Teilzeitberufsausbildung - Eine zusätzliche Chance für Eltern, Pflegende und Unternehmen

Junge Menschen in familiärer Verantwortung haben in der Regel wenig Chancen sich beruflich zu qualifizieren, denn oft ist aufgrund ihrer Familienpflichten eine Ausbildung in Vollzeit nicht möglich. Häufig verfügen diese Ausbildungsplatzsuchenden jedoch über eine gute schulische Qualifikation und hohe Motivationsfähigkeit. Daher ist eine Teilzeitausbildung eine gute Chance sowohl für junge Eltern als auch für Unternehmen. „Der Gesetzgeber hat bereits im Jahr 2005 entschieden, Betrieben und Auszubildenden, denen eine Vollzeitausbildung wegen ihrer familiären Verpflichtungen verwehrt ist, die Möglichkeit der Ausbildung in Teilzeit zu eröffnen“, freut sich Sabine Neuhaus, Beauftragte für Chancengleichheit im Jobcenter EN. Im Ennepe-Ruhr-Kreis engagieren sich mehrere Akteurinnen und Akteure für die Teilzeitausbildung als zusätzliche Chance auf dem Arbeitsmarkt. Unter anderen beteiligt sich auch das Jobcenter EN daran. „Die Initiative für die Teilzeitausbildung, das Bündnis für Teilzeitausbildung Ennepe-Ruhr-Kreis hilft und informiert Interessierte“, so Neuhaus. Dass Teilzeitausbildung bekannter wird, wie es genau gehen kann und wie sich Auszubildende und Betriebe finden, darüber informiert das Bündnis regelmäßig durch Presseinfos und in verschiedenen Info-Veranstaltungen.

Nähere Infos zum Bündnis und zur Teilzeitberufsausbildung mit Kontaktdaten verschiedener Anlaufstellen im Ennepe-Ruhr-Kreis erhalten Interessierte im Info-flyer der Initiative "Bündnis für Teilzeitausbildung".

Info-Flyer Teilzeitausbildung - eine zusätzliche Chance (PDF, 226 KB, Stand: 06/15)

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Best Practice Beispiel aus dem Jobcenter EN

"Was macht man schon als Hausfrau? Zu Hause putzen, kochen, Kind. Das ging nicht mehr. Ich war unterfordert. Deshalb bin ich echt froh, eine Teilzeitausbildung machen zu können", so Saadet Bakir überglücklich im Beitrag der Dortmunder Lokalzeit von Dienstag, 29.05.2012. Nach zwei Jahren als Mutter und Hausfrau kriegt sie nun doch noch Kind, Küche und Karriere unter einen Hut - dank des Bündnisses Teilzeitausbildung im EN-Kreis. Bakir macht eine Ausbildung als Altenpflegerin, ist Teilzeitazubi in einem Altenheim der AWO EN.

Bakir ist 26 Jahre alt, hat einen zweijährigen Sohn und mußte ihre erste Ausbildung als Zahnarzthelferin, die sie nach dem Abitur begonnen hatte, wegen ihrer Schwangerschaft abbrechen. Neben der Kindererziehung und dem Haushalt blieb ihr keine Zeit mehr für die Berufsausbildung, die gewöhnlich in Vollzeit stattfindet. Doch eine qualifizierte Berufsausbildung ist die wichtigste Voraussetzung für eine eigene Lebensperspektive und daher gerade für junge Frauen - und Männer - mit Kindern eine notwendige Grundlage für die Sicherung des Familienunterhalts. "Die Vereinbarkeit von Ausbildung und Familie ist immer noch mit erheblichen Problemen für junge Menschen mit Familienpflichten verbunden," so Sabine Neuhaus, die das Jobcenter EN als Beauftragte für Chancengleichheit vertritt.

Das Bündnis für Teilzeitausbildung - eine Initiative unterschiedlicher Akteure und Akteurinnen im Ennepe-Ruhr-Kreis

Zur Verbesserung der Ausbildungs- und Erwerbschancen der jungen Frauen hat das Jobcenter EN mit anderen regionalen Arbeitsmarktakteuren und -akteurinnen, die maßgeblich an der Ausgestaltung der Berufsausbildung beteiligt sind oder diese flankieren, ein Bündnis für Teilzeitausbildung im Ennepe-Ruhr-Kreis ins Leben gerufen. Ziel ist es Arbeitgeber/innen, Kammern, berufsbildende Schulen, beratende Stellen und politische Entscheidungsträger/ innen über die Möglichkeiten und Chancen von Teilzeitausbildung zu informieren und sie dafür zu gewinnen, in ihren jeweiligen Arbeitszusammenhängen auf eine Verankerung dieser Ausbildungsform hinzuwirken.

Ausbildung als Altenpflegerin in Teilzeit - mit 30 Stunden in der Woche

Saadet Bakir ist ein positives Beispiel für die Effizienz des Bündnisses Teilzeitausbildung. Durch das Bündnis gelingt Bakir gerade der Berufseinstieg in Teilzeit. Die Ausbildung absolviert sie bei der AWO EN, einem der Bündnispartner, in einer 30-Stundenwoche, die sehr gut mit den Öffnungszeiten von institutionellen Kinderbetreuungsstellen vereinbar ist. Da es sich um eine schulische Ausbildung handelt, ist sie aufgeteilt in schulischer und praktischer Ausbildung. Die Berufsschule findet von 8-15h statt. Im Altenheim der AWO gibt es Schichtdienst, hier hat Bakir das Glück, nur in der Frühschicht zu arbeiten. Wie Ulrike Weiß von der AWO EN bestätigt, bietet das Altenheim diese Ausbildungsstelle in der Form nicht ganz ohne Eigennutz an. Durch den Mangel an Fachkräften in der Altenpflege ist die AWO froh, ihren Nachwuchs selbst ausbilden zu können und so sind auch die Perspektiven für Bakir nach der Ausbildung von der AWO EN übernommen zu werden sehr gut.

Studiogast Birgit Seuthe weist auf die Notwendigkeit einer geregelten institutionellen Kinderbetreuung für die Aufnahme einer Teilzeitausbildung

Zu Gast im Studio des WDR war Birgit Seuthe von der AWO EN. Sie berät und vermittelt Azubis vor dem Start in die Ausbildung. Im WDR-Studio betonte sie, dass für eine Ausbildung im Sozial- und Gesundheitswesen in Teilzeit neben der Altersvoraussetzung der zu betreuenden Kinder, die unter 15 Jahre alt sein sollten, dringend die Kinderbetreuung vor Beginn der Teilzeitausbildung geregelt und abgedeckt sein sollte. Empfehlenswert sei eine institutionelle Betreuung und weil gerade in der Altenpflege normalerweise Schichtdienst und nicht nur Frühdienst wie bei Bakir die Regel sei, wäre es am besten, zusätzlich zur institutionellen Kinderbetreuung, ein privates Netzwerk wie Oma oder Opa in der Rückhand zu haben.   

Der WDR-Beitrag "Berufseinstieg als Teilzeitazubi" von Frank Stach war bis Dienstag, 06.06.2012, unter folgendem Link in der Mediathek auf WDR.de zu sehen:

www.wdr.de/mediathek/html/regional/rueckschau/2012/05/29/lokalzeit_dortmund.xml