Kernkraft: Jodtabletten werden bei Unfall von Apotheken ausgegeben

Bei einem schweren Unfall in einem Kernkraftwerk erhalten Schwangere, Stillende und Minderjährige im Ennepe-Ruhr-Kreis Jobtabletten. Die Ausgabe findet im Falle des Falles in entsprechend gekennzeichneten Apotheken statt./Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Regelmäßig haben es die belgischen Kernkraftwerke Tihange und Doel in den vergangenen Monaten in die Schlagzeilen geschafft. Zuletzt waren die Sicherheitsmängel im Rahmen des Besuches des NRW Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) im Nachbarland wieder Thema. Trotz vielfacher Forderungen, die Reaktoren stillzulegen, sollen sie nach dem Willen der Betreiber aber am Netz bleiben.

Die Kreisverwaltung nimmt dies jetzt zum Anlass, um darüber zu informieren, wo im Falle eines schweren Unfalls in einem Kernkraftwerk Jobtabletten ausgegeben werden. Der Ennepe-Ruhr-Kreis hat vom Land NRW 300.000 Stück erhalten. Sie würden entsprechend der Empfehlungen der Strahlenschutzkommission an Schwangere, Stillende und Minderjährige verteilt werden. Die Dosierung hängt vom Alter ab und bewegt sich zwischen einer Viertel und zwei Tabletten.

41 Apotheken übernehmen das Verteilen

„Bürger bis 45 Jahren, die nicht schwanger sind und nicht stillen, erhalten im Ennepe-Ruhr-Kreis kein Jod. Die Abgabe an diese Gruppe ist nur vorgesehen, wenn ein Kernkraftwerk in einem Umkreis bis zu 100 Kilometern zu finden ist. Dies ist bei uns aber nicht der Fall. Wir liegen in einer so genannten Fernzone“, erläutert Michael Schäfer, Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung im Schwelmer Kreishaus.

Als Ausgabestellen für die Jodtabletten setzt die Kreisverwaltung auf die Zusammenarbeit mit den Apotheken. Zwischen Breckerfeld und Hattingen, Herdecke und Schwelm gibt es in allen neun kreisangehörigen Städten insgesamt 41 Apotheken. Sie sind im Falle des Falles an einem blau-orangenen Symbol im Schaufenster erkennbar. Die Liste den Adressen der teilnehmenden Apotheken finden Interessierte unter auf dieser Seite im Dokument "Folder_Jod".

Information über die Ausgabe erfolgt über die Medien

Zum Ablauf heißt es in einem Merkblatt der Kreisverwaltung: „Sollte sich in einem Kernkraftwerk ein schwerer Unfall ereignen und die Ausgabe von Tabletten für Bürger im Ennepe-Ruhr-Kreis notwendig werden, wird darüber über Medien, Rundfunk, Fernsehen und das Internet informiert. Dann - und nur dann - erhalten die genannten Personengruppen für sich und berechtigte Familienangehörige die benötigte Anzahl Jodtabletten samt Gebrauchsinformation. Ein Rezept ist nicht erforderlich.“

Da der Zeitpunkt der Einnahme eine entscheidende Rolle spielt und für die optimale Wirkung der Tabletten wichtig ist, würde die Ausgabe wenn nötig auch in der Nacht sowie an Wochenenden und Feiertagen stattfinden.

Stichwort „Das sollen Jodtabletten leisten"

Damit die Schilddrüse lebenswichtige Schilddrüsenhormone produzieren kann, benötigt sie Jod. Dieses wird normalerweise mit der Nahrung, mit Getränken und über die Atemluft aufgenommen. Das Problem: Bei einem schweren Unfall in einem Kernkraftwerk kann radioaktives Jod freigesetzt werden. Der menschliche Körper kann diese nicht vom nicht-radioaktiven Jod unterscheiden, nimmt es über die Atemluft auf und baut es in die Schilddrüse ein. Das Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, steigt.

Wer rechtzeitig hochdosiertes, nichtradioaktives Jod einnimmt, sättigt die Schilddrüse mit Jod und verhindert die Aufnahme von radioaktivem Jod.