Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Holocaust-Gedenken mit Jan van Bremen./Foto: Jörg Fruck/Stadt Witten

Holocaust-Gedenken mit Jan van Bremen./Foto: Jörg Fruck/Stadt Witten

Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft „Lokalgeschichte/Stolpersteine“ des Märkischen Gymnasiums gestalteten das Gedenken auch in diesem Jahr auf bewegende Weise mit./Foto: Stadt Schwelm

Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft „Lokalgeschichte/Stolpersteine“ des Märkischen Gymnasiums gestalteten das Gedenken auch in diesem Jahr auf bewegende Weise mit./Foto: Stadt Schwelm

Anlässlich der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 gedachten auch die Menschen im Ennepe-Ruhr-Kreis den Opfern des Holocaust. Schauplätze waren unter anderen Hattingen, Schwelm und Witten.

In Hattingen versammelten sich rund 100 Teilnehmer am Platz der Synagoge. Schüler der Realschule Grünstraße hatten zusammen mit Bürgermeister Dirk Glaser zu dieser Veranstaltung eingeladen. Zu den Teilnehmern zählten auch Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Bochum, Herne und Hattingen.

Die Jugendlichen verlasen Gedichte, Gebete und gedachten gemeinsam namentlich der Hattinger Opfer des Nationalsozialismus. Glaser dankte den Schülern für ihre Initiative. „Angesichts zunehmender antisemitischer Übergriffe und verrohender Hass- und Gewaltattacken sind wir gefordert, uns öffentlich gegen Hass und Menschenfeindlichkeit zu stellen.“

Witten: Ehemaliges KZ Außenlager Ort des Gedenkens

Ort der Erinnerung war in Witten das ehemalige Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald im Stadtteil Annen. Jan van Bremen - Sohn eines niederländischen Zwangsarbeiters und einer russischen Zwangsarbeiterin - erinnerte an das Leben seiner Mutter Galina Korjakowa. Sie war wie ihr späterer Ehemann nach Annen verbracht worden. Beide überlebten die Gefangenschaft, ihr Leben blieb aber stark von der menschenverachtenden Verfolgung durch die Nationalsozialisten geprägt.

Schüler der Holzkamp-Gesamtschule erinnerten an die Menschen, die dieses KZ-Außenlager im Ennepe-Ruhr-Kreis nicht lebend verließen, weil sie zu Tode geschunden oder ermordet wurden. „Mich hat besonders betroffen gemacht, dass die meisten noch relativ jung waren", sagte Schülerin Adriana Lischeid. Zusammen mit ihren Mitschülern las sie die Daten der 15 namentlich bekannten russischen KZ-Häftlinge vor, die in Witten um ihr Leben gebracht wurden.

Schüler schildern Trauer, Bestürzung, Beklommenheit

„Wir wollen die Zeitzeugnisse bewahren und an die nächste Generation übergeben", skizzierte Wittens Bürgermeisterin Sonja Leidemann das Ziel der Veranstaltung. Konzipiert und organisiert wurde sie durch das Stadtarchiv Witten in Kooperation mit der Stadt, der deutsch-israelischen Gesellschaft Witten und dem Freundeskreis der Israelfahrer e.V..

Indem sie ihre Eindrücke von einem Besuch der Gedenkstätte des KZ Auschwitz schilderten, übernahmen auch in Schwelm Schüler eine tragende Rolle. Am Gedenkstein in der Südstraße berichteten sie von Trauer, Bestürzung und Beklommenheit beim Blick auf persönliche Gegenstände der Opfer wie Brillen und Schuhe und beim Besichtigen der Gefängnis,- Steh- und Hungerzellen. Mit Tränen in den Augen passierten sie Gaskammer und Krematorium.

Für eine Gesellschaft ohne Hass und Verfolgung

Zu Herzen ging die lyrische Betrachtung einer Schülerin über den zynischen Spruch „Arbeit macht frei“, die mit den Worten endete: „Vergesst Arbeit macht frei! Es ist Liebe, Liebe macht frei!“

„Wir kommen jedes Jahr an diesem Ort zusammen, wir stehen für eine Gesellschaft ohne Hass und Verfolgung“, machte Schwelms Bürgermeisterin Gabriele Grollmann-Mock vor rund 80 Bürgern deutlich. „Wir haben bis heute das Bedürfnis, der Millionen Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen in Würde zu gedenken, darunter auch all jenen Schwelmer Bürgerinnen und Bürgern jüdischen Glaubens, die ausgegrenzt, entrechtet, verfolgt und ermordet wurden“.

Sie beklagte, dass Bürger jüdischen Glaubens in den vergangenen Jahren in Deutschland wieder zunehmend zur Zielscheibe von Übergriffen geworden sind. „Rempeleien und Pöbeleien, das Attentat auf Juden in der Synagoge in Halle im Oktober letzten Jahres und im November 2019 die rechtsradikalen und antisemitischen Parolen am Schwelmer Bahnhof“, zählte Grollmann auf. Der Staat müsse gegen jede Form von Rassismus und Antisemitismus durchgreifen.

Quellen: Presseinformationen der Städte Hattingen, Schwelm und Witten