Spitzenverbände loben Engagement der Schulträger

Als Schulträger hat der Ennepe-Ruhr-Kreis den Unterrichtsstart an vier seiner sechs Schulen unterstützt.

Als Schulträger hat der Ennepe-Ruhr-Kreis den Unterrichtsstart an vier seiner sechs Schulen unterstützt.

Neben den Abstandsregeln steht Desinfektion ganz oben in den Konzepten der Schulen./Fotos: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Neben den Abstandsregeln steht Desinfektion ganz oben in den Konzepten der Schulen./Fotos: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Die Städte, Kreise und Gemeinden appellieren an die Landesregierung, bei der weiteren Öffnung von Schulen behutsam vorzugehen und das Praxiswissen in den Kommunen endlich mit einzubeziehen. Die Wiederaufnahme des Betriebs in der Vorwoche sei Dank des großen Engagements in den Schulen und Kommunen trotz unzureichender Vorgaben und sehr später Übermittlung von Informationen durch das Land erfolgreich verlaufen.

Im Tenor schließt sich die Stellungsnahme an Aussagen an,  die in den letzten Wochen auch aus dem Schwelmer Kreishaus und den Rathäusern der neun kreisangehörigen Städte zu hören waren.

„Die Schulen für mehr Kinder zu öffnen, ist eine weitaus größere Herausforderung. Dazu braucht es klare und verlässliche Rahmenbedingungen", machten Thomas Hunsteger-Petermann, Oberbürgermeister der Stadt Hamm, Thomas Hendele, Landrat Kreis Mettmann und Roland Schäfer, Bürgermeister Stadt Bergkamen in ihren Rollen als Führungskräfte des Städtetages, des Landkreistages und des Städte- und Gemeindebundes in Nordrhein-Westfalen deutlich.

Schuldzuweisungen nicht hilfreich

Das Land müsse den Trägern und den Schulen rechtzeitig sagen, worauf sie sich im Einzelnen vorbereiten müssen. Den Schulbetrieb unter völlig neuen Voraussetzungen zu organisieren, brauche genügend Vorlaufzeit.

„Wegen der Abstandsregeln passt in die Räume nur noch ein Bruchteil der Kinder. Bis heute wissen wir nicht, wie eine zeitliche Staffelung des Unterrichts aussehen soll. Dabei erfordert ein solcher Systemwechsel eine komplett neue Einteilung von Unterrichtszeit, Räumen und Personal", erläuterten Hunsteger-Petermann, Hendele und Schäfer.

Schuldzuweisungen, die Kommunen hätten sich nicht rechtzeitig auf die Öffnung der Schulen vorbereitet, seien bei der Bewältigung der Corona-Pandemie nicht hilfreich und belasten das Vertrauensverhältnis der Kommunen zur Landesregierung. Die öffentliche Kritik des Ministerpräsidenten und der Schulministerin entbehre zudem jeglicher sachlicher Grundlage.

Erst Dank, dann Kritik

„Die allermeisten Schulen konnten dank des großen Engagements in den Schulen und Kommunen einen problemlosen Schulstart ermöglichen, obwohl die Zeit zur Vorbereitung zu knapp war", machten die Spitzen der Kommunalverbände deutlich.

Mathias Richter, Staatssekretär im Schulministerium, hatte in einer am Freitag an alle Schulen versandten E-Mail noch mitgeteilt, dass der Start weitgehend reibungslos stattgefunden hat und sich bei den Verantwortlichen auf Seiten der Schulträger bedankt.

Hunsteger-Petermann, Hendele und Schäfer erinnern: „Schon acht Tage vor der Wiederaufnahme des Betriebs am 23. April haben wir dem Land einen ausführlichen Fragenkatalog mit der dringenden Bitte vorgelegt, die wichtigsten Unklarheiten zu beseitigen. Das Land ist dieser Bitte leider nur verzögert und auch nur in Teilen nachgekommen.“

Land läßt viele Dinge im Unklaren

Bedauerlicherweise seien bis heute immer noch viele Dinge im Unklaren. Bisher gingen die Schulträger bei den Plänen für die weitere Öffnung von kleineren Gruppen aus, die am besten noch zeitlich gestaffelt zur Schule kommen und in die Pause gehen sollen.

„Welche Jahrgangsstufen sollen im nächsten Schritt eingeplant werden? Sollen sich die Klassen auf verschiedene Tage aufteilen oder soll auch nachmittags unterrichtet werden? All das ist nicht geklärt, hat aber natürlich erhebliche Auswirkungen auf die Organisation", betonen Hunsteger-Petermann, Hendele und Schäfer. Als Beispiele nennen sie die Aufteilung des Lehrpersonals, die Versorgung in den Mensen und den Transport der Schüler.

Mangelhafte Vorgaben fördern Flickenteppich

Mit Blick auf die Hygieneanforderungen stellt das Trio rückblickend fest: Hier habe es zwar vier Tage vor Schulöffnung Hinweise des Landes gegeben, doch hätten diese vielfach zusätzliche Fragen aufgeworfen.

Unter anderem sei verlangt worden, den Zugang zu Desinfektionsmitteln vor dem Eintritt in den Unterrichtsraum zu ermöglichen, obwohl in der Praxis das Händewaschen mit Seife vollkommen ausreiche und eine flächendeckende Ausstattung mit Desinfektionsspendern in nur drei Tagen nicht ansatzweise umsetzbar gewesen sei. Zudem sei eine Maskenpflicht installiert worden, für den Fall, dass der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden könne.

„Weder lagen den Schulträgern Informationen dazu vor, welcher Maskentyp für die Schulen ausreichend sei, noch wer überhaupt die Ausstattung mit Masken sicherstellen soll“, kritisieren Hunsteger-Petermann, Hendele und Schäfer.

Und weiter: „Bis heute ist zudem die Frage offen, was passieren soll, wenn ein Schüler oder ein Lehrer positiv getestet wird. Das wird passieren, selbst bei strengsten Hygienestandards. Ob nur der betroffene Schüler oder Lehrer in Quarantäne geht, die ganze Klasse oder die gesamte Schule wieder heruntergefahren werden soll, ist keine Frage, die situativ vor Ort entschieden werden sollte. Ein Flickenteppich an Regelungen für den Umgang mit dem Coronavirus wird nicht dazu beitragen, das Vertrauen in den Staat zu stärken.“

Quelle: Gemeinsame Presseinformation der kommunalen Spitzenverbände in NRW