativen unterstützt, erhalten Interessierte von Laura Kleinsimlinghaus und Fabian Koch, Tel.: 02336/93 2085, Email: ki@en-kreis.de. Details über das Förderprogramm finden sich hier.