Gefahrenabwehrzentrum: Kreis muss Baukostenexplosion einpreisen

Ende Juni konnte der Ennepe-Ruhr-Kreis das für den Bau des Gefahrenabwehrzentrums am Strückerberg vorgesehene Baugrundstück von der Stadt Ennepetal erwerben. Die Grundlage dafür lieferte der Anfang Juni von der Stadt veröffentlichte Bebauungsplan.

In seiner nächsten Sitzung am Mittwoch, 17. August, wird sich der Bauausschuss nun ein weiteres Mal mit dem Vorhaben beschäftigen, die Mitglieder werden in einer Vorlage über den Abschluss der Entwurfsplanung informiert.

„Grundsätzlich“, so macht Landrat Olaf Schade deutlich, „halten wir unser Kostenversprechen aus dem Spätsommer letzten Jahres ein. Die Projektbeteiligten haben sehr gut gearbeitet, die mit Blick auf die fortgeschrittene Planung mögliche Berechnung entspricht der in der Vorplanung als Schätzung kommunizierten Ausgaben für die Baukosten. Sie lagen bei rund 57,4 Millionen Euro.“

Baupreisindex steigt auf 18,98 Prozent

Diese an sich erfreuliche Medaille hat allerdings eine bittere Kehrseite: Angesichts der in den letzten Monaten enorm gestiegenen Kosten für das Bauen verliert sie einiges von ihrem Glanz.

„Für die Entwicklung der Baukosten zwischen dem Ende der Vorplanungen und der Fertigstellung des Gefahrenabwehrzentrums rund drei Jahre später hatten wir 2021 den über Jahre zu verzeichnenden Baupreisindex von plus 6,5 Prozent einkalkuliert. Allein in den letzten zwölf Monaten ist dieser Index nun aber um 18,98 Prozent gestiegen“, berichtet Fachbereichsleiter Michael Schäfer.

In Zahlen: Unter dem Strich sind aus den angenommenen Baukosten von 66,6 Millionen Euro - 57,4 plus jährlicher Baupreisindex in Höhe von 6,5 Prozent - 76,7 Millionen Euro geworden. „Ein Plus für das wir als Bauherr keinerlei Verantwortung tragen. Ein Plus, dessen Hintergründe hinlänglich bekannt sind. Ein Plus, das für uns im Spätsommer letzten Jahres in dieser Form nicht absehbar war“, so Schäfer.

Verwaltung benennt Einsparpotentiale

Um zumindest ein wenig gegenzusteuern, listet die Kreisverwaltung in ihrer Vorlage zum Abschluss der Entwurfsplanung Baukosten-Einsparpotentiale in Höhe von rund 2,7 Millionen Euro (Preisstand 2022) auf. Genannt werden beispielsweise weniger Tiefgaragenstellplätze, verkleinerte Hallen sowie veränderte Bauweisen für Gebäude und Stützbauwerke.

Neben den reinen Baukosten kalkuliert die Kreisverwaltung weiterhin mit Planungskosten in Höhe von 27 Prozent, in Euro ausgedrückt sind das 17,7 Millionen Euro. Diese Summe ist gegenüber dem Planungsstand vom Spätsommer letzten Jahres unverändert.

Unter dem Strich beziffert der vorliegende Entwurf damit zunächst Gesamtausgaben von 94,4 Millionen Euro. Damit liegen die Verantwortlichen im Schwelmer Kreishaus noch im Bereich des im letzten Jahr ermittelten Budgetansatzes von rund 97 Millionen Euro.

Budgetplanung: Neue Rechnung muss aufgemacht werden

„Noch besser wäre das Ergebnis ausgefallen, wenn das Plus des Baupreisindexes unverändert bei jährlich 6,5 Prozent gelegen hätte. Dann hätten 88,3 Millionen Euro ausgereicht. Wir wären weit unter dem geblieben, was uns die Kreispolitik bereits freigegeben hat“, unterstreicht der Landrat.

Hätte, wenn und aber - angesichts der derzeitigen Lage muss die Kreisverwaltung für eine angemessene Budgetplanung im Bauzeitraum 2023 bis 2026 eine andere Rechnung aufmachen. Neben den üblichen Vorgaben einer DIN-Norm für die Kostenberechnung gilt es dabei auch die erheblichen Risiken einzukalkulieren, die im Zusammenhang mit den derzeitigen weltweiten Krisensituationen stehen. Hier werden in der Vorlage beispielhaft erhebliche Zuschläge für Material genannt.

Für Ersteres (DIN-Norm) nennt die Vorlage 7,67 Millionen Euro, für Letzteres 11,5 Millionen Euro. In Summe steigt das voraussichtlich benötigte Budget damit auf 113,5 Millionen Euro. Budgetentlastend könnten sich noch Fördermittel auswirken. Sie werden aus den Bereichen klimafreundliches Bauen und Katastrophenschutz erwartet, ihre Höhe kann derzeit aber nicht beziffert werden.

Am Ende der Vorlage schlägt die Kreisverwaltung den Politikern vor, für Planung und Bau des Gefahrenabwehrzentrums in den nächsten Jahren das kalkulierte Budgets von 113,5 Millionen Euro bereitzustellen.

Stichwort Gefahrenabwehrzentrum

Kreispolitik und Kreisverwaltung sehen im Gefahrenabwehrzentrum einen entscheidenden Beitrag, um den Bevölkerungs- und Katastrophenschutz im Ennepe-Ruhr-Kreis zukunftsorientiert aufzustellen. Um das zu schaffen, sollen am Strückerberg für die Leitstelle und die Abteilung Bevölkerungsschutz der Kreisverwaltung moderne und zeitgemäße Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden.

Gleiches gilt für Räume, in denen der Krisenstab im Falle des Falles arbeiten würde. Ebenfalls geplant ist der Umzug der Kreisfeuerwehrzentrale von Gevelsberg nach Ennepetal. Zudem sind Hallen-, Lager- und Freiflächen für Einsatzfahrzeuge und Material aus den Bereichen Feuerwehr und Katastrophenschutz vorgesehen.

Einladung und Vorlagen zur Sitzung des Bauausschusses finden sich hier.