Häusliche Gewalt: Opfer sind mutiger geworden

Eine Wochenmarktbesucherin (rechts) greift sich in Herdecke eines der Armbänder vom Infotisch, an dem (von links) Renate Stöver, Petra Peschke-Göbel, Dr. Katja Strauss-Köster, Evelyn Koch, Guido Wernien, Leah Richter, Carolin Ulrich sowie Susanne Wernien (verdeckt) informierten./Foto: Stadt Herdecke

In Witten wurde der Infotisch auf dem Rathauspaltz aufgebaut./Foto: Stadt Witten

Setzten in Wetter (Ruhr) ein klares Zeichen gegen Häusliche Gewalt: Jürgen Bochmann und Dietmar Trust von der Polizei, Thomas Klutzny und Sandro Chisari als Vertreter der städt. Jugendeinrichtungen, Silke Ahlbrandt von der Beratungsstelle Frauenberatung EN, Hans-Jürgen Draht von der Bücherstube und die Gleichstellungsbeauftragte Ursula Noll. Dazu gesellte sich spontan ein Bürger, der diese wichtige Aktion unterstützen wollte./Foto: Stadt Wetter (Ruhr)

Foto: Stadt Wetter (Ruhr)

Seit mehr als einem Jahrzehnt lassen sich die Mitglieder des „Runden Tisch EN gegen Häusliche Gewalt“ im Ennepe-Ruhr-Kreis viel einfallen, um Betroffenen zu zeigen, wie und wo sie Hilfe finden können./Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

„Love is Respect“ mit dieser auf 3.500 orangen fluoreszierenden Armbändern aufgedruckten Botschaft ächtet der Runde Tisch EN gegen Häusliche Gewalt in diesem Jahr Schläge, Demütigungen und Kontrolle in den eigenen vier Wänden und durch den Partner.

Öffentlichkeitswirksam wurde die Aktion rund um den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November in sieben der neun kreisangehörigen Städte. Die Mitglieder des Rundes Tisches waren mit Infoständen in Fußgängerzonen und auf Wochenmärkten präsent.

Im Gepäck hatten sie neben den Armbändern Kalender im Scheckkartenformat, Flyer und Informationsmaterial. Diese liefern Frauen in Not unter anderem wichtige Ansprechpartner und Rufnummern. Unterstützt wird die Aktion vom Weissen Ring und von der AVU.

Häusliche Gewalt findet auch an Ennepe und Ruhr statt

Seit fast fünfzehn Jahren ist für die Initiatorinnen klar: Häusliche Gewalt darf weder Tabu-Thema noch Privatsache sein. Vielmehr brauchen die Opfer - meist Frauen und Kinder - Unterstützung. Wie dringend dies nach wie vor ist, das zeigt ein Blick auf die Polizeibilanz für 2017.

In den Akten finden sich für den gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis 432 Fälle häuslicher Gewalt, 227 Wegweisungen der Gewalttätigen aus Wohnungen und 310 Vermittlungen der Betroffenen an Beratungsstellen. Zum Vergleich: 2016 lauteten die Zahlen 406, 207 und 252.

„Das Plus in allen drei Bereichen ist auf den ersten Blick natürlich wenig erfreulich. Allerdings können wir es auch durchaus als Ergebnis unserer Arbeit bewerten“, liefert Katrin Brüninghold, Gleichstellungsbeauftragte der Kreisverwaltung und Geschäftsführerin des Rundes Tisches, eine auf den ersten Blick leicht wundersame Interpretation.

Öffentlichkeitswirksame Aktion hat Tradition

Brüninghold weiter: „Es lohnt sich die Opfer körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt über ihre Rechte zu informieren. Wer diese kennt, wird mutiger, handelt und schaltet die Polizei ein. Gleichzeitig lässt das aber eben auch die Fallzahlen steigen.“

Für den „Runden Tisch EN gegen Häusliche Gewalt“ sind die öffentlichkeitswirksamen Aktionen mit denen seit 2004 Jahr für Jahr Gewalt an Frauen und Kindern geächtet wird, eine Erfolgsgeschichte. Verteilt wurden die Botschaften unter anderen auf 200.000 Brötchentüten und 50.000 Taschentuchpäckchen, 1.000 Regenschirmen und 2.500 Eiskratzern, 2.500 Trillerpfeifen und 1.500 Brillenputztüchern.

Die Slogans lauteten beispielsweise „Gewalt kommt nicht in die Tüte.“ „Keine Gewalt gegen Frauen. Wir haben die Nase voll!“ „Wir lassen Frauen nicht im Regen stehen.“ „Eiskalt gegen Häusliche Gewalt.“

Erstmals beteiligen sich Buchhandlungen

Premiere als Teilnehmer der Aktion feiern in diesem Jahr sechs Buchhandlungen. Dabei sind Bücher Bochhammer (Ennepetal), Der Buchladen (Sprockhövel) und Die Bücherstube Draht (Wetter) sowie die Buchhandlungen Appelt (Gevelsberg), Herdecke (Herdecke) und Lehmkul (Witten). Sie platzieren Armbänder, Infomaterial und eine Fahne in ihren Schaufenstern und machen so auf das Thema aufmerksam.

Der „Runde Tisch EN gegen Häusliche Gewalt“ ermutigt alle Betroffenen, sich an Beratungsstellen, an das Frauenhaus oder an die Polizei zu wenden. Zeugen Häuslicher Gewalt sollten Warnsignale in jeglicher Form beachten und Unterstützung anbieten.

Ansprechpartner sind beispielsweise das Frauenhaus.EN (02339/6292), die Frauenberatung.EN (02336/4759091, 02302/52596 und 02324/38093050), die Polizei (110), die Opferschutzbeauftragten der Polizei (02336/9166 2956 und 0234/909 4059) und der WEISSE RING (0151/55164777).

Stichwort „Runder Tisch EN gegen Häusliche Gewalt“

Der „Runde Tisch EN gegen Häusliche Gewalt“, der die Aktionen geplant und vorbereitet hat, besteht seit 1999. Er vernetzt viele Institutionen und Fachleute aus Justiz, Polizei, dem Opferschutz, den Beratungsstellen, dem Frauenhaus, der Frauenberatung, dem Gesundheitswesen und die Gleichstellungsbeauftragten der Städte und der Kreisverwaltung miteinander, um den gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern im Ennepe-Ruhr-Kreis ein sichereres Leben zu ermöglichen. Schirmherr ist Landrat Olaf Schade.