Kriminalität: Kreis bleibt sichere Region

Landrat Olaf Schade und Dirk Happe stellten die Zahlen und Fakten vor./Foto: Kreispolizeibehörde Ennepe-Ruhr

Der Blick auf die Kriminalität in den acht Städten, für die die Kreispolizeibehörde verantwortlich ist. Hattingen war 2017 ein statistischer Sonderfall./Grafik: Kreispolizeibehörde

„Wir leben nach wie vor in einer der sichersten Regionen Nordrhein-Westfalens und wenn es 2017 zu einer Straftat gekommen ist, konnten bei uns gut 7 von 10 aufgeklärt werden. Das war NRW-weit Spitze.“ Beim Blick auf die Kriminalitätsstatistik 2017 zeigt sich Landrat Olaf Schade zufrieden.

Zusammen mit Dirk Happe, Leiter der Direktion Kriminalität der Kreispolizeibehörde, stellte er die Zahlen für Breckerfeld, Ennepetal, Gevelsberg, Hattingen, Herdecke, Schwelm, Sprockhövel und Wetter (Ruhr) im Kreishaus vor. Für Witten lieferten sie keine Daten, für die größte kreisangehörige Stadt ist das Polizeipräsidium Bochum zuständig.

Statistik lügt nicht, sollte aber stets kritisch betrachtet werden. Dies gilt auch und insbesondere, wenn es darum geht, die Kriminalität an Ennepe und Ruhr im Vergleich 2016/2017 zu beurteilen.

Ein Trio sorgte für ein Plus von 3.200 Straftaten

Die Sprache der Zahlen: Aus 13.280 Straftaten wurden 15.456, ein Plus von 16 Prozent. Aus 2 Tötungsdelikten wurden 9, ein Plus von 450 Prozent. Was steckt aber hinter diesen beispiellosen Steigerungen? Anstiege, die geeignet wären, für große Verunsicherung in der Bevölkerung zu sorgen? Wohl kaum.

„Ende des Jahres konnten drei Männern 3.200 Betrugsfälle nachgewiesen werden. Da das Trio ausschließlich aus Hattingen agierte, tauchen die Straftaten in unserer Statistik auf“, erläutert Happe mit Blick auf die Gesamtzahl der Straftaten. Ohne diesen einen Fall mit 3.200-facher Folge für die Statistik kann die Kreispolizeibehörde eine ganz andere Rechnung aufmachen: Gesamtzahl der Straftaten rund 12.250, minus 7,7 Prozent.

Und für die Tötungsdelikte gilt: Seit 2017 wird eine Tat deutlich früher als Tötungsdelikt in die Statistik aufgenommen. „Entscheidend ist jetzt, dass die Handlung objektiv geeignet gewesen wäre, um jemanden zu töten. Vorher galt als Kriterium: Ein Gericht muss einen Fall als Tötungsdelikt bewerten“, beschreibt Happe die verringerte Schwelle.

Und sonst?

Das Thema des Jahres 2016 machte 2017 deutlich weniger Aufklärungsarbeit. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging um ein Viertel auf 544 zurück. „Ebenso erfreulich und ohne Frage ein Erfolg der Informations- und Beratungsarbeit der Kreispolizeibehörde“, so Schade, „ist: Die Hälfte der Einbruchsversuche wurde abgebrochen. Zu gut haben viele Bürger ihr Zuhause inzwischen gesichert.“

Das zahlt sich aus, denn haben die Einbrecher Erfolg, stehen die Chancen, sie zu fassen, nach wie vor schlecht. „Hier lag die Quote 2017 in Kreis und Land bei 16,7 Prozent“, so Happe. Er kündigte an, Einbrechern auch zukünftig das Leben schwer zu machen. „Der Rückgang der Zahlen ist für uns alles andere als ein Ruhekissen. Wir werden weiterhin regelmäßige offene und verdeckte Kontrollen durchführen, eine spezielle Ermittlungsgruppe für Wohnungseinbrüche einrichten und uns sehr aktiv an den landesweiten Kampagnen „Riegel vor! Sicher ist sicherer“ und „Mobile Täter im Visier“ beteiligen.

Hemmschwelle beim Einsatz von Pfefferspray oder Messer sinkt

Weitere Zahlen aus der aktuellen Statistik: Die Taschendiebstähle gingen um ein Drittel zurück, auf öffentlichen Wegen und Plätzen - Stichwort Straßenkriminalität - wurden 308 weniger Taten aktenkundig (minus 10 Prozent) und 4 von 100 aufgeklärten Straftaten werden von Zuwanderern begangen. „Damit gilt“, so Happe, „kriminalpolizeilicher Sicht: Die Unterbringung von Flüchtlingen hat im Ennepe-Ruhr-Kreis keine messbare Auswirkung auf die Kriminalitätslage.“

Weiter sei festzustellen: Körperverletzungen auf öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen werden zunehmend von mehreren Tätern gemeinschaftlich begangen. Außerdem sinke die Hemmschwelle, wenn es darum gehe, Pfefferspray oder Messer zu verwenden. Hier liege die Ursache dafür, dass die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen um ein Viertel gestiegen sei. Erwähnenswert: Die meisten dieser Taten werden in den Monaten der Volksfeste in den jeweiligen Kreisstädten verzeichnet.

Grundlage: Presseinformation der Kreispolizeibehörde