Urlaub vor der Haustür: Die Glör eine schöne Verführerin

Jetzt haben wir mehr Platz im Ennepe-Ruhr-Kreis. Viele Nachbarn sind in Urlaub gefahren. Viele - aber nicht alle. Es gibt auch Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen daheim geblieben sind. Sie haben es nicht schlecht getroffen. Die Sonne scheint wie auf Mallorca. „Und in unserer Heimat ist es auch schön“, sagt Meike Knop von der Tourismus Förderung des Ennepe-Ruhr-Kreises in Hattingen.

Die 33-Jährige spielt für die Daheimgebliebenen in den nächsten Wochen die Reiseleiterin. Sie zeigt die schönen Seiten des Ennepe-Ruhr-Kreises. Es sind bekannte, aber auch unbekannte Ecken zwischen Breckerfeld und Witten dabei, die sich für einen Ausflug lohnen. Denn der Tourismus gewinnt auch an Ennepe und Ruhr immer mehr an Bedeutung. Das Angebot wird ständig erweitert. Nicht nur Übernachtungsgäste, sondern auch Ausflügler schaffen Arbeitsplätze. Ausgangspunkt der Rundreise ist eine Fahrt zur „Badewanne des Ruhrgebiets“, der Glörtalsperre zwischen Breckerfeld und Schalksmühle. Wer weitere Informationen für die Planung eines Urlaubs vor der Haustür sucht, der findet sie im Internet unter der Adresse www.ennepe-ruhr-tourismus.de.

"Glörtalsperre ist „Badewanne des Ruhrgebiets“

Mal ganz ehrlich gesagt: Die Glörtalsperre ist ein richtiger Nichtsnutz. Sie liefert kein Trinkwasser, schützt nicht vor Überschwemmungen und die Industrie ist längst nicht mehr auf Wasserkraft angewiesen. Und deshalb sollte sie, so die Pläne der Lüdenscheider Stadtwerke, vor 13 Jahren eigentlich abgerissen werden. Aber: Die Glör ist schön, sie ist die „Badewanne des Ruhrgebiets“. Und deshalb gibt es sie noch.

Es ist ein sonniger Tag in einem heißen Sommer. Hier oben in Breckerfeld ist es ein paar Grad frischer als in den Tälern von Ennepe und Ruhr. Meike Knop von der Tourismusförde-rung des Kreises sitzt auf der Aussichtsterrasse von Haus Glörtal und wundert sich, dass viele Menschen aus der Umgebung noch nie hier waren. Ihre Mutter zum Beispiel: „Wir hatten sie zu einer Bergischen Kaffeetafel eingeladen und haben dann einen Verdauungsspaziergang um die Glör gemacht. Seitdem schickt sie alle Verwandten und Bekannten hier hin.“

Glör wird als Ausflugsziel vererbt

Bei Klaus Wehling ist das anders. Die Glör gehört zu seinem Leben. „Hier habe ich im Som-mer das Schwimmen und im Winter das Eislaufen gelernt“, sagt der 64-Jährige. Und er hat auch Lieben gelernt. Ehefrau Rita: „Ich war damals 16 Jahre alt und wir hatten schon ein Auge aufeinander geworfen. Dann hat mir Klaus das Schwimmen an der Glör beigebracht.“ Die Talsperre scheint ein guter Heiratsvermittler zu sein. Rita Wehling ist heute 63 Jahre alt und sie macht den Eindruck, noch immer verliebt zu sein.

„Die Glör ist lauter geworden“, sagt Klaus Wehling. Die Jugend von heute brauche Action, den Kick. Damals, als er jung war, sei alles gesitteter gewesen. Trotzdem hätten seine Eltern ihm verboten, alleine an die Glör zu gehen: „Sie hielten das für zu gefährlich. Ich habe mich auf dem Heimweg dann vor ihnen versteckt.“

Denn die Glör ist auch eine Verführerin: „Hier ist man mitten unter Menschen und mitten in der Natur.“ Da habe man zum Beispiel selbst Besucher aus Recklinghausen getroffen, die mit dem Rad den weiten Weg zu der „Badewanne“ auf sich genommen haben. Heute kommen ihre Kinder oder Enkel, erzählt Wehling, der auch Vorsitzender des TuS Breckerfeld ist. Die Glör als Ausflugsziel werde sozusagen vererbt – von Generation zu Generation. Sie biete eine „chlorfreie Freiheit“ und im Gegensatz zu vielen anderen Badeseen in Nordrhein-Westfalen auch noch schattige Plätzchen.

Besuch von Jung und Alt

Früher war die Glörtalsperre der Badesee der jungen Leute. Sie machten hier mit der ersten Liebe den bescheidenen ersten Urlaub, auch wenn er nur einen Tag im Zelt dauerte. Die Ju-gend kommt immer noch. „Aber es sind auch ältere Menschen hinzu gekommen“, hat Weh-ling beobachtet. Und Biker. Die motorisierten Zweiradfahrer haben die Talsperre zu einem ihrer bedeutendsten Treffpunkte in Nordrhein-Westfalen gemacht. Die Jugendherberge am künstlichen See sorgt dafür, dass der Glör der Nachwuchs nicht ausgeht.

Es ist 11 Uhr am Morgen an der Glör. So langsam füllt sich der Parkplatz. 290 Autos können hier abgestellt werden. Die vier Euro Parkgebühr für einen Tag sind sozusagen der Eintrittspreis für die Glör. Die Talsperre verlangt keine Kurtaxe, die Rettungsschwimmer des DLRG lassen sich nicht für die Sicherheit bezahlen, die sie den Schwimmerinnen und Schwimmern bieten. Zwar gibt es noch einen Ausweichparkplatz, aber der ist nicht eben nah gelegen.

Platz ist für alle da

Wir schlendern die ersten Meter des 3,4 Kilometer langen Rundwegs entlang. Eine Familie mit Kindern liegt auf ihren Badetüchern im Schatten. Daneben packen vier Jugendliche ihre Getränke aus. Die ersten Kinder springen im Wasser herum und freuen sich über die vielen Spritzer. Gedränge gibt es hier allerdings nicht. Jeder, der es möchte, findet ein Plätzchen ganz für sich allein. Und Hundebesitzer schätzen den Uferabschnitt, der für sie und ihre Vier-beiner vorgesehen ist.

Meike Knop, unsere „Reiseleiterin“, testet das Wasser: „Das ist schon deutlich über 20 Grad warm.“ Und von extrem guter Qualität. Das würde die Europäische Gemeinschaft der Glör Jahr für Jahr bestätigen. Nicht alle wissen das zu schätzen. Zum Beispiel diejenigen nicht, die die leeren Flaschen und die Kippen am Strand hinterlassen haben, obwohl es genügend Abfallbehälter gibt. Die Glör hat ihnen einen romantischen, vielleicht auch erlebnisreichen Abend verschafft – dankbar sind sie dafür nicht gewesen.

Quelle: Westfälische Rundschau, Lokalausgabe Schwelm, Gevelsberg, Ennepetal, Sprockhövel, Autor Klaus Bröking, 19. Juli 2010