Leitstelle nutzt neue Technologie, um Standorte zu ermitteln

Leitstelle_AML

Disponent Daniel Simon (vorne), Leitstellenleiter Markus Goebel und Lagedienstführer Thorsten Hübel testen den AML-Dienst in der Kreisleitstelle. Im vergangenenn Jahr haben Simon und seine Kollegen über die 112 insgesamt 72.500 Notrufe angenommen./Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Wo genau befindet sich der Hilfesuchende? Auf diese bei Notfällen zentrale Frage erhalten die Mitarbeiter der Kreisleitstelle dank eines neuen Dienstes nun auch dann eine schnelle und exakte Antwort, wenn der Notruf von einem Handy aus abgesetzt wird.

AML (Advanced Mobile Location) heißt die Technologie, die seit Kurzem genutzt wird. Dabei aktiviert das Mobiltelefon bei Anruf der 112 im Kreisgebiet zu Gesprächsbeginn automatisch WLAN und Satellitennavigation. Die Standortdaten des Anrufers werden dann per SMS oder HTTPS an die Leitstelle übermittelt.

„Für die Notrufbearbeitung ist das ein riesiger Fortschritt“, ist Markus Goebel, Leiter der Kreisleitstelle, überzeugt. Der Großteil der Notrufe, die ihn und sein Team erreichen, wird inzwischen über Mobiltelefone abgesetzt.

Während die Standortermittlung bei Anrufen aus dem Festnetz über die Bundesnetzagentur erfolgt und den Leitstellen automatisch zur Verfügung gestellt wird, war die Bestimmung des Standorts bei Mobilgesprächen laut Goebel bislang oftmals schwierig. „Manche Patienten können uns aufgrund von Sprachbarrieren nicht mitteilen, wo sie sich befinden, oder sie sind durch den Vorfall traumatisiert.“

Technik wurde in Berlin und Freiburg getestet

Zudem gebe es Fälle, bei denen der Hilfesuchende selbst nicht wisse, wo genau er sich aufhält. So hätten Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr im vergangenen Jahr beispielsweise stundenlang in einem Waldstück bei Ennepetal nach einem verunglückten Wanderer gesucht, der querfeldein gelaufen war und seinen Standort nicht kannte.

Die Integrierte Leitstelle Freiburg und die Berliner Feuerwehr haben den von Google entwickelten Dienst AML im Rahmen eines Pilotprojekts erprobt und vor wenigen Wochen allen Leitstellen bundesweit zur Verfügung gestellt.

„Weil die Kenntnis des Standorts im Notfall entscheidend für den Einsatzerfolg ist, haben wir uns direkt für die Nutzung registriert“, sagt der Leitstellenleiter.

Mit dem Nutzen der neuen Technologie erfüllt der Kreis auch einer Forderung des Europäischen Gerichtshofs. Dieser hatte Anfang September geurteilt, dass die EU-Mitgliedstaaten für eine erfolgreiche Standortermittlung bei 112-Notrufen Sorge tragen müssen und das auch dann, wenn der Anruf von einem Mobiltelefon ohne SIM-Karte aus getätigt wird.