Biker bringt Polizei auf Spur eines Serientäters

Ist froh, sein heißgeliebtes Bike wieder zu haben: Darius Wellershoff wollte sich mit dem Diebstahl nicht abfinden und konnte der Polizei tatsächlich den entscheidenden Hinweis geben, wo der Beschuldigte das Zweirad abgestellt hatte./Foto: Jose Manuel/Westfalenpost

Landrat Olaf Schade (vorne links) dankt Darius Wellershoff für dessen Hilfe. Mit auf dem Bild sind Dirk Wellershoff (links), Kriminalkommissariatsleiter Peter Jakobs und Karoline Brunsberg./Foto: Andreas Gruber/Westfalenpost

Zivilcourage lohnt sich. Diese Erfahrung machte jetzt der 15 Jahre alte Schwelmer Darius Wellershoff, dank dessen Hilfe die Polizei einem Serientäter auf die Spur kam. Sein vorbildlicher Einsatz wurde gleich doppelt belohnt.

Doch die Geschichte fängt höchst unerfreulich an. Es ist der 18. September 2017. Darius will ein paar Runden auf seinem heißgeliebten Bike drehen. Doch das ist weg. Genau wie das von seinem Vater Dirk und von dessen Lebensgefährtin Karoline Brunsberg. Dreist gestohlen aus einer privaten Tiefgarage am Göckinghof, dort wo sie wohnen.

Alle drei Räder waren mit Schlössern gut gesichert. Der Ärger ist groß. Der Frust auch. Vor allem bei Darius. Denn er braucht das Rad nicht nur für seine täglichen Erledigungen. Als überzeugter Biker liebt er sein 1.900 Euro teures Gefährt auch.

Zufallsbegegnung auf Hauptstraße

Aber das Schicksal meint es gut mit Darius. Am Tag nach dem Diebstahl entdeckt er zufällig ein aufgeknacktes Fahrradschloss, vor dem Kleidercontainer am Gymnasium. Es ist neonfarben, genau wie das von seinem gestohlenen Bike. „Da bin ich nach Hause, habe mir das Skateboard geschnappt und habe weitergeguckt.“

Das Glück bleibt auf seiner Seite. „Ich bin zur Hauptstraße gefahren und stand da gerade an der Ampel, als ein Mann auf einem Fahrrad vorbeifuhr, das mir sehr bekannt vorkam“. Weißer Rahmen, gebogene Satteltaschen, die seitlich an der Strebe montierte Rückleuchte. Kein Zweifel. Das ist sein Bike. Na warte, denkt sich der 15-Jährige und ist von Ehrgeiz gepackt.

Darius Vater wählt sofort die 110

„Ich bin hinterher und dem Mann unauffällig auf der anderen Straßenseite gefolgt“. Ein paar Häuser weiter, auf der Barmer Straße, verschwindet der Unbekannte mit dem Rad in einem Hauseingang. Darius trifft nun eine Entscheidung, für die er später viel Lob und Respekt ernten wird. Statt dem Mann auf eigene Faust in den Hausflur zu folgen, „bin ich wieder hoch zu meinen Eltern, weil ich doch kein Handy dabei hatte, und hab’ alles erzählt.“

Karoline Brunsberg zögert keine Minute und macht sich mit Darius sofort auf den Weg zurück. Während die Beiden zur Hauptstraße unterwegs sind, spricht sie sich per Handy mit Dirk Wellershoff ab, der unterwegs ist. „Bitte informiere die Polizei und komm’ dann nach.“ Darius Vater wählt sofort die 110.

An der Potthoffstraße warten die Drei aufs Eintreffen der Streife. Darius berichtet den Beamten, was geschehen ist, und beschreibt, wie der Täter aussieht. Personenangaben, Tatbeschreibung und Adresse lassen die Polizisten hellhörig werden. Sie haben da jemanden ganz bestimmten in Verdacht. Könnte es sein... .

Beamte staunen nicht schlecht

Die Beamten klingeln an der Wohnungstür. Eine Frau macht auf. Kein Mann. Ob sie mal reinschauen dürften, fragen die Beamten. Sie dürfen nicht. Also muss ein Durchsuchungsbefehl und wird angefordert. Zwei Stunden lang passen Polizisten vor der Wohnungstür auf, dass niemand abhaut. Dann können sie endlich unter Vorlage des amtlichen Dokumentes die Räume betreten.

Die Beamten staunen nicht schlecht. Sie finden in der Wohnung nicht nur das Mountain-Bike von Darius und das Rad von Karoline Brunsberg. Sie stoßen auch auf zig andere Sachen, die nach Diebesgut aussehen.

„Bei der Durchsuchung fanden wir Gegenstände, die wir bisher mit 26 Straftaten in Verbindung bringen konnten“, berichtet Peter Jakobs, Leiter des Kriminalkommissariats Süd/Ennepetal. Und möglicherweise werden es noch mehr. „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.“

Lob auch vom Landrat

Der Beschuldigte, der bereits per Haftbefehl wegen einer anderen Sache gesucht wird, wurde bei dem Einsatz zwar nicht erwischt und ist weiter auf freien Fuß. Dass er auch verantwortlich ist für eine ganze Serie von Fahrraddiebstählen, Diebstählen aus Kraftfahrzeugen und von Geldbörsen - alle Taten passierten im vergangenen Sommer hauptsächlich in Schwelm und ein paar auch in Wuppertal - weiß die Polizei aber nur dank des vorbildlichen Einsatzes von Darius Wellershoff.

„Ganz toll, so ein Kreuz zu haben und die Informationen weiter an die Polizei zu geben und nicht selbst aktiv zu werden“, meinte KHK Peter Jakobs. Vorbildlich findet das auch Landrat Olaf Schade, der von der Geschichte hörte und Darius und seine Familie sofort ins Kreishaus einlud, um ihm als Chef der Kreispolizeibehörde persönlich zu danken.

„Hinweisgeber sind wichtig für die Polizei, damit sie für mehr Sicherheit sorgen kann. Das ist eine Geschichte, die andere ermutigt, es auch so zu machen“, erklärte der oberste  Dienstherr. Als kleines Dankeschön überreichte der Landrat einen Geschenkgutschein – passend für den Einkauf im Fahrradgeschäft.

Quelle: Westfalenpost, Lokalausgabe für Schwelm, Gevelsberg, Ennepetal und Sprockhövel, Autor Andreas Gruber