Inklusive Projekte

Sensibilisierung der Fachbereichsleiterrunde und der Mitarbeiter/innen der Kreisverwaltung

Wie stark sieht man das Schwelmer Kreishaus mit anderen Augen, wenn man ausgerüstet mit einer Augenklappe als Blinder auf den Fluren unterwegs ist? Wie kommt man mit Mitarbeitern ins Gespräch, wenn Kopfhörer für Taubheit sorgen? Wie bewältigt man den Weg ins Gebäude und zu einem Büro, wenn man im Rollstuhl sitzt? Wie ändert sich der Blick auf die eigene Arbeit, wenn man seine Aufgaben und amtliche Schreiben in leichter Sprache erklären muss?

30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die gesamte Fachbereichsleiterrunde mit Landrat Olaf Schade und Kreisdirektorin Iris Pott ließen sich auf das Experiment ein. In Rollstühlen, mit den Altersimulationsanzug oder dem Blindenstock machten sich alle auf den Weg durch das Kreishaus. Begleitet wurden sie dabei von Herrn Philippi und Frau Grossek der Agentur Barrierefrei sowie von Frau Hettrich- Engstfeld, die freiberufliche Rehabilitationslehrerin für Blinde und Sehbehinderte ist und seit 1993 Menschen mit Sehbehinderungen in Bezug auf Orientierung und Mobilität sowie lebenspraktische Fertigkeiten und Brailleschrift unterrichtet.

Herr Sprock, Leiter des Christian - Ehlardt -  Hauses der Lebenshilfe in Schwelm versuchte gemeinsam mit zwei Bewohnern das Thema Leichte Sprache und ihre Vorteile zu vermitteln. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden gebeten ihre Aufgaben in leichter Sprache zur formulieren, was sehr schnell zur Herausforderung wurde.

Mithilfe einer Hotelsituation wurden alle mit dem Thema Gehörlosigkeit konfrontiert. In Gebärden wurde ihnen vermittelt, was das Hotel alles anbietet, um zu zeigen wie sich ein Gehörloser in der Kommunikation mit einem Hörenden fühlt. Danach gaben Frau Terbeck (Gehörlosenberatung Witten) und Frau Tegetoff (Gebärdendolmetscherin) Einblicke in die Kultur der Sprache. Schnell wurde allen klar, dass Gehörlose über viel weniger Vokabular verfügen und Briefe aus dem Amt nicht richtig verstehen können. Auch hier unterstützt die leichte Sprache!

Einige Impressionen:

Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung 2017

In diesem Jahr luden das Jobcenter EN und der Fachbereich Gesundheit und Soziales mithilfe der EN Agentur zum Business Breakfast in den Capbaumarkt nach Witten. Führungskräfte aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung konnten sich bei den Netzwerkpartnern zum Thema Inklusion und Arbeit informieren. Ulrich Adhloch, Leiter des LWL Integrationsamtes warb in seinem Impulsreferat dafür mehr Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Chance zu geben. Darüber hinaus sollten die Unternehmer mehr Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen, damit sich bereits die Förderschüler im Rahmen des Projekts STAR einen Eindruck verschaffen können.  
Im Anschluss nahmen viele die Möglichkeit war, an einer Führung mit der Leiterin des Capbaumarktes, Frau Schmitt, teilzunehmen.

Ab 10.00 Uhr startete der Markt der Möglichkeiten wo sich alle Interessierten zum Thema Arbeit informieren konnten. Eine kleine Jobbörse wurde angeboten und die Besucher hatten die Möglichkeit ihre Bewerbungsunterlagen sichten zu lassen.
Alle waren sich zum Schluss darüber einig, dass diese Veranstaltung bereits ein Schritt in die richitige Richtung sei, dass aber noch weitere Veranstaltungen in der Form geplant werden sollten.

Einladung Business Breakfast
Einladung Markt der Möglichkeiten
Einige Impressionen

Fortbildung zum Thema "Richtiger Umgang mit Gehörlosen"

Fortbildung zum Thema "Richtiger Umgang mit Gehörlosen"


40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden von Frau Terbeck von der Gehörlosenberatung in Witten zum Thema Gehörlosigkeit geschult. Themen wie:
- Ab wann gilt ein Mensch als Gehörlos?
- Was muss im Beratungsgespräch beachtet werden?
- Wann hole ich einen Gebärdendolmetscher hinzu?
und viele weitere Fragestellungen wurden in den drei Stunden behandelt.
Weitere Informationen dazu finden Sie hier:
Präsentation
Hilfestellung im Umgang mit Gehörlosen
Dolmetscherliste

 

Das inklusive Kulturprojekt „Lebensgefühle“

Um die Öffentlichkeit für das Thema Inklusion und den angestoßenen Prozess „Erstellung
eines Inklusionskonzeptes nach der UN Behindertenrechtskonvention beim Ennepe-
Ruhr-Kreis“ zu sensibilisieren, findet ein inklusives Kulturprojekt in Kooperation mit der
Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen e.V., dem Frauenheim Wengern und der Awo
Ennepe/Ruhr zum europäischen Protesttag zur Gleichstellung von
Menschen mit Behinderung am 05.05.2015 statt.
Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtungen stellen ihre Kunstwerke im Kreishaus und in
Schaufenstern der Fußgängerzone aus. Während des zwei - wöchigen Ausstellungsverlaufs besuchen Schülerinnen und Schüler zweier Förderschulen, einer Hauptschule und einer
Gesamtschule die Ausstellung und lernen unter Anleitung der Malschule Maldumal die Techniken der Künstlerinnen und Künstler kennen. Auf der Basis entwickeln sie selber in vier
Workshops bei der Malschule eigene Werke, die im Rahmen einer Finissage am 21.05.2015 im Gevelsberger Rathaus gezeigt werden. Ziel ist es, dass immer ein Schüler der Förderschule
mit einem Schüler der Gesamt- oder Hauptschule zusammen arbeitet. Auf Dauer soll dadurch eine inklusive Künstlergruppe der Schulen entstehen.

Fortbildung zu den DIN Normen

Um eine ausreichende Sensibilität für die barrierefreie Gestaltung der Kreisverwaltung, die Beeinträchtigung durch unterschiedlichste Behinderungsformen und die demographisch bedingten Herausforderungen herzustellen, wurde am 09. Juni 2015 ein ganztägiges Seminar von der ‚Agentur Barrierefrei‘ durchgeführt, an dem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreis- und der Städteverwaltungen teilgenommen haben.

 

Begonnen wurde mit einem Selbsterfahrungsteil, um die Möglichkeiten und Grenzen der örtlichen Gegebenheiten zu erfassen. Daran angeschlossen folgte eine Einführung in die rechtlichen Grundlagen der Barrierefreiheit inklusive der aktuellen DIN-Normen. Abschließend wurden konkrete Lösungsansätze für die bauliche Gestaltung der Kreisverwaltung diskutiert. Die Ergebnisse der Diskussion wurden von den ebenfalls teilnehmenden Mitgliedern der AG-Bauen niedergeschrieben und konnten somit in die darauffolgenden AG-Sitzungen mit eingebracht werden.

  • Werkstattbesuch bei der AWO Ennepe-Ruhr in Gevelsberg


Kreishaus Rallye
Eine Maßnahme um die Perspektive von Menschen mit Behinderungen in den Inklusionsprozess von Beginn an mit einzubeziehen und einen direkten persönlichen Austausch zu ermöglichen, stellt die am 16. März 2015 durchgeführte Kreishaus Rallye dar. Fünf Mitglieder mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen (Lernschwierigkeiten, Mobilitäts-, Seh- und Sprachbeeinträchtigungen) der ‚AG Inklusion‘ der ‚Lebenshilfe Hattingen‘ führten eine Begehung der Kreisverwaltung durch. Folgende Stationen wurden dabei von den Betroffenen absolviert, in denen die Durchführung eines alltäglichen Verwaltungsaktes real nachempfunden wurde:

  • Informationen über Rollstuhlfahrdienst einholen
  • Abholung eines Busfahrplans     
  • Beratung über Wohnraumförderung für barrierefreie Wohnungen      
  • Anregungen bei der Heimaufsicht vorbringen       
  • Einholung eines Impftermins       
  • Information und Abholung einer Wanderkarte

Hierdurch wurden von den Experten in eigener Sache verschiedenste Verwaltungsdienste im Hinblick auf ihre Barrierefreiheit und den sensiblen Umgang mit Menschen mit unterschiedlichsten Unterstützungsbedarfen geprüft. 

Die Ergebnisse dieser Rallye fallen in Bezug auf die Auffindbarkeit, Zugänglichkeit und Nutzbarkeit der Kreisverwaltung sehr unterschiedlich aus. Während die Orientierung und die bauliche Gestaltung zumeist nicht als barrierefrei eingeschätzt wurden, wurde der Umgang mit den Verwaltungsangestellten als überwiegend positiv, freundlich und unterstützend empfunden. Die im Rahmen der Kreishausrallye vorgeschlagenen Maßnahmen finden sich in den geplanten Maßnahmen zum Thema „Bauen“ und „Sensibilisierung“ wieder.

 

 

 

 

Menschen im Büro
Menschen im Sitzungstrakt