Serie über das Gesundheitsamt: Viren und Bakterien auf der Spur

Die Tabelle zeigt, wie stark nachgefragt der so genannte "Frikadellenschein" in den letzten Jahren gewesen ist. Auffällig ist auch die hohe Zahl der Menschen von außerhalb, die dieses Angebot der Kreisverwaltung nutzen./Grafik: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Wie 400 andere Gesundheitsämter in Deutschland leistet auch das des Ennepe-Ruhr-Kreises tagtäglich wichtige Beiträge, um die Bevölkerung zu schützen. „Viele Bürger haben vor allem das Bekämpfen von Infektionskrankheiten oder auch die Schuleingangsuntersuchungen im Kopf, wenn sie über unsere Aufgaben nachdenken“, weiß Astrid Hinterthür, Fachbereichsleiterin Soziales und Gesundheit der Kreisverwaltung.

Den „Tag des Gesundheitsamtes“ - ausgerufen vom Robert-Koch-Institut - will die Kreisverwaltung nutzen, um zu zeigen: Ja, Themen wie Hygiene, Infektionsschutz und Impfen gehören nach wie vor zu den Kernaufgaben des Gesundheitsamtes. Aber längst prägen auch Beratung, sozialmedizinische Aufgaben, die Gesundheitsförderung und vieles mehr die tägliche Arbeit an den Standorten in Gevelsberg, Hattingen, Schwelm und Witten.

Serie zum Thema „Gesundheitsamt"

Was genau, das steht im Mittelpunkt einer Serie. Der Auftakt widmet sich dem Sachgebiet „Gesundheitsaufsicht“. Die Beschäftigten sind zwar keine Saisonarbeiter. Nichtsdestotrotz haben sie im Frühjahr erfahrungsgemäß besonders intensive Monate an Schreibtisch und im Außendienst hinter sich. Grund dafür sind die Noro-Viren, die vor allem in der dunklen Jahreszeit „aktiv“ sind.

„Wenn in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas oder Pflegeheimen gehäuft Magen-Darm-Erkrankungen auftreten, sind wir gefordert. Laut Infektionsschutzgesetz besteht Meldepflicht. Es gilt, Kontakt mit den Verantwortlichen und den Betroffenen aufzunehmen und das weitere Ausbreiten zu verhindern“, erklärt Sabine Zimmermann, Hygienekontrolleurin beim Ennepe-Ruhr-Kreis. Die Palette der Aktivitäten reicht dabei vom Informieren über Vorgaben für Desinfektionen bis hin zum Schließen von Einrichtungen.

Bestimmte Krankheiten müssen gemeldet werden

Zu anderen Jahreszeiten können anstelle der Noro-Viren jederzeit andere Krankheiten den Arbeitsalltag prägen, beispielsweise Windpocken oder Masern. Treten mehrere Fälle in einer Gemeinschaftseinrichtung auf, kontrollieren Mitarbeiter des Gesundheitsamtes vor Ort Impfausweise.

„Kindern, die nicht ausreichend geschützt sind, droht in diesen Fällen ein befristetes Verbot, die Schule zu besuchen“, zeigt Zimmmermann Konsequenzen auf. Der Schutz vor Ansteckung stehe hier eindeutig über den Beschwerden der Eltern, denen für solche Vorgaben das Verständnis fehle.

Infektionskrankheiten in Zahlen:

Im letzten Jahr haben die Mitarbeiter der Gesundheitsaufsicht in über 2.800 Fällen ermittelt. Spitzenreiter war mit 1.300 labordiagnostisch gesicherten Fällen die Grippe. Auf den Plätzen folgten Durchfallerkrankungen durch Bakterien wie Campylobacter und Viren wie Noroviren mit zusammen rund 640 nachgewiesenen Fällen und die Windpocken mit 250 Betroffene.

Regelmäßig zu Gast sind die „Gesundheitsaufseher“ auch in allen Einrichtungen, die sich Gesundheit, Medizin oder Pflege auf die Fahnen geschrieben habe. In Krankenhäusern, Alten- und Pflegeeinrichtungen oder Arztpraxen überwachen sie die Hygiene. Und auch Wasser haben sie im Blick. „Wenn es in Bädern und Sporthallen zum Schwimmen und Duschen genutzt wird, sind beispielsweise die Legionellen unser Thema. Wenn es aus einem der kreisweit 500 Brunnen gefördert wird, steht die Trinkwasserqualität im Fokus“, so Hygienekontrolleurin Manuela Fuchs.

Immer mittwochs und dienstags: „Frikadellenschein"

Bei den Bürgern hoch im Kurs steht der so genannte „Frikadellenschein“. Ihn benötigt jeder Beschäftigte und Ehrenamtliche, der mit Lebensmitteln umgeht. Die dafür notwendige Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz bietet das Gesundheitsamt zweimal in der Woche an. Mittwochs im Schwelmer Kreishaus, donnerstags in der Wittener Nebenstelle.

„Infektionsschutz und Hygiene, Legionellen und ´Frikadellenschein´ - dies sind nur einige Beispiele für die Vielzahl unserer Aufgaben. Nicht dazu gehört allerdings ein Bereich, zu dem uns auch immer wieder Anfragen erreichen: Hygienemängel in Eisdielen, Restaurants oder Imbissbuden sind Themen für die Lebensmittelkontrolleure und werden damit von unseren Kollegen des Veterinäramtes bearbeitet “, stellt Fuchs klar.

Kontakt zum Sachgebiet „Gesundheitsaufsicht“

Die Gesundheitsaufsicht ist in Witten unter den Telefonnummern  02302/922 271 und 922 233, in Schwelm unter 02336/93 2563 und 2565 zu erreichen.