Serie über das Gesundheitsamt: Fachstelle hilft Menschen mit Behinderung

Uwe Quambusch

Uwe Quambusch/Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Den vom Robert-Koch-Institut ausgerufenen „Tag des Gesundheitsamtes“ nutzt die Kreisverwaltung, um in einer Serie die Aufgaben der dort Beschäftigten vorzustellen. Heute geht es um die Fachstelle für Menschen mit Behinderungen im Beruf.

Markus Müller - Name und berufliche Situation sind frei erfunden - arbeitet seit Jahren als Postbote. Er ist zufrieden. Frische Luft, Kundenkontakte und Bewegung, bei allem täglichen Stress rund ums Verteilen der Briefe, die Mischung stimmt für ihn. Dann mit 35 Jahren die Diagnose: Multiple Sklerose, schnell fortschreitend. Die Arbeit als Postbote, sein Einsatz im Außendienst werden nicht mehr lange möglich sein.

Beispiel zeigt, wie geholfen wird

„Hier kommen wir ins Spiel“, berichten Karin Schauerte  und Uwe Quambusch von der Kreisverwaltung. Gemeinsam mit Arbeitnehmer und Arbeitgeber überlegen die Mitarbeiter der Fachstelle für Menschen mit Behinderungen im Beruf, was nötig und möglich ist, um Menschen wie Müller eine berufliche Perspektive zu bieten.

Im Beispielfall könnte das heißen: Der Arbeitgeber bietet Müller Innendienst in einer Filiale an. „Damit ist es aber natürlich nicht getan. Das Umfeld, also Schalter, Zugang zum Arbeitsplatz oder auch WC müssen so gestaltet werden, dass der absehbar auf einen Rollstuhl Angewiesene damit zurechtkommen kann“, erläutert Quambusch.

Praktisch geht es also beispielsweise darum, den Schalter in der Höhe abzusenken oder die Toilette barrierefrei umzubauen. Ebenfalls denkbar ist, das Auto des Erkrankten umzubauen und ihm so den selbstständigen Weg an den Arbeitsplatz möglich zu machen.

Ansprechpartner für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Das Beispiel Müller verdeutlicht: Der Fachstelle geht es darum, schwerbehinderte Menschen langfristig in das Berufsleben zu integrieren. „Unser Ziel ist es, behinderungsbedingte Nachteile so weit wie möglich auszugleichen, Fähigkeiten zu fördern und zu schützen, Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern“, skizziert Karin Schauerte ihre Aufgabe.

Ansprechpartner ist die Fachstelle sowohl für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber, geholfen wird mit finanziellen Leistungen und gezielter Beratung. Und das nicht nur, wenn es um das Umgestalten von Arbeitsplätzen geht. An der richtigen Adresse sind hier auch diejenigen, die nach langer Krankheit eine betriebliche Eingliederung (BEM) anstreben. Plant ein Arbeitgeber, Menschen mit Schwerbehinderung zu entlassen, führt gar gar kein Weg an Schauerte und Quambusch vorbei. In diesen Fällen gelten ganz besondere Kündigungsschutzbedingungen, den Blick drauf haben die Mitarbeiter der Fachstelle.

„Schön zu sehen, Betroffenen helfen zu können"

Zahlen zeigen: Markus Müller ist kein Einzelfall. Im Ennepe-Ruhr-Kreis sind 14 von 100 Menschen schwerbehindert. Das heißt: Bei ihnen liegen körperliche, seelische, geistige oder Sinnes- Beeinträchtigungen vor, die ihre Teilhabe an Beschäftigung und am Leben in der Gesellschaft dauerhaft beeinträchtigen. Um ihnen zu helfen, hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe im letzten Jahr rund 145.000 Euro bewilligt. In 51 Fällen konnten damit Arbeits- und Ausbildungsplätze umgestaltet und ausgestattet werden. Die Zahl der BEM-Verfahren lag nach Angaben der Kreisverwaltung in 2017 bei 60.

„Jeder Einzelfall ist mit viel Arbeit verbunden. Es ist aber auch schön zu sehen, betroffenen Arbeitgebern und -nehmern helfen zu können. Daher gilt: Niemand sollte sich scheuen, die Fachstelle um Rat und nach Informationen zu fragen“, so Schauerte  und Quambusch.

Kontakt zur Fachstelle für Menschen mit Behinderungen im Beruf

Ansprechpartner im Schwelmer Kreishaus sind Karin Schauerte, Tel.: 02336/93 2259 und Uwe Quambusch, Tel.: 02336/93 2260.