Schwelmer City Lauf: Spannung auch nach dem Zieleinlauf

Für Besteck, Geschirr und Speisereste gab es beim Schwelmer City Lauf einen gemeinsamen Korb. In der Vergärungsanlage in Witten wurde daraus anschließend Strom produziert.

Landrat Olaf Schade - hier im Gespräch mit Dr. Christian Garaffa und Elisabeth Henne - machte sich selbst ein Bild vom Pilotprojekt in der Kreisstadt.

Karina Birka und Dr. Christian Garaffa erläuterten Moderator Bernd Hamer und den Zuschauern das für den City Lauf gewählte Abfallkonzept./Fotos: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

„Sie können Teller und Besteck zusammen mit den Essensresten hier in die Biotonne werfen. Das ist kein Problem.“ Für diesen Hinweis ernteten die Umweltscouts beim jüngsten Schwelmer City Lauf mehr als einmal ebenso kritische wie fragende Blicke.

Kunststoff in den Biomüll? Das passte so gar nicht mit dem zusammen, was vielen in Sachen Abfalltrennung längst in Fleisch und Blut übergegangen ist. Doch tatsächlich, bei der Sportveranstaltung in der Kreisstadt standen die Zeichen ganz und gar nicht auf Trennung.

Gemeinsam für weniger Abfall

„Große Veranstaltungen bringen viel Rest- und Plastikmüll mit sich. Diese für die Umwelt unerfreuliche Bilanz wollten wir für den City-Lauf in diesem Jahr deutlich verbessern helfen“, berichtet Karina Birka, Abfallexpertin der Kreisverwaltung.

Zusammen mit dem Ausrichter Rote Erde Schwelm, der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Schwelm, dem Entsorger AHE und dem italienischen Unternehmen Novamont ließ sie dem Plan umweltfreundliche Taten folgen.

Standbetreiber spielten mit

Den Schlüssel zum Erfolg lieferten die Südeuropäer. „Wir haben sie auf einer Messe kennengelernt und sind ins Gespräch gekommen. Schnell war klar, ihre Biokunststoffe passen bestens zu unserer Biotonne. Teller, Becher und Besteck sind nämlich komplett kompostierbar und hinterlassen keinerlei schädliche Spuren“, so Birka.

Die Wahl für einen ersten praktischen Versuch fiel schnell auf den Schwelmer City Lauf. Die bisher fünf Auflagen der Veranstaltung hatten gezeigt, was mehrere hundert Starter plus durstigem Anhang plus hungrigen Zuschauen für Müllberge hinterlassen. Für die Organisatoren der Roten Erde war daher klar: Wir wollen aktiv werden, um Abfälle zu vermieden und nicht vermeidbare Abfälle möglichst umweltschonend recyceln.

Weit vor dem ersten Startschuss wurden die Standbetreiber in diesem Jahr in die neue umweltfreundlichere Zielsetzung eingebunden und erhielten kostenfrei das biologisch abbaubare Geschirr. Das italienische Unternehmen lieferte zudem passende, eigens designte Sammelbehälter.

Lebhaftes Interesse von potentiellen Nachahmern

„Und nicht nur das“, so Birka. „um sich persönlich ein Bild davon zu machen, wie sich seine Produkte bei so einer Veranstaltung schlagen, ist Marketingleiter Dr. Christian Garaffa extra aus Mailand nach Schwelm gereist.“

Noch während die letzten Läufer ihre Runden durch die Innenstadt drehten, zeigten sich Initiatoren, Organisatoren und Garaffa mit dem neuen Konzept zufrieden. So sahen die Standbetreiber das Biogeschirr in Sachen Funktionalität auf einer Stufe mit der Plastikvariante, die Sammelbehälter wurden von den Besuchern sehr gut angenommen und die Idee, Veranstaltungen möglichst abfallarm zu gestalten, stieß auf lebhaftes Interesse von potentiellen Nachahmern.

Unmittelbar nach dem letzten Zieleinlauf transportiere die AHE die Biofracht in die Vergärungsanlage nach Witten. Dort wird aus Geschirr und Speiseresten nun Strom und Kompost. „In diesem Jahr hält die Sportveranstaltung ihre Spannung also noch lange nach dem letzten Zieleinlauf“, zeigt sich Birka mit dem Projekt zufrieden.

Stichwort Novamont

Die Italiener gelten als Pioniere für biologisch abbaubare Produkte. Ausgangspunkt war vor Jahren eine Plastiktüte für Bioabfall. Rückstandsfrei verrottete diese ebenso schnell und umweltfreundlich wie ihr Inhalt.

Heute ist Novamont ein industrielles Unternehmen mit annähernd 600 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von über 195 Millionen Euro (2017). 24 Prozent der engagierten Mitarbeiter sind in der Forschung und Entwicklung tätig und pro Jahr werden 120.000 Tonnen Mater-Bi produziert.

Der Biokunststoff besteht aus überwiegend erneuerbare Ressourcen und ist biologisch abbaubar und kompostierbar nach der Norm DIN EN 13432.