Kreisverwaltung und Kreispolitik trauern um Volker Stein

Am 15. Juli 2002 war Volker Stein vom Kreistag in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet worden./Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Im Mai 2013 gratulierte der seinerzeitige Landrat Dr. Arnim Brux seinem Vorgänger Volker Stein zum 70. Geburtstag, links Ehefrau Ortrud./Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Volker Stein, bis Ende Juni 2002 Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises, ist im Alter von 75 Jahren verstorben. „Er ist eine historische Person für den Ennepe-Ruhr-Kreis und für mich ganz persönlich ein Vorbild in seiner Art, den ganzen Kreis im Blick zu behalten“, würdigt Landrat Olaf Schade den Gevelsberger.

Nach Abitur in Dortmund und Studium der Rechtswissenschaften in Münster und Bochum arbeitete Stein bis 1981 in verschiedenen Bereichen bei der Bezirksregierung Arnsberg. Von 1981 bis 1996 folgte die Zeit als Stadtdirektor in Gevelsberg. Am 18. März 1996 wählte ihn der Kreistag zum ersten hauptamtlichen Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises.

Im „Kreis aus der Retorte“ Kirchtürme vernetzt

„Auf ihn wartete eine Position, in der erstmals die Aufgaben des ehrenamtlichen Landrats und des hauptamtlichen Oberkreisdirektors vereinigt waren. Hierzu gehörten die Gesamtleitung der Kreisverwaltung und der Kreispolizeibehörde, die Führung eines Dezernates und der Vorsitz in Kreistag und Kreisausschuss. Zudem war er der gesetzliche Vertreter des Kreises und sein höchster Repräsentant“, skizziert Schade die seinerzeit neue Stelle im Kreishaus.

Für den Sozialdemokraten Stein war die Kreisverwaltung aber stets mehr als eine Verwaltungsbehörde. Jenseits der gesetzlich zugewiesenen Aufgaben nutzte er seine Position, um im „Kreis aus der Retorte“ die Kirchtürme der neun Städte besser zu vernetzen. Sein Ziel sei es immer gewesen, Wohnen, Arbeiten und Erholen im Ennepe-Ruhr-Kreis Perspektive und Zukunft zu verschaffen.

Wirtschaftsförderung, Tourismus, Kultur - Stein-Spuren in vielen Bereichen

Beispiele für dieses Engagement sind die Gründung der Wirtschaftsförderungsagentur Ennepe-Ruhr, der Startschuss für gemeinsame touristische Aktivitäten der Region sowie das aus vielen Einzelprojekten bestehende Handlungsprogramm Ruhrtal. Ebenso erinnerungswürdig: Kulturell setzte die vom ihm initiierte EN-Kunst Zeichen, mit Blick auf die Umwelt war der Kreis der erste in Nordrhein-Westfalen, der flächendeckend Landschaftspläne vorlegen konnte.

„In die Betroffenheit von Verwaltung, Politik und Bevölkerung über den Tod von Volker Stein mischt sich ein großes Maß an Respekt. Respekt dafür, wie offen der Verstorbene seit der Diagnose im Jahr 2002 mit seiner Erkrankung an Parkinson umgegangen ist“, erinnert Schade an den Grund für den vorzeitigen Ruhestand Steins. Die Anteilnahme von Verwaltung und Politik gelte seiner Ehefrau Ortrud sowie der gesamten Familie.

Stichwort hauptamtlicher Landrat

Die so genannte Doppelspitze aus hauptamtlichem Oberkreisdirektor und ehrenamtlichem Landrat gibt es im Ennepe-Ruhr-Kreis seit März 1996 nicht mehr. Seinerzeit war Volker Stein (SPD) zum ersten hauptamtlichen Landrat gewählt worden. 1999 folgte die Wiederwahl durch die Bürgerinnen und Bürger. Nach Steins gesundheitlich bedingter Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand hieß der Landrat zwischen 2002 und 2015 Dr. Arnim Brux (SPD). Sein Nachfolger Olaf Schade (SPD) ist bis 2020 von den Bürgern gewählt.