Tod und Trauer: Annette Wagner macht Tabu zum Thema

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Verdiente Anerkennung für ihr ehrenamtlches Engagement: Annette Wagner mit Ehemann Frithjof und Landrat Olaf Schade./Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

„Annette Wagner schaut nicht weg. Sie holt Trauer und Tod aus der Tabuecke, stellt Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt ihres ehrenamtlichen Tuns, die Mama oder Papa, Oma oder Opa, Geschwister oder Freunde verloren haben.“ Mit diesen Worten fasst Landrat Olaf Schade zusammen, warum die Wittenerin das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zugesprochen bekommen hat.

Also die Auszeichnung, die die höchste ist, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl zu vergeben hat und die durch den jeweils amtierenden Bundespräsidenten verliehen wird.

„Natürlich ist die Übergabe des Ordens an Bürger des Ennepe-Ruhr-Kreises für mich immer ein besonderer Termin. Zum einen, weil zwischen Hattingen und Herdecke, Breckerfeld und Witten pro Jahr nur wenige Personen dieses einmalige ´Danke schön´ unseres Landes erhalten. Zum anderen, weil jede dieser Veranstaltungen die Chance bietet, außergewöhnliche Menschen und erstaunliche Lebensgeschichten kennen zu lernen“, so Schade.

Konzept „made by Wagner“

Im „Fall“ Wagner bedeutet das: Zunächst begleitete sie im Rahmen der kreiskirchlichen Krankenhausseelsorge Patientinnen und Patienten in der Psychiatrie. Ab 2003 widmete sie sich dann ehrenamtlich der Trauerarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Dafür baute die heute 58-jährige den Verein Trauerarbeit Hattingen auf, half hier jährlich in zwei bis drei Gruppen vor allem Grundschulkindern.

„Damals wie heute waren und sind solche Angebote bundesweit nur selten zu finden. Mit einem von ihr entwickelten Lernprogramm machte Annette Wagner das Erleben der Trauer, den ersten Geburtstag ohne Eltern oder auch neue Hoffnungsbilder für das weitergehende Leben zum Thema“, berichtete der Landrat. Bereits 2004 wurde diese Konzept „made by Wagner“ im Buch „Trauernde begleiten“ veröffentlicht.

Acht Jahre später initiierte Wagner das Kinder- und Jugendtrauerzentrum in Witten. Als pädagogische Leiterin verkörpert sie den Dreiklang aus „traurig - mutig - stark“. Sie begleitet nicht nur Trauernde, Trennungskinder und bald auch Abschied nehmende Kinder, sie kümmert sich auch unermüdlich um Spenden und stellt Anträge für Fördergelder. Nur so kann die Arbeit fortgesetzt werden.

Auch bundesweit aktiv

„Denn“, so Schade, „so wichtig, wertvoll und nachahmenswert die Einrichtung ist, zur vollen Wahrheit zählt auch: Es braucht einen langen Atem, viel Energie und Durchsetzungskraft, um so etwas zu stemmen. Es braucht Menschen wie Annette Wagner.“

Weggefährten wie Annedore Methfessel vom Verein Trauerarbeit Hattingen wissen, die Wittenerin bringt Alles mit, was sie für ihr anspruchsvolles Ehrenamt benötigt. Neben Einsatzfreunde und Kreativität bescheinigen sie ihr das notwendige seelsorgliche Fingerspitzengefühl sowie besondere Empathie, um mit Kinder und Jugendlichen arbeiten zu können. Zugleich verfüge die Ausgezeichnet aber auch über den erforderlichen Pep, um das Tabuthema Trauer in die Gesellschaft zu tragen.

Dazu nutzt Wagner seit 2016 auch ihr Amt im Vorstand des Bundesverbandes Trauerbegleitung. Hier ist sie unter anderem für die Arbeitsgemeinschaft Kindertrauer zuständig. Zudem organisiert sie Weiterbildungsangebote und Tagungen für Ärzte und Psychotherapeuten.

Stichwort Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland

Der Verdienstorden wird an Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen sowie für Verdienste aus dem sozialen, karitativen und mitmenschlichen Bereich verliehen. Seit seiner Stiftung durch Bundespräsident Theodor Heuss 1951 wurden etwa 254.000 Menschen auf diese Weise für ihre Leistungen gewürdigt.

Jeder kann die Verleihung des Verdienstordens an einen anderen anregen. Das Schreiben ist formlos an die Staatskanzlei des Bundeslandes zu richten, in dem der Vorgeschlagene wohnt. Die Anregung sollte neben Namen und Anschrift des möglichen Ordensempfängers auch Art und Umfang der Verdienste darstellen und Personen oder Organisationen nennen, die zu dem Vorschlag Stellung nehmen können. Übrigens: Wer seine eigene Auszeichnung anregt, kann nicht mit einer Verleihung des Verdienstordens rechnen.