Veterinäramt findet Zuhause für Shorty und Beltoni

Westfalenstute Beltoni

Weitere Fotos von Shorty und Beltoni finden sich auf der Website des Gnadenhofs Hervel, www.gnadenhof-hervel.de

Westfalenwallach Shorty
Westfalenwallach Shorty

Viel Bewegung an der frischen Luft, regelmäßige Besuche vom Tierarzt und Futter satt – so gut erging es Shorty und Beltoni nicht immer. Vor einem halben Jahr gehörten die beiden Tiere zu einer Gruppe von sechs Pferden, die das Veterinäramt des Ennepe-Ruhr-Kreises in Hattingen beschlagnahmen musste. Zu lange waren sie medizinisch nicht versorgt worden, zudem litten sie unter extremem Bewegungsmangel. Shorty und Beltoni fanden erst nach einem öffentlichen Aufruf und längerer Wartezeit ihr neues Zuhause.

Schwierige Vermittlung wegen Erkrankungen 

„Neben einem schlechten Allgemeinzustand hatten beide mit weiteren Erkrankungen zu kämpfen. Für den Westfalenwallach und die Westfalenstute musste also ein Hof gefunden werden, der sie intensiv pflegt und hohe Tierarztkosten trägt“, erinnert sich Amtstierärztin Dr. Bettina Buck.

Durch einen Online-Artikel erfuhr schließlich Ute Rittinghaus vom Schicksal der Tiere, seinerzeit waren Shorty und Beltoni schon drei Monate in einer vorübergehenden Pflegestelle untergebracht. Rittinghaus, Betreiberin des Gnadenhofs Hervel, suchte sofort den Kontakt zum Veterinäramt im Schwelmer Kreishaus. Ihre Botschaft: „Wir sind bereit, ein Pferd aufzunehmen.“

Zuhause für Beltoni

Nach einem Treffen in der Pflegestelle stand schnell fest: Beltoni zieht auf den Hof in Herscheid. „Die Stute ist auf einem Auge blind, das andere war entzündet. Sie bekam Schmerzmittel wegen Problemen an Hufen und Zähnen, konnte kaum laufen oder essen. Von allen Tieren in der Pflegestelle brauchte sie die dauerhafte Bleibe am dringendsten“, nennt Rittinghaus die Motive für ihre Entscheidung.

Shorty zieht ebenfalls um

Wochenlang kümmerte sie sich um die zerfressenen Hufe und die von Kratern zerfurchten Beine der Pferdedame, ließ täglich den Tierarzt kommen und Zähne und Entzündungen auf eigene Kosten behandeln. Trotz aller Freude über die Fortschritte mit Beltoni wollte der engagierten Tierschützerin aber der Blick von Wallach Shorty nicht aus dem Kopf gehen.

„Er wirkte so traurig, als ich ihn beim Termin in der Pflegestelle wieder in seine Box zurückgestellt habe. Als dann eine Angestellte anrief und fragte, ob wir ihn auch noch aufnehmen könnten, konnte ich gar nicht anders als mich mit dem Anhänger ein weiteres Mal auf den Weg zu machen“, berichtet Rittinghaus.

Kontakt zu Menschen mit Behinderungen

Heute stehen Shorty und Beltoni zusammen in einem Offenstall, genießen ihre Bewegungsfreiheit und die intensive Betreuung. Als Anbieterin von therapeutischem Reiten bekommt Rittinghaus regelmäßig Besuch von Menschen mit Behinderungen oder Verhaltensauffälligkeiten. Reitfähig seien Shorty und Beltoni zwar nicht mehr, streicheln und striegeln ließen sie sich aber gerne. „Vom Kontakt“, so Rittinghaus, „profitieren beide, Mensch und Pferde.“

Dies immer wieder beobachten zu können und erleben zu dürfen, wie glücklich Shorty und Beltoni inzwischen sind, entschädige für die ausgesprochen zeit- und kostenintensive Pflege. Für Rittinghaus, die sich seit ihrem siebten Lebensjahr um Tierschutztiere kümmert und dafür inzwischen den sicheren Bürojob als Industriekauffrau an den Nagel gehängt hat, sind solche Momente der Lohn der harten Arbeit.  

Shorty und Beltoni soll es recht sein, auch sie profitieren jetzt vom Motto des Gnadenhofs, den Rittinghaus 2010 übernommen hatte: „Was der Hof leisten kann, leistet er auch.“

Stichwort Tierschutz

Im Jahr 2021 hat das Veterinäramt des Ennepe-Ruhr-Kreises 151 Tierschutzfälle bearbeitet, 83 Tiere haben die Tierärzte fortgenommen.

Zur artgerechten Unterbringung weggenommener Tiere kooperiert das Veterinäramt mit Tierschutzvereinen und Landwirtschaftsbetrieben. Großtiere versucht das Amt in der Regel an neue und verantwortungsvolle Besitzer zu vermitteln.