20 Jahre Runder Tisch EN gegen häusliche Gewalt

Gemeinsam gegen häusliche Gewalt: Die Mitglieder des Runden Tisches haben sich in den vergangenen 20 Jahren unzählige Aktionen und Projekte einfallen lassen, um Frauen und Kinder zu schützen./Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Gemeinsam gegen häusliche Gewalt: Die Mitglieder des Runden Tisches haben sich in den vergangenen 20 Jahren unzählige Aktionen und Projekte einfallen lassen, um Frauen und Kinder zu schützen./Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Ein Jubiläum, das nachdenklich stimmt: Den ‚Runden Tisch EN gegen häusliche Gewalt‘ gibt es seit 20 Jahren. Im Schwelmer Ibach-Haus haben 23 Fachleute des Netzwerks auf ihre Arbeit zurückgeblickt, mit der sie gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern im Ennepe-Ruhr-Kreis ein sichereres Leben ermöglichen wollen. Angesichts aktueller Opferzahlen stellte Landrat Olaf Schade fest: „Wir brauchen den Runden Tisch dringender denn je!“

Jubiläen seien in der Regel erfreuliche Anlässe, sagte Schade. „Ich muss aber offen zugeben: In diesem Fall bin ich zwiegespalten. Auch nach 20 Jahren konzertiertem Vorgehen ist häusliche Gewalt ein Thema. Heute vielleicht sogar noch mehr als damals.“

Viel auf die Beine gestellt

1999 war der Runde Tisch gegründet worden. Beteiligt waren Vertreterinnen und Vertreter der Staatsanwaltschaft, der Polizei, des Vereins Frauen helfen Frauen und der Kreistagsfraktionen sowie die Gleichstellungsbeauftragten des Ennepe-Ruhr-Kreises und der Landrat. Nach und nach kamen mehr Fachleute dazu, unter anderem aus Beratungsstellen und Verbänden, dem Frauenhaus, dem Weißen Ring, dem Gesundheitswesen, den Kirchen, den Schulen, den Stadtverwaltungen und der Kreisverwaltung.

Was sie gemeinsam auf die Beine gestellt haben, ließ Katrin Brüninghold, Geschäftsführerin des Runden Tisches und Gleichstellungsbeauftragte der Kreisverwaltung, Revue passieren: Es gab unzählige Schulungen für Fachkräfte, die mit Gewaltopfern zu tun haben. Themen waren unter anderem Techniken der Gesprächsführung oder Auswirkungen von Gewalterfahrung auf die psychische Gesundheit.

Straßenaktion rückt Jahr für Jahr häusliche Gewalt in den Fokus

Auch setzte sich der Runde Tisch erfolgreich dafür ein, dass an den drei Krankenhäusern mit gynäkologischer Abteilung im Kreis eine vertrauliche Spurensicherung bei Opfern sexueller Gewalt möglich ist. Und die Akteurinnen organisierten eine Reihe von Angeboten speziell für geflüchtete Frauen mit Gewalterfahrung.

Viel Aufmerksamkeit für das Thema häusliche Gewalt erreicht das Netzwerk jährlich mit Straßenaktionen, bei denen kleine Geschenke mit pfiffigen Sprüchen verteilt werden. Beispiele: Brötchentüten mit dem Aufdruck „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ oder Taschentücher mit dem Motto „Keine Gewalt gegen Frauen. Wir haben die Nase voll!“. Zudem wurden und werden Broschüren und Flyer mit Hilfsangeboten entworfen und im Kreisgebiet verteilt. Dies auch in der so genannten leichten Sprache.

„Luisa ist hier"

Großgeschrieben wird auch die Vorbeugung. Dazu dienen beispielsweise Workshops für Schülerinnen und Schüler, die die Gefahren in sozialen Netzwerken oder Warnsignale für Gewalt in Beziehungen beleichten. Regelmäßig werden auch WenDo-Kurse angeboten, in denen Techniken der Selbstverteidigung erlernt werden und das Selbstbewusstsein gestärkt werden soll.

In einigen Kneipen des Kreises wurde das Projekt „Luisa ist hier“ etabliert: Wenn sich eine Frau bedrängt fühlt, kann sie sich mit der Frage „Ist Luisa hier?“ an das Personal wenden. Dies ist geschult, weiß Bescheid und kann sofort eingreifen, ohne dass die Frau etwas erklären muss.

„Es ist geballt, was wir in den 20 Jahren alles umgesetzt haben“, fasste Brüninghold zusammen. „Wir sind aber weiter gefordert und es gibt keinen Grund nachzulassen. Im Gegenteil.“ Studien zufolge erfährt in Europa jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens mindestens einmal Schläge oder sexuelle Gewalt. Die Statistik in den neun kreisangehörigen Städten weist allein für das vergangene Jahr 418 Fälle häuslicher Gewalt auf - und das sind nur die angezeigten Straftaten.

Dennoch sollten sich die Mitglieder des Runden Tisches nicht entmutigen lassen, riet Landrat Olaf Schade, Schirmherr des Netzwerks: „Jedes einzelne Opfer, das durch Ihre Arbeit den Mut findet, über Gewalt zu sprechen und sich Hilfe zu holen, ist ein Gewinn. Danke, dass Sie so viel Ausdauer haben und sich auf diese Marathonaufgabe einlassen.“

Stichwort Anlaufstellen

Der Runde Tisch ruft alle Mitbürgerinnen und Mitbürger auf, nicht wegzuschauen, sondern ihre Unterstützung anzubieten, wenn sie Anzeichen häuslicher Gewalt erkennen. Alle Betroffenen werden ermutigt, sich Hilfe zu suchen. Ansprechpartner sind beispielsweise das Frauenhaus.EN (02339/6292), die Frauenberatung.EN (02336/4759091, 02302/52596 und 02324/538093050), die Polizei (110), die Opferschutzbeauftragten der Polizei (02336/9166 2956 und 0234/909 4059) und der Weiße Ring (0151/55164777).