Und Action: Dreharbeiten rund um das Kommunale Integrationszentrum

Kameras, Tonangel und Scheinwerfer müssen noch in Position gebracht werde, bevor die Dreharbeiten beginnen

Souverän meistern die Kleinen ihre ersten Auftritte vor der Kamera./Fotos: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Ein Filmset kann ganz schön aufregend sein! - Immer wieder wandert Tims Blick zu den Kameras, Scheinwerfern und der Tonangel im Klassenzimmer. „Tim, schau bitte nicht direkt in die Kamera. Sieh zu deiner Lehrerin“, unterbricht Filmemacherin Besime Atasever die Dreharbeiten an der Grundschule Büttenberg in Ennepetal. Der Neunjährige nickt verlegen und konzentriert sich wieder auf Lehrerin Svetlana Geist.

Russisch AG steht auf dem Stundenplan. Jede Woche einmal treffen sich die rund zwanzig Schüler mit Migrationshintergrund und pauken ihre Familiensprache. Heute werden sie parallel Teil eines Imagefilms, mit dem die Arbeit und die Aktivitäten der Kommunalen Integrationszentren in Nordrhein-Westfalen vorgestellt werden sollen. „Die für ganz NRW zuständige Koordinierungsstelle in Dortmund ist durch das Rucksack-Programm, an dem sich auch die Grundschule Büttenberg beteiligt, auf uns aufmerksam geworden“, berichtet Annette Bußmann vom KI des Ennepe-Ruhr-Kreises.

„...so aufgeregt.“

Für ihren Auftritt vor der Kamera hat sich Jana (8) extra chic gemacht. Ihr Haarreif glitzert im Scheinwerferlicht und passt perfekt zum rosa Shirt. „Wir sind so aufgeregt“, kichern Jana und ihre Cousine Leonie (8) mit roten Wangen, bevor es endlich losgehen kann. „Stellt euch einfach vor, wir wären unsichtbar und alles wäre wie immer“, instruiert Kameramann Carsten Gierke die Kinder, die jetzt mucksmäuschenstill um den Gruppentisch sitzen. Lehrerin Geist bekommt ein Startzeichen, nickt und hält ein Arbeitsblatt hoch: „Mein Körper - моe тeлo“. Spielerisch sollen die Kinder heute verschiedene Körperteile auf Russisch benennen.

Auf das Filmteam um Atasever wartet noch ein langer Tag. Nach den Unterrichtssequenzen sind zahlreiche weitere Interviews geplant. Lehrer, Schulleiterin und Mitarbeiter des KI und der Landesweiten Koordinierungsstelle sollen alle vor der Kamera zu Wort kommen. Nicht zu vergessen die Eltern, die eine wichtige Rolle im Rucksack-Programm innehaben.

„Alle Beteiligten freuen sich riesig"

„Auch sie treffen sich wöchentlich, greifen dabei die Schulthemen auf und unterstützen die Russisch AG auch mit selbstgebastelten Unterrichtsmaterial“, erklärt Bußmann. Rucksack-Schule basiert unter anderen auf einer sprachwissenschaftlichen Erkenntnis: Je besser die Kenntnisse der Herkunftssprache der Eltern, desto leichter fällt den Kindern das Lernen der deutschen Sprache. Praktischer Nebeneffekt: Vorhandene Sprachbarrieren im Elternhaus werden abgebaut und die Eltern werden beispielsweise in die Lage versetzt, ihre Kinder bei den Hausaufgaben zu unterstützen.

Bis die Eltern ihre Interviews geben können, muss zunächst der Unterricht mit den Kindern im Kasten sein. Erstaunlich souverän meistern die Kleinen ihre ersten Auftritte vor der Kamera. Trotzdem unterbricht Regisseurin Atasever ständig den Dreh. „Das war zu schnell. Hier brauche ich eine andere Kameraeinstellung. Können wir das nochmal wiederholen“, bittet sie Lehrerin Geist. Die bleibt geduldig. Und auch einem leisen Aufseufzen ihrer Schüler, weiß sie zu begegnen: „Filme im Fernsehen schauen, ist einfach. Aber Filme machen, ist anstrengend“.

Dennoch“, so Bußmann, „freuen sich alle Beteiligten riesig, mit dem KI des Ennepe-Ruhr-Kreises an dem Film und damit an der landesweiten Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache mitwirken zu können.“

Stichwort Sprachbildung durch „Rucksack“

Mit dem Programm werden Kinder aus Zuwandererfamilien unter aktiver Beteiligung ihrer Eltern und der jeweiligen pädagogischen Einrichtung in ihrer Sprachentwicklung gefördert. Das Programm verfolgt mit Blick auf die Kinder drei Ziele: Förderung der Familiensprachenkompetenz, Förderung der Deutschkenntnisse und Förderung der allgemeinen kindlichen Entwicklung. Aktuell nehmen an dem Programm sechs Gruppen in Kindertagesstätten und sieben Gruppen in Grundschulen teil. Die Leitung der Elterngruppen übernehmen elf Elternbegleiterinnen, sie unterstützen 100 Kinder aus Familien in Ennepetal, Gevelsberg, Hattingen, Schwelm, Wetter und Witten.