Grundstücksmarktbericht: Immobilienpreise weiter gestiegen

Wie haben sich Umsätze und Preise auf dem Grundstücksmarkt im Ennepe-Ruhr-Kreis entwickelt? Wo liegt das Preisniveau? Wie hoch war die Nachfrage nach Wohnungseigentum? Antworten auf diese Fragen liefert alle zwölf Monate der Grundstücksmarktbericht. Herausgeber ist der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Ennepe-Ruhr-Kreis mit der Stadt Witten.

„Wer ein Haus oder eine Eigentumswohnung erwerben oder sein Traumhaus bauen möchte, sollte stets im Hinterkopf haben: Bis zum tatsächlichen Einzug muss viel Geld investiert werden. Um dieses nicht in den Sand zu setzen, lohnt es sich, den Wert der Immobilie und die Marktlage bereits zu Beginn kritisch zu prüfen“, wirbt Jürgen Wagenbach, Vorsitzender des Gutachterausschusses, für einen Blick in den jetzt veröffentlichten aktuellen Bericht. Er könne Kauf- oder Bauwilligen wichtige und dazu noch kostenfreie Anhaltspunkte liefern.

2.911 Kaufverträge ausgewertet 

Grundlage des 86-seitigen Druckwerks sowie der neuen Boden- und Immobilienrichtwerte sind Kaufverträge, die in 2021 geschlossen und anschließend von den Notaren an den Gutachterausschuss übermittelt wurden. Berücksichtigt werden Verkäufe von bebauten und unbebauten Grundstücken sowie von Eigentumswohnungen.

„Im letzten Jahr wurden 2.911 Kaufverträge eingereicht. Diese dokumentieren einen Umsatz von rund 872 Millionen Euro, flächenmäßig wechselten 472 Hektar den Besitzer“, nennt Wagenbach die Informationen, die wichtig sind, um die regionale Umsatz- und Preisentwicklung darstellen zu können. Diese Zahlen haben im Vergleich zum Vorjahr ein ähnliches Niveau erreicht.

Aktuell kein Neubaugebiet im Ennepe-Ruhr-Kreis

Der Grundstückmarktbericht verzeichnet bei der Anzahl der verkauften Baugrundstücke für den individuellen Wohnungsbau im Jahresvergleich 2020/2021 einen Rückgang von rund 30 Prozent. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass es im Kreisgebiet derzeit kein Neubaugebiet gibt, in dem Baugrundstücke verkauft werden. Es lagen dem Gutachterausschuss 62 Kaufverträge vor. Der Durchschnittswert betrug 279 Euro pro Quadratmeter (2020: 265 Euro pro Quadratmeter). Bodenrichtwert-Spitzenreiter im Ennepe-Ruhr-Kreis bleibt Herdecke. Am „Ahlenberg“ ist bei einer Grundstückgröße von 1.000 Quadratmetern und 400 Euro/Quadratmeter ein Preis von 400.000 Euro zu zahlen.

Spürbare Preisanstiege

Die Zahl der verkauften Ein- und Zweifamilienhäuser sowie der Eigentumswohnungen ist auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr. Die Preise für Einfamilienhäuser sind in 2021 gegenüber dem Vorjahr stark (10 bis 20 Prozent) angestiegen. So wurde für ein freistehendes Einfamilienhaus der Baujahrsklasse 1975 - 1994 im Durchschnitt 403.000 Euro (Vorjahr 335.000) bei einer Wohnfläche von 158 Quadratmetern bezahlt. Eine Doppelhaushälfte der gleichen Baujahrsklasse und einer Wohnfläche von 130 Quadratmetern wurde durchschnittlich für 361.000 Euro (Vorjahr 315.000) verkauft.

Auch der mittlere Preis für Neubaueigentumswohnungen ist mit 3.470 Euro/Quadratmeter Wohnfläche bei einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 87 Quadratmetern erneut stark gestiegen (rund 9,5 Prozent). Im Vergleich zu 2020 bedeutet dies ein Plus von 300 Euro/Quadratmeter. Die Quadratmeterpreise für Altbauwohnungen sind ebenfalls gestiegen. Für Wohnungen der Baujahre 1985 bis 1994 sind im Durchschnitt 1.890 Euro/Quadratmeter Wohnfläche fällig (Vorjahr 1.740 Euro/Quadratmeter). „Preisabweichungen nach oben oder unten ergeben sich natürlich durch Lage, Ausstattung und Alter der jeweiligen Wohnung“, macht Wagenbach deutlich.

Im Grundstücksmarktbericht sind die Angaben zu Anzahl, Umsatz und Fläche sowie die Durchschnittspreise der einzelnen Teilmärkte für den gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis angegeben. Die Zahlen sind zusätzlich auch nach Gemeinden ausgewiesen. Darüber hinaus veranschaulichen Diagramme die unterschiedlichsten Sachverhalte.

Links zu Grundstücksmarktberichten

Interessierte finden den aktuellen und ältere Grundstücksmarktberichte sowie Bodenrichtwerte und Immobilienrichtwerte über die Landesseite www.boris.nrw.de oder auf der Internetseite www.gutachterausschuss.en-kreis.de. Hier geht es direkt zum aktuellen Bericht.

Stichwort Grundsteuerreform

Durch die Grundsteuerreform erlangen die vom Gutachterausschuss beschlossenen Bodenrichtwerte für alle Grundstückseigentümer eine besondere Bedeutung. In Nordrhein-Westfalen müssen alle Grundstückseigentümer ihre Objektdaten zwischen Juli und Oktober 2022 an die Finanzbehörden melden. Hierzu gehört auch der für das Grundstück beschlossene Bodenrichtwert zum 1. Januar 2022. Die Finanzbehörden werden bis Juni alle Grundstückseigentümer anschreiben und ihnen mitteilen, wie diese an die entsprechenden Daten kommen. Hierzu wird seitens der Finanzverwaltung eine Internetseite erstellt, auf der die Grundstückseigentümer unter anderem auch den Bodenrichtwert für ihr Grundstück einfach abrufen können.

In diesem Zusammenhang weist Wagenbach darauf hin, dass die Verarbeitung der Bodenrichtwerte durch die Finanzverwaltung nach einem vorgegebenen Bewertungsmodell des Landes NRW erfolgt. Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses können hierzu keine Hinweise geben. Bei Fragen zu Bodenrichtwerten, die im Zusammenhang mit der Grundsteuerreform bestehen, sollte daher die voraussichtlich ab dem 1. April erreichbare Hotline des zuständigen Finanzamtes angerufen werden.

Stichwort Gutachterausschuss für Grundstückswerte

Die Mitglieder des Gutachterausschusses werden von der Bezirksregierung Arnsberg für fünf Jahre bestellt. Sie kommen vorwiegend aus den Fachbereichen Architektur, Bau- und Immobilienwirtschaft, Bankwesen, Land- und Forstwirtschaft sowie Vermessungs- und Liegenschaftswesen. Die Mitgliedschaft ist ehrenamtlich. Sitz des „Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Ennepe-Ruhr-Kreis mit der Stadt Witten“ und seiner Geschäftsstelle ist Schwelm, die Geschäftsstelle ist organisatorisch in die Kreisverwaltung des Ennepe-Ruhr-Kreises eingebunden. Vorsitzender ist Jürgen Wagenbach, Leiter der Geschäftsstelle Stephan Cummerwie.

Erreichbar ist die im Kreishaus ansässige Geschäftsstelle des Gutachterausschusses unter 02336/93 2627, gutachterausschuss@en-kreis.de oder über die Internetseite www.gutachterausschuss.en-kreis.de