BVD-MD

Tierseuchenbekämpfung - BVD-MD


 

Das Virus der Bovinen Virusdiarrhoe (BVD) verursacht in jedem Fall schwere wirtschaftliche Verluste, wenn es in einen empfänglichen oder teilempfänglichen Bestand eingeschleppt wird. Es gehört zur gleichen Virusfamilie wie das Virus der Schweinpest. Es ruft zwei unterschiedliche Krankheitsbilder hervor, die eigentliche BVD, eine i.d.R. mild verlaufende Durchfallerkrankung, sowie die schwere, immer tödlich endende Mucosal disease (Schleimhautkrankheit, MD). Das Virus schädigt neben den Schleimhäuten des Verdauungstraktes auch das System der weißen Blutzellen und damit die Infektionsabwehr. Andere im Bestand vorhandene Krankheitserreger werden dadurch in ihrer krank machenden Wirkung gesteigert werden. BVD-Virus-bedingte Erkrankungen treten daher in den Beständen unter vielfältigen Symptomen auf. Wird die Erkrankung neu in einen Bestand eingeschleppt, sind Fruchtbarkeitsstörungen wie häufiges Umrindern oft die ersten Anzeichen der Erkrankung. In vielen Fällen verläuft die Erkrankung aber auch subklinisch, d.h. ohne sichtbare Krankheitszeichen. Im vergangenen Jahr wurde für BVD-Virämiker (s.u.) die Anzeigepflicht eingeführt. Seit dem 01.01.2011 ist die BVD-Verordnung anzuwenden.     

 

Trächtigkeit und MD (Mucosal disease)

BVD-Viren sind nicht einheitlich, es sind zahlreiche unterschiedliche Virusstämme bekannt. Werden tragende Tiere infiziert, die selbst noch keinen Kontakt mit BVD-Virus hatten, kommt es zur Infektion der Frucht im Mutterleib. Je nach Stadium der Trächtigkeit sind dabei unterschiedliche Ausgänge möglich. Im ersten Drittel der Trächtigkeit wird das BVD-Virus wird wie ein Körperbestandteil behandelt. Das Kalb bleibt lebenslang („persistent”) von dem Virus besiedelt, bildet auch im späteren Leben keine Antikörper gegen dieses Virus (Immuntoleranz) und scheidet ständig BVD-Virus in hohen Konzentrationen aus. Die betroffenen Tiere werden als Dauerausscheider, persistent infiziert („PI-Tiere“) oder auch als „Virämiker“ bezeichnet. Erfolgt die Infektion des Kalbes im Mutterleib etwas später, d.h. im ersten Monat des zweiten Drittels der Trächtigkeit, treten Missbildungen auf. Betroffene Kälber können nach der Geburt meist nicht stehen, saufen aber zum Teil noch. Sie leiden häufig an Augen- und Kleinhirnschäden, oft auch an einem Wasserkopf. Kopfnackenhaltung oder Festliegen in Seitenlage sind typische Symptome. Im letzten Drittel der Trächtigkeit ist das Kalb im Mutterleib bereits in der Lage, sich wie ein erwachsenes Tier mit der Infektion auseinander zu setzen. Er bildet bereits im Mutterleib Antikörper gegen das Virus. Anstelle der beschrieben Krankheitsbilder können durch die Infektion in der ersten Trächtigkeitshäfte auch Verkalbungen ausgelöst werden.

Diese Dauerausscheider, die im ersten Drittel der Trächtigkeit mit BVD- Virus persistent (fortwährend) infiziert wurden, und nur diese können an der schweren Verlaufsform der Erkrankung, der Mucosal disease, erkranken (s. Abbildung). Ausgelöst wird die Mucosal disease durch eine Zweitinfektion mit einem zellzerstörendem (zytopathogenem) BVD-Virus. Gegen die zellzerstörende Wirkung des zweiten Virus kann sich das Tier aufgrund seiner Immuntoleranz nicht wehren und verendet schließlich. Das zweite Virus kann dabei von außen in den Bestand eingeschleppt werden, kann aber auch spontan durch Umwandlung aus dem ersten im Tier selbst entstehen.

Krankheitsbild

Typisch für Mucosal disease sind Todesfälle innerhalb weniger Tage in Verbindung mit schwerem Durchfall. Oft sind Blut oder weißliche Fibringerinnsel im Kot zu finden, weiterhin sind typisch Geschwüre an Flotzmaul, Zahnfleisch, Zunge, Gaumen, Nasenschleimhaut und z.T. auch im Zwischenklauenspalt. Die Geschwüre sind oft auf der unpigmentierten Nasenschleimhaut am besten zu finden. In den meisten Fällen sterben die Dauerausscheider innerhalb der ersten zwei Lebensjahre, oft sind es Kümmerer mit großem Kopf, gedrungenem Leib und struppigem Haarkleid. Einige Tiere können aber auch die Zuchtreife erreichen und die Infektion an ihre Nachkommen weitergeben. Persistent infizierte Kuhfamilien können so entstehen.
Werden dagegen erwachsene Tiere mit dem BVD-Virus infiziert, erkranken sie am vergleichsweise milden Krankheitsbild der BVD. In vielen Fällen verläuft die Infektion subklinisch: Die Tiere haben vorübergehend BVD-Virus im Blut und entwickeln dann Antikörper, die ab etwa 2-3 Wochen nach der Infektion im Blut nachweisbar sind. Sie sind dann nahezu lebenslang gegen die Infektion geschützt. Treten Durchfallerkrankungen auf, sind diese i.d.R. mild und heilen innerhalb weniger Tage ab. In den letzten Jahren sind allerdings neue BVD-Virusstämme (Typ II) aufgetreten, die im Rahmen der eigentlichen BVD auch zu schweren Darmerkrankungen mit erhöhter Blutungsneigung und Todesfällen führen können.
Wird BVD-Virus frisch in einen empfänglichen Bestand eingeschleppt, wird eine über mehrere Jahre ablaufende Kaskade von Krankheitserscheinungen ausgelöst. Fruchtbarkeitsstörungen (Verkalbefälle, Umrindern, frühembryonaler Fruchttod) oder andere Infektionen, die durch die immunschwächende Wirkung der BVD-Viren begünstigt werden – z.B. Atemwegserkrankungen oder Neugeborenendurchfall - stehen dabei oft zeitweise im Vordergrund.

Bekämpfung

Für die Aufrechterhaltung und Verbreitung der BVD in den Beständen sind in erster Linie die Dauerausscheider verantwortlich, die sich im ersten Drittel der Trächtigkeit mit BVD-Virus infiziert haben. Sie scheiden ständig BVD-Virus in großen Mengen aus und stellen die Hauptinfektionsquelle dar. Wird ein normales erwachsenes Tier infiziert, wird nur wenig BVD-Virus ausgeschieden. Untersuchungen haben ergeben, dass durchschnittlich nur 0,3 weitere Tiere infiziert werden. Die Infektionen erwachsener Tiere führt damit nicht zur Durchseuchung eines Bestandes, wohingegen bei Vorhandensein von Dauerausscheidern i.d.R. der gesamte Bestand durchseucht ist. Vorrangiges Ziel aller Bekämpfungsmaßnahmen muss daher die Identifizierung und Ausmerzung der Dauerausscheider und die Verhinderung neuer BVD-Infektionen im Mutterleib sein. Informationen zum Sanierungsverfahren sind unten aufgeführt.


Impfung

Ein relativ sicherer Schutz vor der Infektion im Mutterleib kann nur über Impfmaßnahmen erreicht werden. Seit mehreren Jahren werden die Vor- und Nachteile verschiedener Impfkonzepte kontrovers diskutiert. Lebende Impfstoffe, die sich im Tier vermehren und dadurch die natürliche Infektion imitieren, führen zu einem langanhaltenden, stabilen Impfschutz. Sie werden aber von den geimpften Tieren auch ausgeschieden und können unter Umständen zu Schäden bei nicht geimpften, tragenden Tieren führen. Bei Impfstoffen mit abgetöteten Erregern besteht diese Gefahr nicht, dafür ist der Impfschutz meist nicht von langer Dauer. Einen Kompromiss stellt das im Rahmen von Doktorarbeiten an der Universität in München entwickelte „Tot-Lebend-Konzept“ dar. Die Rinder werden vor der ersten Besamung zunächst mit einem Totimpfstoff geimpft und vier Wochen später mit einem die natürliche Infektion imitierenden Lebendimpfstoff nachgeimpft. Durch dieses Vorgehen wird nur so wenig Lebendimpfstoff ausgeschieden, dass einen Infektion nicht geimpfter Nachbartiere nicht mehr stattfindet. Nach Untersuchungen in Praxisbetrieben in Norddeutschland werden allein durch diese Grundimmunisierung hohe Antikörperspiegel im Blut erzeugt, die über mindestens drei Laktationen bestehen bleiben. Dies wird von vielen als Minimalprogramm für Milchviehherden empfohlen. Wer ganz sicher gehen will, sollte jährliche Auffrischungsimpfungen durchführen. Aus der Sicht des Veterinäramtes eignet sich dieses Verfahren v.a. für den Schutz von Milchviehherden. Obwohl dieses Verfahren nach Untersuchungen an kleinen Tiergruppen auch zur Impfung ohne Rücksicht auf das Trächtigkeitsstadium propagiert wird, sollte in Mutterkuhherden, wo die Jungrinder zusammen mit tragenden Tieren gehalten werden, sicherheitshalber einem Totimpfstoff der Vorzug gegeben werden. Hierbei muss aber unbedingt auf eine regelmäßige Nachimpfung der Tiere geachtet werden. Vereinzelt können unter Praxisbedingungen bei Impfung nur mit Totimpfstoff – trotz regelmäßiger Impfung – Infektionen des Kalbes im Mutterleib auftreten. Wir empfehlen, die Vor- und Nachteile der verschiedenen Impfkonzepte sorgfältig mit dem Hoftierarzt zu besprechen. Dass auf die Impfung im Rahmen der BVD-Bekämpfung nicht verzichtet werden kann, belegen u.a. Berichte, dass sogar Jungbullen, die bereits BVD-Antikörper im entwickelt haben, persistierende BVD-Infektionen der Geschlechtsorgane aufweisen können. Ein Eintrag des Virus von außen durch Personen oder andere Vektoren kann nie ganz ausgeschlossen werden.
Landwirte, die am Sanierungsverfahren anhand der Leitlinien teilnehmen, lassen, nach Entfernung eventueller Virämiker, die weiblichen Tiere impfen!

 

Wirtschaftlichkeit

Über 90% der Bestände in der Bundesrepublik haben Tiere mit BVD-Antikörpern. Der Anteil von Dauerausscheidern in der Rinder-Population beträgt 0,5-2%, d..h., dass Dauerausscheider in bis 50% der Bestände vorhanden sein können. Nach einer Berechnungen aus München (Wolf) beziffert sich der Schaden, wenn BVD in einen voll empfänglichen Bestand mit 50 Kühen und Nachzucht einbricht, für einen Zeitraum von fünf Jahren auf insgesamt 11800 €. Dabei wurden in Praxisbetrieben in Bayern ermittelte Schadenssummen und Eintrittswahrscheinlichkeiten zugrundegelegt. Die beschriebenen Maßnahmen zur BVD/MD-Bekämpfung sind damit nicht nur effektiv sondern auch wirtschaftlich.


Sanierungsverfahren

Die neue BVD-Verordnung des Bundes sieht eine verpflichtende Sanierung bzw. Statuserhebung in allen Rinderbeständen ab dem 01.Januar 2011 vor. Ziel der Verordnung ist, dass Rinderhalterbetriebe den Status „BVD VIRUS unverdächtiger Bestand“ erreichen. Ein frühes Erkennen von Virämikern, die zeitlebens das Virus ausscheiden und für andere Rinder eine Infektionsquelle darstellen, ist bei der Bekämpfung der BVD von zentraler Bedeutung. Daher werden alle ab dem 01.01.2011 geborenen Tiere vor Abschluß des sechsten Lebensmonats negativ auf das BVD-Virus untersucht. Des Weitern müssen alle Tiere, die den Betrieb verlassen sollen ebenfalls zuvor Untersucht werden, um die Virämiker zu identifizieren und anschließend zu merzen. Somit kann sowohl der Verkauf als auch der Zukauf nur von BVDV unverdächtigen Rindern erfolgen. Unverdächtig sind Rinder mit einer Gesamtbestandsbescheinigung über die BVD-Unverdächtigkeit oder einem Nachweis der BVD-Unverdächtigkeit über die Einzeltierverfolgung aus HIT. Nähere Einzelheiten zum Ablauf der Untersuchungen finden Sie im BVD-Merkblatt oder können in einem persönlichen Gespräch mit den unten genannten Mitarbeitern besprochen werden.


Um den Rinderhaltern in Nordrhein-Westfalen den Einstieg in die ab dem 01.01.2011 geltende BVD-Bundesverordnung zu erleichtern, hat die Landesregierung am 01.10.09 neue BVD-Leitlinien erlassen. Sie boten den Rinderhaltern mit finanzieller Unterstützung der Tierseuchenkasse in einem freiwilligem Sanierungsverfahren die Möglichkeit, sog. „BVDV-unverdächtige Bestände“ zu schaffen und zu erhalten. Rinderhalter konnten sich diesem BVD Leitlinienverfahren durch Abgabe einer Verpflichtungserklärung bis spätestens zum 01.04.2010 anschließen. Rinderhalter, die bereits den alten BVD Leitlinien angeschlossen waren, mussten eine neue Verpflichtungserklärung abgeben (da jetzt der Gesamtbestand auf BVD untersucht werden muss).
Die Teilnahme am freiwilligen Verfahren wurde allen Milchviehhaltern und Rinderzüchtern aus folgenden Gründen empfohlen:

  1. BVDV-unverdächtige Rinderbestände erwerben betriebswirtschaftliche Vorteile (verbesserte Reproduktion- und Aufzuchtergebnisse, langfristig Ausstieg aus der BVD Impfung),
  2. Erleichterungen im Handel (ab dem 01.01.11 dürfen nur Rinder mit einem negativen BVDV Ergebnis verbracht werden) sowie Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen nicht sanierten Betrieben,
  3. Kostenübernahme der Tierseuchenkasse für die BVDV Blutuntersuchungen, Beihilfe in Höhe von 80% des gemeinen Wertes eines BVD-Virämikers und Übernahme der Kosten für die Gewebeohrmarken sowie Kostenübernahme der Gewebeuntersuchung.

In etwa 97% aller Rinderhalter in NRW haben diese Gelegenheit genutzt. Seit dem wurden zwischen November 2009 und Mai 2010 weit über 200.000 Proben in dem für den EN-Kreis zuständigen Untersuchungsamt untersucht. Insgesamt wurden weniger als 0,5% Virämiker identifiziert. 

Betriebe, die sich dem Leitlinienverfahren nicht bis spätestens 01.04.2010 angeschlossen haben, müssen die Kosten für die notwendigen Untersuchungen sowie die Mehrkosten für die Gewebestanzmarken ab dem 01.01.2011 selbst tragen und erhalten zudem keine Beihilfe für die Merzung evtl. auftretender Virämiker.

Seit dem 01.01.2010 werden neugeborene Kälber mittels einer Ohrstanzmarke durch den Tierhalter selbst beprobt. Die Ohrmarken werden dem Tierhalter durch den Landeskontrollverband zugestellt. Der Tierhalter sendet das Probenröhrchen mit dem ausgestanzten Gewebe ohne Anschreiben an das zuständige Untersuchungsamt.
Seit Ende Februar bis Ende Mai 2010 wurden deutlich über 30.000 Ohrstanzproben untersucht - unter 0,7% davon waren positiv.

Da allerdings 610 Röhrchen der Ohrstanzproben (1,8%) leer waren und nicht untersucht werden konnten, wird noch mal auf die besondere Sorgfalt und Handhabung bei der Einziehung dieser Ohrmakarken hingewiesen!

 


Das BVD-Merkblatt  und eine Anleitung zum Erstellen von Einzeltierverfolgungen können Sie im folgenden Formular-Bereich herunterladen.

Herr Jörg Trestik

vet.amt@
en-kreis.de
02336 932410 Veterinär- u. Lebensmittelüberwachungsamt Adresse | Öffnungszeiten | Details

Herr Dr. Peter Richter

vet.amt@
en-kreis.de
02336 932406 Veterinär- u. Lebensmittelüberwachungsamt Adresse | Öffnungszeiten | Details