Ralf Schmiedel steht für ausgezeichnete Selbsthilfe

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Gruppenbild mit dem ausgezeichneten Ralf Schmiedel: Margret Melsa, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Hattingen und Landrat Olaf Schade (links), Mechthild und Isabel Schmiedel (rechts)./Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Drei bis vier Verdienstorden überreicht Landrat Olaf Schade pro Jahr an Bürger des Ennepe-Ruhr-Kreises. Wenn er dies macht, ist er quasi im Auftrag des Bundespräsidenten tätig. Mit der Auszeichnung dankt die Bundesrepublik Deutschland denjenigen, die sich in herausragender Weise für das Gemeinwohl engagieren. Ehrenwert ist dies für die verschiedensten Bereiche. Der Hattinger Ralf Schmiedel wurde jetzt für sein soziales Engagement ausgezeichnet.

„Ich darf das Bundesverdienstkreuz an einen Mann verleihen, der sich seit Jahrzehnten vorbildlich um seine Mitmenschen kümmert. Ralf Schmiedel ist nicht weniger als ein Mutmacher, ein Übersetzer und ein Retter“, betonte Schade in der Feierstunde im Schwelmer Kreishaus.

„Es kam der Tag, an dem er sein Schickal annahm"

Schule und Abitur, Studium und Tätigkeit als Diplom-Elektroingenieur, Heirat und Geburt der Tochter, Schmiedels Leben lief in guten, in gesunden Bahnen. Mit Anfang 30 machte sein Leben dann aber eine Vollbremsung. Unwohlsein und Schlappheit endeten mit der Diagnose Lungenhochdruck. Davon betroffen sind Lunge und Herz, für die Betroffenen wird das Bewegen zum Graus. Müdigkeit und Atemlosigkeit sind ihre ständigen Begleiter.

„Wut, Aggression und Traurigkeit, dazu die Frage ´Warum erwischt gerade mich diese seltene Krankheit?´ - auch Ralf Schmiedel wird so reagiert haben. Doch dann kam der Tag, an dem er sein Schicksal annahm, an dem er begann, sich über die Krankheit und mögliche Therapien zu informieren“, berichtete der Landrat.

Botschaft: Ein Leben mit Lungenhochdruck kann erfüllt sein

Zunächst angetrieben vom Willen zu überleben, wuchs beim heute 53-jährigen Tag für Tag die Überzeugung, anderen mit seinem Wissen helfen zu wollen. 2001 trat er einem Selbsthilfeverein bei, 2002 ging eine erste Selbsthilfe Internetseite samt Patientenforen und Chat online, 2004 eine zweite.

Hier erklärt Schmiedel Arztbriefe, übersetzt Fachbeiträge in Patientendeutsch, leistet psychischen Beistand, vermittelt Hoffnung und verweist bei Bedarf auf Behandlungsmöglichkeiten und Fachzentren. Zudem löscht er offenkundigen Unsinn, warnt vor Wunderheilern und vermittelt, dass auch ein Leben mit Lungenhochdruck erfüllt sein kann.

Tatendrang des Hattingers ist groß

„Bis heute sind Sie täglich mehrere Stunden online aktiv, haben über 10.000 Forums-Beiträge geschrieben und so hunderten Betroffenen geholfen, mit dem Schrecken der Diagnose klar zu kommen“, würdigte Schade die Leistung. Die seriöse Selbsthilfe per Internet sei gerade für Menschen, die durch eine Krankheit weniger mobil sind, ein idealer Weg, um sich zu informieren, auszutauschen und neue Hoffnung zu schöpfen.

Bedingt durch eine zweite Krankheit - 2003 wurde bei Schmiedel Morbus Osler festgestellt – ist der Hattinger auch hier zum sachkundigen Ansprechpartner für andere Patienten geworden.

Als weitere Beispiele für den Tatendrang des Hattingers nannte Schade exemplarisch das Engagement in Patientenforen in den USA, das weltweite Vernetzen von Patientenverbänden und Kontakte in weniger entwickelte Länder, Präsenz in Dachverbänden, einen Selbsthilfestammtisch und die Mitarbeit in Selbsthilfegruppen.

Stichwort Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland

Der Verdienstorden ist die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung und damit die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik Deutschland für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Er wird an Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen sowie für Verdienste aus dem sozialen, karitativen und mitmenschlichen Bereich verliehen. Seit seiner Stiftung durch Bundespräsident Theodor Heuss 1951 wurden etwa 257.000 Menschen auf diese Weise für ihre Leistungen gewürdigt.

Jeder kann die Verleihung des Verdienstordens an einen anderen anregen. Das Schreiben ist formlos an die Staatskanzlei des Bundeslandes zu richten, in dem der Vorgeschlagene wohnt. Die Anregung sollte neben Namen und Anschrift des möglichen Ordensempfängers auch Art und Umfang der Verdienste darstellen und Personen oder Organisationen nennen, die zu dem Vorschlag Stellung nehmen können. Übrigens: Wer seine eigene Auszeichnung anregt, kann nicht mit einer Verleihung des Verdienstordens rechnen.