Afrikanische Schweinepest: Krisenstab probte den Ernstfall

Der Krisenstab wurde in den Sitzungsräumen im Schwelmer Kreishaus eingerichtet. Zu Beginn wurde den Mitgliedern die Lage erläutert.

Um die Kernzone zu ermitteln, setzt das Veterinäramt auf moderne Technik und die Unterstützung der Mitarbeiter aus dem Sachgebiet Geoinformationen.

An Karten der Jagdbezirke diskutierten die Teilnehmer darüber, wo sich die Wildschweine erfahrungsgemäß aufhalten.

Die Übung stieß auch auf Medieninteresse. Dr. Peter Richter stand einem WDR-Team Rede und Antwort./Fotos: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

399 - diese eine Zahl genügte Amtstierarzt Dr. Peter Richter, um das mit der Afrikanischen Schweinepest verbundene Risiko für den Ennepe-Ruhr-Kreis zu verdeutlichen. 399 Tage kann das Virus dieser Tierseuche in Parmaschinken überleben. Für Menschen ungefährlich, für Wild- und damit letztendlich auch für Hausschweine eine tödliche Gefahr.

Aktuell liegen zwischen bestätigten Fällen in Belgien und dem Ennepe-Ruhr-Kreis zwar noch rund 300 Kilometer. „In Lebensmitteln, die Schweinefleisch enthalten, und an Bord von Fahrzeugen transportiert werden, könnte das Virus diese aber sehr schnell überwinden“, warnt Dr. Richter. Werde dann beispielsweise ein Brötchen mit infizierter Salami achtlos in die Landschaft geworfen und von einem Wildschwein gefressen, werde ein Schreckensszenario ganz schnell Realität.

Ausgangslage sah Fund in Ennepetal vor

Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest zunächst in Osteuropa und später eben auch in Belgien treiben Landwirten und Veterinärämtern seit Monaten die Sorgenfalten ins Gesicht. Um auf den Fall der Fälle vorbereitet zu sein, übten jetzt die Veterinärämter im gesamten Regierungsbezirk Arnsberg.

Die Ausgangslage im Schwelmer Kreishaus lautete: In Ennepetal-Königsfeld wurde ein verendeter Frischlings-Keiler gefunden. Untersuchungen im Veterinäruntersuchungsamt Westfalen und im Friedrich-Löffler-Institut bestätigen den Verdacht auf Afrikanische Schweinepest.

„Wie im Ernstfall haben wir einen Krisenstab eingerichtet“, berichtet Dr. Richter. Dazu zählten in der Übung rund 40 Beteiligte. Neben Mitarbeitern des Veterinäramtes und anderer Sachgebiete der Kreisverwaltung waren es Vertreter der Städte Breckerfeld, Ennepetal und Schwelm, der Polizei, der Kreisjägerschaft, des Landesbetriebes Wald und Holz NRW und des Landesbetriebes Straßen NRW.

Kommt es zum Ausbruch, gibt es viele Einschränkungen

„Im Mittelpunkt der Übung stand unter anderem das Bilden der so genannten Kernzone“, so Dr. Richter. Um Wildschweine am Verlassen dieser Zone zu hindern, würde sie - so die Vorgabe des Landes - eingezäunt. Zusätzlich kann es Betretungsverbote geben, es ist mit Einschränkungen für den Fahrzeugverkehr und für das Bewirtschaften von Flächen zu rechnen. Weitere tote Tiere würden intensiv gesucht und entfernt, alle dort lebenden Wildschweine gejagt.

„Vorbild für diese Vorgehensweise ist ein Gebiet in Tschechien. Dort sind nach Ausbrüchen im Jahr 2017 seit Mitte April 2018 keine neuen Fälle aufgetreten“, erläutert Dr. Richter die Hintergründe.

Wie enorm der Aufwand wäre, zeigt ein Blick auf die Übungs-Kernzone. Sie hatte eine Fläche von fast 30 Quadratkilometern und gut 50 Kilometer Zaun hätten errichtet werden müssen. Hier könnte der Krisenstab auf die Dienste der für Nordrhein-Westfalen gegründeten Wildtierseuchen-Vorsorgegesellschaft zurückgreifen. Zu zahlen wäre all dies Stand heute allerdings durch den Ennepe-Ruhr-Kreis.

Landwirte fürchten um ihre Existenz

Finanziell ebenfalls dramatisch wäre der Ausbruch für die landwirtschaftlichen Betriebe im Ennepe-Ruhr-Kreis, die 6.300 Schweine halten. Ein positiv getestetes Tier - egal ob wild oder Stall - wäre ausreichend, um den Markt für die heimischen Landwirte zusammenbrechen zu lassen. „Ferkel, Schlachttiere und Fleischprodukte wären quasi nicht mehr zu verkaufen“, ist sich Dr. Richter sicher. Zusätzliches Risiko: Tritt das Virus in einem Stall auf, muss der ganze Bestand getötet werden.

Als einen Beitrag, dies zu verhindern oder zumindest besser auf den Ernstfall vorbereitet zu sein, werteten alle Teilnehmer die gelungene Übung im Kreishaus.

Stichwort Afrikanische Schweinepest

Die ASP ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die Haus- und Wildschweine befällt. Sie ist nicht auf andere Tierarten oder Menschen übertragbar. Der Erreger kam über Speisereste vermutlich 2007 aus Afrika nach Georgien und hat sich seitdem in Europa ausgebreitet. Die direkte Übertragung erfolgt durch Kontakt zwischen lebenden Schweinen. Indirekt verbreitet sich der Virus unter anderem über Speisereste.

Die Inkubationszeit beträgt drei bis fünf Tage, nach vier bis neun Tagen tritt der Tod ein. Da die Symptome nicht eindeutig sind, kann eine Diagnose nur im Labor gestellt werden. Einen Impfschutz gibt es nicht.