Wilhelm-Kraft-Gesamtschule: Deutlich mehr Schäden als erwartet

WKG Sporthalle

Einige Wände reichen nicht bis zur Decke und erfüllen damit die Brandschutzanforderungen nicht. Auch hier sind Mehrarbeiten nötig. // UvK // Ennepe-Ruhr-Kreis

WKG Dach innen

Neue Dachbalken, neue Dämmung: Die Sanierungsarbeiten am Gebäudeteil E mussten gegenüber der Planung deutlich erweitert werden. // UvK // Ennepe-Ruhr-Kreis

WKG Begehung Klassenzimmer E

Politiker und Mitarbeiter aus dem Kreis und der Stadt Sprockhövel, darunter Bürgermeisterin Sabine Noll, haben sich vor Ort ein Bild gemacht: In den Klassenzimmern des Gebäudeteils E können nun die Malerarbeiten starten. // UvK // Ennepe-Ruhr-Kreis

WKG Dach außen

Wasserschäden haben dafür gesorgt, dass die gesamte Dachfläche des Bauteils E erneuert werden musste. // UvK // Ennepe-Ruhr-Kreis

WKG Container

Die Schüler, die sonst im Gebäudeteil E unterrichtet werden, sind für die Dauer der Arbeiten in gemietete Containeranlagen umgezogen. // UvK // Ennepe-Ruhr-Kreis

WKG Fassadenschäden

Der Sprockhöveler Stadtrat Lutz Frühauf (SPD) sieht sich die Fassadenschäden am Gebäudeteil F bei einer Begehung aus der Nähe an. // UvK // Ennepe-Ruhr-Kreis

WKG Wasserschäden

Gebäudeteil F: Nicht nur im Bereich des Glasdachs sind deutliche Wasserflecken in der Decke zu sehen. // UvK // Ennepe-Ruhr-Kreis

Baumängel, Feuchtigkeitsschäden, Materialverschleiß: Bei den laufenden Sanierungsarbeiten an der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule des Ennepe-Ruhr-Kreises in Sprockhövel sind an vielen Stellen in Wänden, Decken und Böden Schäden sichtbar geworden, mit deren Umfang im Vorfeld niemand gerechnet hat. Die Folge: Es muss deutlich mehr erneuert werden als geplant.

„Besserer Brandschutz, das Sanieren der Trinkwasseranlagen und die Neueindeckung eines Dachs waren für uns der Ausgangspunkt der Bauaktivitäten“, so Christian Kappenhagen, Fachbereichsleiter Gebäudemanagement, Umwelt, Vermessung und Kataster beim Kreis. „Bei der Gesamtschule hat sich aber leider das Sprichwort bewahrheitet, das beim Bauen im Bestand oft greift: Vor der Hacke ist es dunkel. Trotz Untersuchungen und Bauteilöffnungen sind mehr Mängel zu verzeichnen als die Gutachter erwartet hatten.“

Grundleitungen defekt

Los ging es vor knapp zwei Jahren mit Gebäudeteil E, dem Zuhause von Klassenräumen der Jahrgangsstufen 7 bis 10, Baujahr 1987. Dort stand von Anfang an fest, dass das undicht gewordene Dach neu eingedeckt werden müsste. Wie schlimm die Feuchtigkeitsschäden bereits waren, stellte sich allerdings erst beim Öffnen der Decke heraus: Einige Dachbalken und die Dämmung waren durchnässt und mussten ebenfalls komplett erneuert werden.

Weiteres Problem: Die Abwasser- und Grundleitungen unter der Bodenplatte waren beschädigt. Das Befahren mit einer Kamera zeigte: Auch hier würde nur eine Komplettsanierung helfen. Also wurde die Bodenplatte an mehreren Stellen geöffnet, eine Fachfirma setzte per sogenanntem Inliner-Verfahren neue Rohre in die defekten Rohre ein.

Schwer, Fachfirmen zu gewinnen

„Die umfangreichen zusätzlichen Arbeiten wirken sich natürlich auf den ursprünglichen Zeitplan aus, alles dauert länger und verzögert sich“, sagt Michael Riedel, Sachgebietsleiter Technisches Gebäudemanagement beim Kreis. „Hinzu kommt, dass es aufgrund von Corona-bedingten Ausfällen und einer guten Baukonjunktur teilweise sehr schwer ist, Fachfirmen zu gewinnen.“ Eigentlich hätten die Schüler, die vor Beginn der Arbeiten in Containeranlagen ausgewichen waren, schon im vergangenen Sommer in das sanierte und modernisierte Gebäude E zurückkehren sollen. Jetzt wird der Umzug frühestens in den kommenden Sommerferien klappen.

Im Inneren des Gebäudes ist immerhin bereits erkennbar, worauf sich Schüler und Lehrkräfte freuen dürfen: Im Dachgeschoss sorgen neue, vergrößerte Fensterflächen für lichtdurchflutete Räume, einige Klassenzimmer wurden bedarfsgerecht vergrößert, die Sanitäranlagen sind modernisiert und verschönert worden. Die Heizungskörper wurden ausgetauscht, die Fachräume mit neuen Lüftungsanlagen ausgestattet, die Elektro-, Brandmelde- und Sicherheitstechnik auf den neuesten Stand gebracht. Im nächsten Schritt sorgen die Maler für strahlend weiße Wände.

Feuchtigkeitauch im Dach der Sporthalle

Parallel dazu laufen die Arbeiten an der Sporthalle der Gesamtschule. „Auch dort sind wir auf verschiedene Probleme gestoßen“, sagt Ugur Ceylan, Projektleiter beim Technischen Gebäudemanagement. Die Unterverteilung der Heizung ist stark verrostet, einige Wände enden 30 Zentimeter unterhalb des Daches und erfüllen damit die Brandschutzanforderungen nicht.

Außerdem wurden Dämmstoffe gefunden, die heute als Schadstoffe eingestuft werden. Diese wurden im Zuge der Sanierungsarbeiten bereits vollständig entfernt. Und: In das Dach der Sporthalle ist Feuchtigkeit eingedrungen. „Immerhin kommen wir hier aber mit einer Teildachsanierung aus und konnten damit auch bereits einen Dachdecker beauftragen“, vermeldet Ceylan eine gute Nachricht unter all den schlechten.

Fassadensanierung nötig

Das nächste Gebäude, das an die Reihe kommt, ist Bauteil F, Baujahr 1990, in dem die Jahrgangsstufen 11 bis 13 untergebracht sind. „Dass dort alles nach Plan läuft, ist leider jetzt schon ausgeschlossen“, weiß der Projektleiter. An einigen Stellen zeugen Wasserflecken in der Decke von Schäden am Dach. Die Gebäudefassade bröckelt, innenliegende Dübel sind verrostet.

„Hier wurde nicht mit der Sachkunde gebaut, die man hätte erwarten müssen. Das Material ist minderwertig, die Befestigung nicht ausreichend“, stellt Ceylan fest. „Also werden auch hier, mit einer Komplettsanierung der Klinkerfassade und des Flachdaches, deutlich umfangreichere Arbeiten nötig sein als geplant.“

Es entstehen funktionale, moderne und attraktive Flächen

Wenn das geschafft ist, muss Bauteil A noch saniert werden, das deutlich kleinere Verwaltungsgebäude D soll in den Sommerferien drankommen. Außerdem steht der Abriss zweier Gebäude an, die 1964 errichtet worden waren. An ihrer Stelle werden Aula und Mensa sowie ein Klassentrakt neu gebaut, der die Bauteile A und E miteinander verbindet.

„So ärgerlich es ist: Keiner der neu ersichtlich gewordenen Mängel kann zurückgestellt werden“, macht Fachbereichsleiter Kappenhagen deutlich. „Fest steht aber auch: Trotz aller Schwierigkeiten, Zeitverzögerungen und Kostensteigerungen werden wir unser Ziel erreichen, der Schule funktionale, moderne und attraktive Flächen bereitzustellen.“

Infokasten Zeitplan und Kosten

  • Ursprünglich sollte die Sanierung der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule bis Sommer 2023 komplett abgeschlossen sein.
  • Die bereits erfolgten zusätzlichen Sanierungsarbeiten haben zu einer Verzögerung im Zeitplan um mehr als ein Jahr geführt. Weitere Verzögerungen aufgrund noch ausstehender, ungeplanter Mehrarbeiten sind sehr wahrscheinlich.
  • Insgesamt waren für die Sanierung inklusive Abriss der Bauteile B und C, Neubau der Mensa, Aula und eines Klassentrakts sowie der Container-Miete rund 38 Millionen Euro im Kreis-Budget eingeplant.
  • Die zusätzlichen Arbeiten am Gebäudeteil E und die bisherige Verlängerung der Container-Miete haben zu Mehrkosten von rund 2,85 Millionen Euro geführt. Noch offen ist, welchen Umfang die Mehrarbeiten an den anderen Gebäudeteilen haben werden und welche Zusatzkosten sie verursachen.