Hanna sammelt in der Leitstelle berufliche Eindrücke

Praktikum in der Leitstelle

Hanna Kothmair schaut Disponent Benjamin Graefe bei seiner Arbeit über die Schulter. Lina Heckmann berichtet über das Praktikum./Foto: UvK/ Ennepe-Ruhr-Kreis

Die Frage „Was ist dein Traumberuf?“ ist für viele schwer zu beantworten. Für Hanna Kothmair ist dies jedoch ganz leicht. Die Schülerin des Reichenbach-Gymnasiums in Ennepetal weiß schon jetzt: Sie möchte einmal Notfallsanitäterin und Brandmeisterin werden. Momentan absolviert sie ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Leitstelle des Ennepe-Ruhr-Kreises.

„Um ein Praktikum beim Rettungsdienst zu machen bin ich noch zu jung, aber ich wusste von Anfang an, dass ich unbedingt etwas in diesem Bereich machen möchte“, begründet die 15-jährige ihre Wahl. Hanna ist ehrenamtlich im Schulsanitätsdienst, beim Jugendrotkreuz und bei der Jugendfeuerwehr aktiv, also kennt sie sich schon ein bisschen aus. „Hier erhalte ich einen Einblick in das Geschehen hinter den Einsätzen. Außerdem lerne ich auch viele neue Fachbegriffe und verschiedenste Situationen kennen und damit umzugehen“, freut sie sich.

Arbeit in der Leitstelle ist Multitasking

In der Leitstelle hört Hanna an der Seite von Benjamin Graefe überwiegend eingehende Anrufe mit an, um einen Einblick in die Arbeit zu erhalten. Außerdem beobachtet sie, wie die Disponenten Protokolle ausfüllen und mit den Einsatzkräften kommunizieren. „Gestern durfte ich sogar selbst einen Einsatzwagen losschicken“, berichtet Hanna stolz.

Die Mitarbeiter in der Leitstelle nehmen Notrufe und Aufträge für Krankentransporte entgegen. Außerdem überprüfen sie, welche Einsatzwagen zu Verfügung stehen und somit zur Einsatzstelle geschickt werden können. Sie entscheiden, ob neben einem Rettungswagen auch der Notarzt zum Einsatz kommt, welche Feuerwehrkräfte retten, löschen oder bergen. „Am Telefon gezielte Fragen stellen, den Computer bedienen und mehrere Bildschirme im Blick haben, wer hier arbeitet, kann Multitasking“, hat Hanna beobachtet.

Gearbeitet wird in 24-Stunden-Schichten

Sie erfährt außerdem: Für die Arbeit bei der Leitstelle muss man sowohl eine Ausbildung bei der Feuerwehr als auch beim Rettungsdienst absolviert haben und zusätzlich eine Fortbildung machen. Für die Disponenten gilt Schichtdienst, was hier bedeutet: Die 28 Mitarbeiter arbeiten in zwei Schichten im 24-Stunden-Dienst. Es sind immer 4 Disponenten aus dem 24-Stunden-Dienst vor Ort.

Gleichzeitig gibt es 3 Disponenten, die ganz „normal“ von 8 bis 16 Uhr arbeiten. Alle anwesenden Disponenten wechseln sich alle 6 Stunden ab. Diejenigen, die gerade Pause haben, stehen für den Fall, dass eine Notlage eintritt, in Rufbereitschaft.

Praktikum lohnt sich

Hinzu kommen 6 Lagedienstführer, die die Dienstpläne machen und alle Einsätze mitverfolgen. Von ihnen ist immer einer anwesend. Zudem gibt es 3 Systemadministratoren, die im Hintergrund dafür sorgen, dass die Telefone und das Leitsystem funktionieren. Chef der Leitstelle ist Markus Goebel.

Für Hanna steht bereits nach wenigen Tagen fest: Das Praktikum bei der Kreisverwaltung hat sich gelohnt. „Wenn ich später den körperlichen Anforderungen nicht mehr standhalten kann, könnte ich mir auch vorstellen, zur Leitstelle zu gehen“, meint Hanna. Aber erstmal möchte sie ihr Abitur und Ausbildungen zur Notfallsanitäterin und Brandmeisterin machen. Anschließend bestünde grundsätzlich auch noch die Möglichkeit eines Medizinstudiums. Anders als für viele junge Notfallsanitäter kommt dies für Hanna jedoch nicht in Betracht. „Ich möchte lieber retten, statt zu studieren.“

Stichwort: Praktikum bei der Kreisverwaltung

Aktuell nutzen zehn Schüler die Möglichkeit, ein Praktikum bei der Kreisverwaltung zu absolvieren. Sie sind in verschiedensten Bereichen im Einsatz. Beispiele sind das Straßenverkehrsamt, das Umweltamt und das Jobcenter EN, die Pressestelle, das Sozialamt und das kaufmännische Gebäudemanagement.

Ein Praktikum ist eine gute Gelegenheit, um zu testen, ob eine Ausbildung in der Kreisverwaltung etwas für den Start ins Berufsleben wäre. Momentan beschäftigt der Ennepe-Ruhr-Kreis 83 Nachwuchskräfte, allein zu Beginn des Ausbildungsjahres 2018 starteten 31 Auszubildende.

Weitere Informationen finden sich hier.