„arbeiten - pflegen - leben": EN-Kampagne Thema in Zürich und Berlin

Christa Beermann informierte die Schweizer über die Kampagne „arbeiten - pflegen - leben".

Gut besuchter Schauplatz Zürich: Christa Beermann im Gespräch mit Marco Müller, Geschäftsführer Entlastungsdienst Schweiz./Fotos: Thomas Entzeroth

Zürich und Berlin statt Schwelm - Christa Beermann hat ihr Büro in der Kreisverwaltung in den letzten Wochen gleich mehrfach mit Konferenzzentren in europäischen Metropolen getauscht. Warum, das erläutert die Demografiebeauftragte des Ennepe-Ruhr-Kreises im Interview.

pen: Was hat Sie in die Schweiz, was hat Sie in die Bundeshauptstadt geführt?

Beermann: Anlass für die Reisen ist die Kampagne „arbeiten - pflegen - leben" und die damit verbundene Frage, wie Betriebe und Betroffene unterstützt werden können, wenn es Tag für Tag gilt, den Spagat zwischen Schreibtisch oder Werkbank und Pflegebett zu schaffen. Auf unsere Aktivitäten im Ennepe-Ruhr-Kreis sind auch der „Entlastungsdienst Schweiz“ und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aufmerksam geworden. In der Folge haben sie uns zu Konferenzen zum Thema „Pflege und Beruf“ eingeladen.

pen: Für Sie sowie die Macherinnen des Netzwerks W(iedereinstieg), die die Kampagne vor fünf Jahren gestartet haben, eine schöne Bestätigung für Ihre Arbeit und Ihre Ideen.

Teilnahme zeigt: „Wir machen unseren pflegenden Mitarbeiterinnen Angebote"

Beermann: Natürlich. Auf beiden Veranstaltungen konnten wir das, was und wie wir es machen, einem breiten Publikum vorstellen. Die Rückmeldungen der Teilnehmer waren durchweg positiv. Übrigens nicht zum ersten Mal. Schließlich haben wir in den letzten Jahren immer mal wieder auf Veranstaltungen von Landes- und Bundesministerien. Zudem haben wir vor zwei Jahren im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Demografischer Wandel als Fortschrittsmotor“ einen mit 30.000 Euro dotierten Preis erhalten.

pen: Aufmerksamkeit und Anerkennung von außerhalb sind Ihnen also sicher. Wie läuft die Kampagne vor Ort im Ennepe-Ruhr-Kreis?

Beermann: Schritt für Schritt hat sich die Zahl der an Ennepe und Ruhr beteiligten Unternehmen auf fast 30 erhöht. Dabei sind Firmen aus Industrie und Wohnungsbau, Gesundheitswirtschaft und Finanzen sowie Verwaltung und Bildung. Sie alle dokumentieren öffentlich: Wir machen unseren pflegenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedenste Angebote, damit sie ihren Einsatz an Arbeitsplatz und Pflegebett möglichst gut miteinander vereinbaren können. Flexible Arbeitszeitregelungen, Informationen bereitstellen und Vertretungsregelungen für kurzfristige Ausfälle sind nur einige Beispiele für das, was gemacht wird.

Pflege von Angehörigen muss ein selbstverständliches Thema werden

pen: 30 Kampagnenteilnehmer in 5 Jahren. Ist das nun viel oder wenig?

Beermann: Das will ich gar nicht bewerten. Fakt ist aber: In den beteiligten Unternehmen sind fast 14.000 Menschen beschäftigt und die Unternehmen, die dabei sind, erhalten für wenig Aufwand einen hohen Mehrwert. Ihre Beschäftigten werden entlastet und viele Pflegende berichten, Rücksichtnahme auf und Anteilnahme an ihrer Doppelbelastung im beruflichen Umfeld seien gestiegen. Genau darauf kommt es uns ja an. Im Interesse der Beschäftigten und auch der Unternehmen, die dadurch qualifiziertes Personal halten können.

Wir müssen es schaffen, dass Firmenleitung und Kollegen nicht nur an der Geburt eines Kindes Anteil nehmen. Ebenso selbstverständlich muss es Thema sein dürfen, wenn Eltern oder Angehörige plötzlich gepflegt werden müssen. Und was das für den Alltag am Arbeitsplatz bedeutet und wo welche Hilfen entlasten können. Hier freuen wir uns über jedes einzelne Unternehmen, das sich dieser Herausforderung mit unserer Unterstützung stellt.

Stichwort Kampagne „arbeiten - pflegen - leben"

Auf Postkarten und Plakaten sowie im Internet (www.arbeiten-pflegen-leben.de) demonstrieren Unternehmen ihre Unterstützung für pflegende Beschäftigte. Tenor: „Sie pflegen? Wir unterstützen sie“. Mit der Aussage „Ich pflege meine Mutter“ machen zudem Pflegende anderen Pflegenden Mut und tragen dazu bei, die Öffentlichkeit für das Thema und die Belastungen der Betroffenen zu sensibilisieren.

Stichwort Unternehmen, die die Kampagne unterstützen

AVU Gevelsberg, hwg Hattingen, HAZ Arbeit + Zukunft/Hattingen, VHS Witten/Wetter/Herdecke, IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel, SIHK zu Hagen, biw Isolierstoffe/Ennepetal, DRK Witten, Stadt Gevelsberg, AHE Entsorgungsfachbetrieb/Wetter, Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld, Praxis Dr. Woeste, Dr. Volkmann/Wetter/Ruhr, FAN e.V./Ennepetal, Seniorenstift St. Marien/Schwelm, Stadt Ennepetal, Ennepe-Ruhr-Kreis/Schwelm, VHS Ennepe-Ruhr-Süd/Gevelsberg, Wicke GmbH + Co.KG/Sprockhövel, HELIOS Klinikum/Schwelm, Agentur für Arbeit/Hagen, Polizei NRW/EN/Schwelm, Universität Witten/Herdecke, Stadtsparkasse Gevelsberg, BLEISTAHL Produktions-GmbH & Co. KG/Wetter, Stadt Witten, Stadt Wetter/Ruhr, Stadt Herdecke, Ev. Stiftung Volmarstein/Wetter/Ruhr.