Affenpocken: Amtsärztin sieht geringes Risiko

Dr. Sabine Klinke-Rehbein/Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Dr. Sabine Klinke-Rehbein/Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

In den letzten Tagen haben unter anderem die Gesundheitsämter der Stadt Dortmund sowie des Kreises Unna und des Märkischen Kreises erste Fälle von Affenpocken in ihrem Bereich bestätigt. Im Interview äußert sich Amtsärztin Dr. Sabine Klinke-Rehbein zur Situation im Ennepe-Ruhr-Kreis, benennt Symptome und schließt ein Pandemie Szenario aus.

pen: Wie ist die Lage im Ennepe-Ruhr-Kreis?

Dr. Sabine Klinke-Rehbein: „Im Ennepe-Ruhr-Kreis gibt es derzeit keine bestätigen Fälle von Affenpocken und keine engen Kontaktpersonen. Eine Person wurde uns als loser Kontakt mit geringem Ansteckungsrisiko gemeldet. Diese Person betreibt ein tägliches Selbstmonitoring und steht regelmäßig mit dem Gesundheitsamt in Kontakt.

Insgesamt gilt: Die Zahl der Fälle steigt, seit Mai wurden dem Robert Koch-Institut deutschlandweit 592 Fälle gemeldet. Einige von dieser Infektion Betroffene wohnen in umliegenden kreisfreien Städten und Kreisen. Beide Faktoren haben uns natürlich sensibilisiert, wir haben ein waches Auge auf die Entwicklung und verfolgen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Empfehlungen kontinuierlich."

pen: Welche Symptome gibt es bei Affenpocken?

Dr. Klinke-Rehbein: „Die Krankheit beginnt mit einem sogenannten Prodromalstadium mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen und geschwollenen Lymphknoten. Einige Tage später kommt es zu einem Hautausschlag mit Blasenbildung. Wer derartige Hautveränderungen bemerkt, sollte enge Kontakte vermeiden und sich umgehend untersuchen lassen. Gegen schwere Verläufe gibt es ein Medikament, auch einzelne Symptome können häufig behandelt oder gelindert werden.

Die Inkubationszeit - also die Zeit zwischen Infektion und dem ersten Auftreten von Symptomen - liegt übrigens zwischen 5 und 21 Tagen.“

pen: Wie werden Affenpocken übertragen?

Dr. Klinke-Rehbein: „Affenpocken sind nur schwer von Mensch zu Mensch übertragbar. Das Virus kann aber durch direkten und engen Haut- und Schleimhautkontakt, durch Tröpfchen während eines intensiven Face-to Face-Kontaktes und nach Kontakt zu Bläscheninhalt oder Schorfpartikeln übertragen werden.

Die Ansteckungsfähigkeit beginnt mit dem Auftreten des Hautausschlags – eine Übertragung im Prodromalstadium ist eher unwahrscheinlich. Ansteckend sind infizierte Personen bis der Ausschlag abgeklungen ist und der letzte Schorf abgefallen ist. Dies kann bis zu 28 Tage dauern. Entsprechend lang kann auch der von den Gesundheitsämtern ausgesprochene Zeitraum für die Absonderung ausfallen.“

pen: Wie gefährlich sind die Affenpocken?

Dr. Klinke-Rehbein: „In der Regel klingt die Infektion von alleine ab und hinterlässt keine bleibenden Schäden. Einige Erkrankte, darunter immungeschwächte Personen, können schwer erkranken und auch Komplikationen erleiden.

Darüber hinaus schätzt das Robert Koch-Institut die Gefahr für die Gesundheit der breiten Bevölkerung als gering und für Menschen mit mehreren Sexualkontakten als moderat ein. Impfungen werden derzeit nur nach engem Kontakt zu Erkrankten und bei Personen mit erhöhtem Exposition- und Infektionsrisiko empfohlen.

Da Affenpocken im Gegensatz zum Corona-Virus hauptsächlich durch engen Körperkontakt weitergegeben werden und bislang nur kurze Infektionsketten beobachtet wurden, müssen wir keine weitere Pandemie befürchten.“

Allgemeine Informationen finden Interessierte auf den Internetseiten des Robert Koch-Instituts (www.rki.de) und der Bundezentrale für gesundheitliche Aufklärung (www.infektionsschutz.de).