Filmprojekt des Berufsbildungswerks Volmarstein: Kreis beteiligt

Astrid Hinterthür,

Markus Drüke und

Monika Schmohel waren an ihren Arbeitsplätzen einen Tag im Rollstuhl unterwegs.

Die Macher des Films./Fotos: Evangelische Stiftung Volmarstein

Wie ist das, wenn man im Rollstuhl sitzt? Drei Führungskräfte aus Wetter haben es ausprobiert. Anlässlich des „Tags der Behinderung“ verbrachten sie einen Arbeitstag im „Rolli“ und erlebten in ihrem Alltag einige ungewohnte Tücken. Gefilmt wurden sie von Auszubildenden mit Behinderung aus dem Berufsbildungswerk der Stiftung Volmarstein. Die Jugendlichen waren dabei nicht nur Beobachter, sondern in bestimmten Situationen auch wichtige Helfer für die Hauptdarsteller.

Dies waren: Markus Drüke, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Gevelsberg-Wetter, Monika Schmohel, Managerin des Ruhrtal Centers Wetter und Astrid Hinterthür, Fachbereichsleiterin Soziales und Gesundheit beim Ennepe-Ruhr-Kreis.

Selbsttest deckt Defizite auf

„Geradeaus geht ja“, stellte Hinterthür schnell fest, „aber das Einparken in einen Aufzug ist schon gar nicht so einfach.“ Als die Fachbereichsleiterin durch die Gänge des Kreishauses fuhr, fiel ihr viel Positives auf. So ließen sich die meisten Türen problemlos aus der Sitzposition öffnen.

„Ich käme hier zurecht“, fand Hinterthür. Doch bei dem Selbsttest bemerkte sie auch Defizite: Wo noch Teppichboden liegt, kommt ein Rollstuhlfahrer nur schwer voran und die Rampe am Eingang zum Kreishaus ist ziemlich steil. Da schafft es ein Rollstuhlfahrer kaum hoch.

Ruhrtal Center gilt als „Barrierefreies Einkaufszentrum“

Schmohel machte im Rollstuhl einen Bummel durch das Ruhrtal Center. Die Managerin entdeckte ein Detail: Bei den Lebensmitteln stehen Waren so hoch im Regal, dass sie ein Rollstuhlfahrer nicht erreichen kann. Da blieb ihr nur übrig, andere Kunden oder das Personal um Hilfe zu bitten.

Trotzdem ist das  Ruhrtal Center für Menschen mit Behinderungen eine gute Adresse. Bei der Planung der 2010 eröffneten Einkaufsmeile wurden viele Dinge in Sachen Barrierefreiheit berücksichtigt. Deshalb hat die Stadt Wetter das Center als „Barrierefreies Einkaufszentrum“ ausgezeichnet.

Gespräche auf Augenhöhe können schwierig werden

Als Drüke im Rollstuhl durch das Sparkassen-Gebäude fuhr, kam er gut durch die breiten Gänge. Doch gelegentlich empfand er ein „Gefühl der Hilfslosigkeit“. Im Arbeitsalltag nimmu das stellvertretende Vorstandsmitglied stets die Treppe. „Das ist jetzt ungewohnt“, sagte er, als er seinen „Rolli“ in den engen Aufzug steuerte.

Millimeter-Arbeit war auch gefragt, als Drüke durch die schmale Tür in den gepanzerten Raum mit den Kunden-Schließfächern fuhr. Von da ging es weiter in den Service-Bereich. Dort sprechen Mitarbeitende und Kunden an einer Stehtheke miteinander. Das Problem an dieser Stelle: Wenn einer der beiden Gesprächspartner im Rollstuhl sitzt, wäre im wahrsten Sinne des Wortes kein Gespräch auf Augenhöhe möglich.

Weitere Erkenntnis: „Wenn ich dauerhaft hier arbeiten und im Rollstuhl sitzen würde, würde zuerst der Anzug verschwinden – das ist total unkomfortabel.

Fazit der Hauptdarsteller

„Für mich war das eine völlig neue Erfahrung“, so Hinterthür, zu deren Fachbereich in der Kreisverwaltung das Thema „Inklusion“ gehört. Sie verspicht: „Wir versuchen, ein waches Auge darauf zu haben.“

„Diese Erfahrung hat mich nicht ungerührt gelassen“, so Ruhrtal-Center-Managerin Monika Schmohel zum Ende „ihres“ Tages im Rollstuhl.

Sparkassen-Vorstand Markus Drüke kam zu folgendem Schluss: „Es wäre ein Wunsch von mir, dass sich die Leute beim Planen von Gebäuden stärker in die Sitzposition des Rollstuhlfahrers versetzen.“

Stichwort Die Filmemacher

Acht Auszubildende des Volmarsteiner Berufsbildungswerks begleiteten mit mehreren Kameras und Tontechnik die drei Hauptdarsteller. Das Filmemacher-Team imSören Dehne, Lilia Grebe, Antonio Groß, Anna Heinze, Kevin Macioszek, Mohamed Ouald-Abbou, Alysha Scholz, Laura Schütz.

Der ungewöhnliche Film, den sie gedreht haben, ist ein Kooperations-Projekt mit der Lichtburg in Wetter und Yellow-Count Production.

Zu sehen gibt es ihn auf dem Youtube-Kanal der Evangelischen Stiftung Volmarstein.

Quelle: Volmarsteiner Gruß, Autor toto