Serie "Ausbildung beim Kreis": Viren und Bakterien auf der Spur - Hygienekontrolleure

Kontaktverfolgung Hygienekontrolleure

Mit einem Headset ausgerüstet, macht sich Liridona Abazi-Beha daran, eine Liste von Kontaktpersonen abzutelefonieren. // UvK // Ennepe-Ruhr-Kreis

Hygienekontrolleur

Hygienekontrolleur Jürgen Schwabeland zeigt der Auszubildenden Liridona Abazi-Beha ältere Messgeräte zur Bestimmung des pH-Wertes. // UvK // Ennepe-Ruhr-Kreis

Jürgen Schwabeland legt den Hörer auf, atmet tief durch. Wieder ein Corona-Fall mit zig Kontaktpersonen. Jeden auf der Liste müssen er und seine Kollegen nun ausfindig machen und informieren, Abstriche organisieren und – je nach Art des Kontakts – Quarantänen verhängen. Infektionsschutz ist eine der Hauptaufgaben der Hygienekontrolleure beim Ennepe-Ruhr-Kreis. Ihr Job ist es, Quellen ausfindig zu machen und Infektionsketten zu unterbrechen. Nicht nur in der Corona-Pandemie, sondern auch bei Grippe- und Noro-Viren, Hepatitis und anderen Krankheiten.

Winter besonders arbeitsintensiv

Der Blick auf den Kalender bereitet Schwabeland Sorge. Seit Monaten hat das Corona-Virus das gesamte Gesundheitsamt fest im Griff und noch ist kein Ende in Sicht. Doch die nun bevorstehenden Wintermonate werden erfahrungsgemäß auch ohne Covid-19 besonders arbeitsintensiv. Grund dafür sind bestimmte Viren, die vor allem in der dunklen Jahreszeit aktiv sind und für die Meldepflicht besteht.

„Jede einzelne Infektion mit Rota- oder Noro-Viren müssen wir dokumentieren und ans Land übermitteln“, sagt Schwabeland. Treten Magen-Darm-Erkrankungen in Einrichtungen wie Kitas oder Pflegeheimen gehäuft auf, müssen die Hygienekontrolleure mit den Verantwortlichen und Betroffenen das weitere Vorgehen besprechen, Vorgaben zur Desinfektion machen und entscheiden, ob eine vorübergehende Schließung notwendig ist.

Flexibilität ist wichtig

Jederzeit können Ausbrüche anderer Krankheiten hinzukommen, beispielsweise Windpocken, Masern oder Meningokokken. Oder jemand erkrankt an Legionellen und die Hygienekontrolleure müssen die verunreinigte Wasserleitung identifizieren, um andere Menschen zu schützen. Oder sie müssen herausfinden, wo ein Patient mit Salmonellen, Campylobacter oder EHEC in Kontakt gekommen ist. Oder oder oder. 

„Man bleibt nie stehen in diesem Beruf. Es kommen immer wieder andere Krankheiten dazu, wie die Schweinegrippe, SARS oder jetzt Covid-19“, sagt Schwabeland, der auf 39 Dienstjahre zurückblickt. Flexibilität sei wichtig: „Manchmal beschäftigt man sich gerade mit einer Trinkwasseranlage und dann klingelt das Telefon und jemand beschwert sich über Ratten auf dem Grundstück. Dann muss man schnell umdenken und handeln können.“

Überwachung der Hygiene in Einrichtungen

Die Abwechslung im Arbeitsalltag war es auch, die Liridona Abazi-Beha bewogen hat, sich für eine Ausbildung zur Hygienekontrolleurin zu entscheiden. In ihren ersten Monaten beim Ennepe-Ruhr-Kreis, bevor die Ausbreitung des Corona-Virus vieles unmöglich machte, begleitete sie die Kollegen bei Außenterminen und lernte das zweite Aufgabengebiet kennen: die Überwachung der Hygiene in Einrichtungen wie Pflegeheimen, Krankenhäusern, Arztpraxen, Gemeinschaftsunterkünften und Schwimmbädern. „Diese Mischung ist sehr spannend“, findet Abazi-Beha.

Schwabeland hat sich innerhalb des neunköpfigen Teams auf Wasser spezialisiert. Einmal im Jahr ist er in den Hallenbädern zu Gast, Freibäder kontrolliert er während der Saison jeden Monat.

Auch Trinkwasserbrunnen werden geprüft

„Wir prüfen die Hygienehilfsparameter, den Chlor- und den pH-Wert“, erklärt Schwabeland. Stimmt bei den Werten etwas nicht, kann das unter anderem dazu führen, dass das Flockungsmittel im Schwimmbecken nicht richtig arbeitet. Die Folge: Kleinste Stoffe werden nicht gebunden und im Filter zurückgehalten, sondern verunreinigen das Wasser. Dann muss entweder mehr Chlor zugesetzt oder mehr Frischwasser eingeleitet werden. Im schlimmsten Fall werde ein Becken geschlossen, sagt Schwabeland, „zum Beispiel, wenn es mit Pseudomonaden belastet ist, einem Durchfallerreger, der auch Mittelohrentzündungen hervorrufen kann.“

Zusätzlich prüfen die Hygienekontrolleure die Trinkwasserleitungen auf Legionellen, die Umkleiden auf Sauberkeit sowie Reinigungspläne und -mittel. „In Schwimmbädern ist es wichtig, dass das Desinfektionsmittel Warzenviren abtötet. Und wir achten darauf, dass es als Arzneimittel zugelassen ist, um Reizungen bei Hautkontakt zu vermeiden“, so Schwabeland.

Auch die 490 Trinkwasserbrunnen im Kreisgebiet fallen in sein Aufgabengebiet. Jedes Jahr müssen die Eigentümer Proben entnehmen, sie von einem qualifizierten Labor auswerten und das Ergebnis dem Gesundheitsamt zukommen lassen. Wird ein Grenzwert überschritten, erteilt Schwabeland eine Abkochverfügung und sucht nach der Quelle der Verunreinigung. Routinemäßig kontrolliert er die Brunnen zudem – je nach Anlagentyp – alle drei bis fünf Jahre.

Nicht immer gern gesehene Gäste

Treten häufiger Probleme auf, ist eine ständige Entkeimung notwendig, zum Beispiel durch Chlor oder eine UV-Anlage. „Technisch kann man fast alles rausmachen. Es ist eine Frage des Geldes“, stellt Schwabeland fest. Wenn es Beanstandungen gibt, die teure Investitionen erfordern, halte sich die Begeisterung der Eigentümer allerdings meist in Grenzen.

Manchmal, sagt Abazi-Beha, seien die Leute richtig unfreundlich. „Dabei meinen wir es doch gut, es ist ja ihr Trinkwasser.“ Empathie sei wichtig in ihrem Beruf. Aber auch, eine „dicke Haut“ zu haben. Sie schaut zu Schwabeland: „Er kann dabei absolut cool bleiben. Wahrscheinlich ist es auch Übungssache.“

Stichwort: Infektionskrankheiten in Zahlen

2019 haben die Mitarbeiter der Gesundheitsaufsicht in mehr als 2.200 Fällen ermittelt. Spitzenreiter war mit rund 850 labordiagnostisch gesicherten Fällen die Grippe. Es folgten Durchfallerkrankungen durch Bakterien wie Campylobacter und Viren wie Noro- und Rotaviren mit zusammen rund 900 nachgewiesenen Fällen und die Windpocken mit 112 Betroffenen. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie in diesem Jahr gab es im Kreisgebiet bislang 893 Infektionen.

Stichwort: Ausbildung beim Ennepe-Ruhr-Kreis

  • Der Ennepe-Ruhr-Kreis bildet regelmäßig Hygienekontrolleure aus, momentan ist aber kein freier Ausbildungsplatz zu besetzen.        
  • Die Ausbildung dauert drei Jahre, der theoretische Teil erfolgt an der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf.
  • Wer Fragen rund um die Ausbildungsmöglichkeiten beim Ennepe-Ruhr-Kreis hat, wendet sich an Laura Quasigroch, Telefon 02336-932149, E-Mail l.quasigroch@en-kreis.de, oder Annika Fischer, Telefon 02336-932181, E-Mail a.fischer@en-kreis.de.
  • Weitere Informationen sowie eine Reportagereihe zu den verschiedenen Ausbildungsberufen sind über die unten stehenden Links zu finden.