Der Ennepe-Ruhr-Kreis und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) gehen derzeit erhöhten PCB Werten im Gewerbegebiet Ennepetal-Oelkinghausen und im Wohngebiet Büttenberg nach.

Die bisher gesammelten Erkenntnisse waren Grundlage für die Empfehlung, jegliches Gemüse und Obst aus Nutzgärten in Oelkinghausen und Büttenberg nicht zu verzehren. Weitere Erkenntnisse und Ergebnisse sollen Bodenproben, Untersuchungen von Grünkohlpflanzen und Emissionsmessungen liefern.

Das Angebot der Kreisverwaltung, sich mit Fragen an die Mitarbeiter des Umweltamtes und des Fachbereiches Soziales und Gesundheit zu wenden, haben in den letzten Wochen zahlreiche Bürgerinnen und Bürger angenommen. Ihre Fragen und Anliegen waren die Grundlage für die nachfolgende Zusammenstellung von Informationen zu besonders häufig gestellten Fragen (FAQs - Frequently Asked Questions).

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Allgemeine Informationen zu PCB

Was sind PCB?

PCB sind eine Gruppe von chlorhaltigen chemischen Verbindungen. Es gibt 209 mögliche, chemisch unterscheidbare Einzelverbindungen (Kongenere).

Allgemein sind PCB sehr temperaturstabil, schwer entflammbar, besitzen eine niedrige elektrische Leitfähigkeit bei gleichzeitig guter Wärmeleitfähigkeit und sind auch gegenüber chemischen Einflüssen stabil. Sie sind gut in Fett, schlecht in Wasser löslich.

Mit ansteigendem Chlorgehalt in den Verbindungen nimmt die Dichte, Fettlöslichkeit und die Persistenz in der Umwelt zu.

 

Was sind dioxinähnliche PCB?

Zwölf PCB-Kongenere zeigen strukturelle Ähnlichkeiten mit Dioxinen und Furanen und werden als dioxinähnliche PCB (dl-PCB) bezeichnet. Neben ihrer Wirkung als PCB weisen diese daher auch toxische d.h. giftige Wirkungen auf, die den Dioxinen (polychlorierte Dibenzo-p-dioxine = PCDD) und Furanen (polychlorierte Dibenzofurane = PCDF) entsprechen. Bei dieser Stoffgruppe handelt es sich um chlorierte Verbindungen mit 3 Ringstrukturen. Daher werden die dl-PCB neben ihrer Bewertung zusammen mit den übrigen PCB zusätzlich einer gesonderten Bewertung als dioxinähnliche Substanzen unterzogen.

 

Was verbirgt sich hinter TEF und TEQ?

Nicht alle Dioxine, Furane und dioxinähnlichen PCB wirken jedoch gleich stark. Sie werden daher ihrer Wirkstärke entsprechend mit Hilfe von Faktoren relativ zur Wirkstärke des giftigsten Dioxins, des auch als „Seveso-Dioxin“ bekannten 2,3,7,8-Tetrachlorbenzo-p-Dioxins (TCDD), eingeordnet. Diese Toxizitätsäquivalenzfaktoren (TEFs) ermöglichen es, die Toxizität eines Gemisches unterschiedlicher Dioxine, Furane und dioxinähnlichen PCB zu berechnen.

Zuletzt wurden die TEFs im Jahr 2005 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO)  aktualisiert. Dem TCDD und einem weiteren Dioxin wurden dabei jeweils ein TEF von 1 zugeordnet. Die TEFs für die anderen Verbindungen liegen niedriger. Für die dl-PCB betragen die TEF zwischen 0,00003 und 0,1. Das bedeutet, dass beispielsweise PCB 126 nur ein Zehntel der giftigen Wirkung von TCDD besitzt und die am wenigsten giftigen dl-PCB sogar nur 1/33.000 der Wirkstärke von TCDD. 

Verschiedene, in einem Gemisch vorhandene PCB ergänzen sich in ihrer Wirkung. Die gesundheitliche Bewertung von PCB erfolgt daher sinnvollerweise nicht für jedes Kongener einzeln. Sie wird stets für die Mischbelastung, der ein Mensch in der Summe ausgesetzt ist, vorgenommen. Dies gilt sowohl für die Bewertung der klassischen PCB-Wirkungen (PCBGesamt), als auch für die gesonderte Beurteilung der dioxinähnlichen Eigenschaften. Zur Bewertung der dioxinähnlichen Toxizität einer Probe werden daher die 12 dl-PCB gemeinsam mit Dioxinen und Furanen mit Hilfe der TEFs miteinander verrechnet. Die Gehalte der in einer Probe jeweils vorhandenen dl-PCB, sowie die Gehalte der Dioxine und Furane werden dabei zunächst mit ihrem zugehörigen TEF multipliziert. Daraus ergeben sich sogenannte Toxizitätsäquivalente (TEQs). Anschließend werden diese einzelnen TEQs aufsummiert. Auf diese Weise lässt sich die relative Toxizität eines Gemisches aus Dioxinen, Furanen und dl-PCB bestimmen.

 

Wofür wurden sie verwendet?

Aufgrund ihrer chemisch-physikalischen Eigenschaften (u. a. temperaturstabil, schwer entflammbar, gegenüber chemischen Einflüssen stabil) wurden PCB seit den 30er Jahren bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts produziert und u. a. in Transformatoren, Kondensatoren sowie als Hydraulikflüssigkeit verwendet. Neben dieser geschlossenen Anwendung kamen sie als Weichmacher in Lacken, Dichtungsmassen, Isoliermitteln und Kunststoffen u. a. zum Einsatz (offene Anwendung).

Nach Schätzungen beträgt die in Deutschland insgesamt in Verkehr gebrachte Menge an PCB 84.000 Tonnen.
 

Werden sie heute noch verwendet?

PCB dürfen in Deutschland seit 1989 nicht mehr hergestellt oder in den Verkehr gebracht werden (PCB-Verbotsverordnung).

PCB sind aufgrund des jahrzehntelangen Einsatzes in der Umwelt weit verbreitet und auch aktuelle Einträge in die Umwelt stammen hauptsächlich aus diesen "Altlasten": z. B. PCB-haltige Maschinen und technischen Geräte, die verschrottet werden, Hydraulik- und Kühlmedien, die unter Tage unbeabsichtigt freigesetzt werden, PCB-haltige Anstriche oder Fugenmassen in Gebäuden, abgelagerte Industrieabfälle u. a. Aus diesen und weiteren primären Quellen kann durch Aufwirbelung und Ausgasen ein Eintrag in die Umwelt stattfinden.

Daneben können unter bestimmten Bedingungen PCB bei thermischen Prozessen, bei denen chlor- und kohlenstoffhaltige Einsatzstoffe verwendet werden, entstehen.
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Wie gelangen sie in die Nahrungskette?

Aus den genannten Quellen können PCB auf verschiedenen Wegen (s. o.) in die Umgebungsluft, in Gewässer und Böden gelangen.

Aufgrund der hohen Umweltpersistenz (schwerer Abbau in der Umwelt) und der guten Fettlöslichkeit werden sie auf unterschiedlichen Pfaden in Pflanzen und von Tieren aufgenommen und reichern sich dort an. Es gibt Hinweise, dass verschiedene Pflanzenarten Unterschiede in der Anreicherung der PCB aufweisen.

Somit kann es zur Belastung tierischer und pflanzlicher Lebensmittel kommen. Über die Nahrungskette können PCB schließlich in den menschlichen Organismus gelangen.
 

Wie gelangen sie in den Körper?

Der in der Regel für den Menschen bedeutendste Weg, PCB aufzunehmen, ist die Aufnahme über die Ernährung. Mehr als 90 % erfolgt in Deutschland über die Nahrung, wobei hierbei wiederum 90 % auf tierische Lebensmittel entfällt.

Die Aufnahme mit der Außenluft ist normalerweise unbedeutend. Das gleiche gilt auch für die Aufnahme über die Haut, wenn man von besonderen beruflichen Kontakten absieht.

Nach der Aufnahme in den Körper werden PCB im Fettgewebe eingelagert. Der Abbau im Körper ist abhängig von der Anzahl der gebundenen Chloratome. PCB mit niedrigem Chlorgehalt werden schnell verstoffwechselt und ausgeschieden, während höher chlorierte lange im menschlichen oder tierischen Organismus verbleiben können.

Die EU-Kontaminantenverordnung (Stand 2017) und die Nationale Kontaminantenverordnung (Stand 2016) regeln die Höchstgehalte von PCB in verschiedenen Lebensmitteln.
 

Welche Auswirkungen haben Sie auf die menschliche Gesundheit?

PCB-Verbindungen weisen nur in sehr hohen Dosen ein akuttoxisches Potenzial auf. Dies kann im Rahmen von Unfällen wie z. B. durch kontaminiertes Reisöl in Japan 1968 und in Taiwan 1979 vorkommen. Es hat sich aber gezeigt, dass bei lang andauernder chronischer Belastung vergleichsweise niedrige Konzentrationen eine gesundheitsschädliche Wirkung haben können.

Zur gesundheitsschädlichen Wirkungen von PCB liegen eine Vielzahl von Untersuchungen und Studien vor. Die bedeutendsten negativen gesundheitlichen Effekte betreffen das Nervensystem und das Immunsystem. Insbesondere das sich entwickelnde kindliche Nervensystem kann geschädigt werden, was sich u. a. in Störungen der Gedächtnis- und Lernleistungen und Beeinträchtigung des Hörvermögens auswirken kann. Auch Auswirkungen auf das sich entwickelnde Immunsystem von Kindern konnten festgestellt werden, unter anderem in Form erhöhter Infektionsraten und Beeinträchtigung der Immunantworten, beispielsweise auf Routineimpfungen im Kindesalter. Diese Wirkungen auf das Nerven- und Immunsystem werden als die kritischsten Wirkungen von PCB eingeschätzt.

Den vorliegenden Studien ist aber auch zu entnehmen, dass sich das Nerven-und Immunsystem von Erwachsenen als weniger anfällig gegenüber PCB-Belastungen zeigt.

Es konnten weitere gesundheitliche Auswirkungen aus den Studien abgeleitet werden: Auswirkungen auf den Schilddrüsenstoffwechsel, hormonblockierende aber auch hormonähnliche Wirkungen bei Sexualhormonen, Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit, eine Beeinflussung des Fettstoffwechsel und der Leberfunktion. Die Datenlage hinsichtlich der Entstehung von Diabetes und Bluthochdruck ist noch uneinheitlich.

2013 wurde PCB als krebserregend eingestuft, wobei die Krebsentstehung nicht primär auf einer direkten Veränderung des genetischen Materials basiert. Vielmehr ist die krebserregende Wirkung durch Abbauprodukte der PCB und Begünstigung des Tumorwachstums durch andere Auslöser entscheidend. Diese Wirkungen sind beim Menschen erst in deutlich höheren Dosisbereichen zu erwarten als die genannten allgemeintoxischen Effekte.

Wie wird die Wirkung von PCB gesundheitlich bewertet?

Jedes PCB Molekül vermag - seiner jeweiligen chemischen Struktur entsprechend - an eine Reihe von unterschiedlichen Zellrezeptoren zu binden. Auf diese Weise beeinflusst PCB verschiedene Stoffwechselvorgänge in den Zellen menschlicher Gewebe und Organe und bewirkt die Fülle der oben genannten unterschiedlichen Effekte.

Wie beschrieben, erfolgt die gesundheitliche Bewertung von PCB in der Regel nicht für jedes Kongener einzeln, sondern für die Mischbelastung, der ein Mensch ausgesetzt ist. Hierfür wird eine Abschätzung der PCB-Gesamtbelastung vorgenommen, bei der idealerweise überprüft wird, welche der 209 unterschiedlichen Kongenere tatsächlich vorliegen. Ihre Konzentrationen werden dann zu einer Gesamtbelastung addiert und mit einem gesundheitsbezogenen Beurteilungsmaßstab verglichen. In der Praxis wird jedoch verschiedenen Konventionen entsprechend oft nur ein Teil der 209 Kongenere exemplarisch bestimmt. Mit Hilfe dieser so genannten Indikatorkongenere wird üblicherweise auf die Gesamtbelastung hochgerechnet. Diese Methode stößt allerdings dann an ihre Grenzen, wenn keine herkömmlichen, sondern stark abweichende Mischungsverhältnisse vorliegen.

Die 12 dl-PCB können zusätzlich an den sogenannten Ah-Rezeptor (Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor) in der Zelle binden, den sie aktivieren. Die dadurch ausgelösten „Dioxinwirkungen“ unterscheiden sich qualitativ nicht erheblich von den übrigen „PCB-Wirkungen“. Aufgrund des dioxinähnlichen Mechanismus jedoch wirken die dl-PCB gemeinsam mit Dioxinen und Furanen und müssen daher auch zusammen mit diesen Substanzgruppen nochmals über Toxizitätsäquivalente bewertet werden.

Kann ich die Belastung im Blut feststellen lassen?

Mit einer üblichen Blutuntersuchung, die beispielweise im Rahmen eines Checks beim Hausarzt durchgeführt wird, kann man keine Aussage zu einer PCB-Belastung treffen. Dazu ist ein sogenanntes Human-Biomonitoring erforderlich, das dann etwas über die innere Belastung eines Menschen aussagt.

Zur Risikoabschätzung der PCB-Wirkung wurden 2012 von der Kommission Human-Biomonitoring des Umweltbundesamtes sogenannte HBM-Werte festgelegt, die sich auf die Bestimmung der PCB-Verbindungen 138,153 und 180 als Indikatoren beziehen. Auf der Basis der oben genannten besonders kritischen Effekte auf das Nerven- und Immunsystem wurden 2 Werte zur Beurteilung der PCB-Belastung für die Risikogruppen Säuglinge, Kleinkinder und Frauen abgeleitet.

Die vielfach von Bürgerinnen und Bürgern vorgetragenen Sorgen hinsichtlich einer gesundheitlichen Beeinträchtigung durch PCB, wobei PCB 47 (neben 51 und 68) im Vordergrund steht, nimmt der Ennepe-Ruhr-Kreis sehr ernst. Eine Anfrage an das LANUV mit der Bitte, ein Konzept für ein zeitnahes Konzept für die Durchführung eines Humanbiomonitoring zu erstellen, erfolgt. Zu beachten ist, dass eine Blutuntersuchung von einer sorgfältigen Vor- und Nachbereitung begleitet werden muss mit Erhebung von Lebens-, Verzehrgewohnheiten, Wohnadresse, beruflichen Faktoren u. a. Die Planung dieser Untersuchung soll so schnell wie möglich, aber so umfassend wie nötig erfolgen. PCB haben je nach Chlorgehalt eine biologische Halbwertzeit von Monaten bis Jahrzehnten, daher ist eine schnelle Veränderung der Werte im Blut bis zu Durchführung nicht zu befürchten.

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Chronologie Ennepetal

 

Eine Zusammenfassung der Ereignisse finden Sie hier.
 

Seit wann sind dem Ennepe-Ruhr-Kreis die Partikelniederschläge bekannt?

Im Oktober 2018 wurde im Gewerbegebiet Oelkinghausen ein Partikelniederschlag festgestellt. Die Partikel wurden als weiße Flocken beschrieben, die eine watteähnliche Konsistenz hatten. Proben der weißen Partikel wurden zur Analyse an das Landesumweltamt (LANUV) gegeben. Den Untersuchungsbericht dazu erhielt die Kreisverwaltung am 16.11.2018 mit dem Ergebnis, dass die Flocken 2,4-Dichlorbenzoesäure enthielten. Damit war noch kein Rückschluss auf PCB 47 möglich. Dies und die Ergebnisse von Emissionsberechnungen der Verursacherfirma für die beobachteten Partikelniederschläge, aus denen sich ebenfalls Hinweise auf PCB 47 ergaben, veranlassten das LANUV anschließend zu weitergehenden, aufwändigen PCB Untersuchungen. Mitte März 2019 wurde die Kreisverwaltung durch das LANUV darüber informiert, dass PCB 47 auch analytisch nachgewiesen werden konnte. Daraufhin wurden im März/April 2019 weitere Proben aus Anlagen der Verursacherfirma gewonnen und analysiert. Auch diese enthielten PCB 47.

Die Ergebnisse führten dann am 09.07.2019 zu den bekannten Löwenzahnbeprobungen an Wildpflanzen durch das LANUV. Diese Untersuchungen waren wichtig um festzustellen, ob und wo sich Schadstoffdepositionen in Pflanzen im Gewerbegebiet sowie in der Umgebung des Gewerbegebietes Oelkinghausen wiederfinden.

Die Ergebnisse liegen dem Kreis seit dem 04.09.2019 vor. Erst dann konnte begründet und vorsorglich gewarnt werden. Dies ist am 06.09.2019 erfolgt.
 

Warum wurde nach Bekanntwerden der weißen Partikelniederschläge nicht früher gewarnt?

Weil zum Zeitpunkt des Partikelniederschlags noch nicht bekannt war, dass die Flocken auch PCB enthielten. Aufgrund des Partikelniederschlags war kein Grund zu einer Warnung gegeben. Zuerst musste ermittelt werden, ob und wo Schadstoffemissionen sich tatsächlich in der Umwelt, siehe Gebiet der Verzehrempfehlung, niedergeschlagen haben. Dazu dienten vorab die Löwenzahnuntersuchungen. Untersuchungsergebnisse zu den Bodenproben liegen vor, Emissionsmessungen bei der Fa. BIW sind durchgeführt und die Ergebnisse liegen zur Zeit beim LANUV zur Prüfung. Eine Emissionsmessung bei einem weiteren potentiellen Verursacher wird noch erfolgen.

Welcher Bereich ist betroffen und wie verteilt sich die Belastung?

Im Ergebnis der bislang vorliegenden Löwenzahnproben wurde an 6 Stellen der sogenannte Hintergrundwert für PCB überschritten Die Überschreitungen bewegen sich zwischen dem ca. 1,5- bis 6,7-fachen. Alle diese Punkte liegen im Gewerbegebiet Oelkinghausen. Der im Norden des Ortsteils Büttenberg gefundene Wert liegt nahe am Hintergrundwert, zwei weitere Löwenzahnproben im Osten waren unauffällig. 

Mit dem Löwenzahnbericht ist nur ein erstes Schadstoffscreening beabsichtigt und durchgeführt worden. Die Ergebnisse der Emissionsmessungen und der Bodenproben sind zwingend abzuwarten. Diese Ergebnisse werden dann seitens des begutachtenden LANUV bewertet. Letztlich wird das LANUV erst im Frühjahr 2020 (nach Vorlage der Ergebnisse der Grünkohlproben) eine voraussichtlich abschließende Bewertung der Sachlage vornehmen.

Hier gelangen Sie zum Bericht über die Beprobung des Löwenzahns.

Hier gelangen Sie zur Karte des Bereichs.

Legende zur Karte

Punkt Nr.

Messwert

x-fache Menge des Hintergrundwertes

21

5,6

3,29

22

2,5

1,47

23

6,7

3,94

24

9,4

5,53

25

11,3

6,65

26

1,3

0,76

27

1,2

0,71

28

2,1

1,24

Hintergrundwert von Löwenzahn NRW 1,7 µ/kg.


Der Entnahmepunkt 26 befindet sich weiter im Osten außerhalb des Kartenausschnitts.

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Getroffene Maßnahmen

 

Was wurde nach Bekanntwerden der PCB-Belastungen durch den Ennepe-Ruhr-Kreis veranlasst?

Nach Vorlage der Ergebnisse der PCB-Belastungen der weißen Partikelniederschläge Mitte März 2019 erfolgten in zeitlicher Reihenfolge die nachfolgenden Maßnahmen:

  1. 18.03.2019 bis April 2019 Analyse weiterer Stoffproben aus der für den Partikelniederschlag verantwortlichen Firma. Die Ergebnisse lagen am 22.05.2019 vor.
  2. 09.07.2019 Entnahme von Löwenzahlblättern zur Erstellung eines ersten Screenings zu Schadstoffdepositionen in der Umgebung
  3. 15.08.2019 Aufstellung von sechs Grünkohlproben im Bereich der Verzehrsempfehlung
  4. 03.09.2019 Emissionsmessungen in der für den Partikelniederschlag verantwortlichen Firma
  5. 04.09.2019 Ergebnisse der Löwenzahnproben
  6. 06.09.2019 Vorsorgliche Verzehrempfehlung
  7. 12.09. bis 13.09.2019 Entnahme von Bodenproben
  8. 22.09.2019 und 02.10.2019 Entnahme von Futtermittelproben (Maishäcksel und Grasaufwuchs) im Bereich Ennepetal-Holthausen
  9. Suche nach weiteren potentiellen Verursachern
     

Wann liegen die Ergebnisse vor?

Die Ergebnisse der Emissionsmessungen liegen vor und werden derzeit vom LANUV bewertet. Die Ergebnisse der Grünkohlproben liegen voraussichtlich im Frühjahr 2020 vor.

Beide Futtermittelproben blieben aus futtermittelrechtlicher Sicht unbeanstandet. Eine am 7.10.2019 entnommene Rohmilchprobe aus einem Milchsammeltank einer Hofstelle in Ennepetal blieb ebenfalls aus lebensmittelrechtlicher Sicht unbeanstandet. Die Ergebnisse weiterer zwei Rohmilchproben und weiterer zwei Körperfettproben von Schlachttieren stehen noch aus. Mit einem Ergebnis ist Ende November zu rechnen. Eine Fettgewebeprobe von einem Mastbullen, der mit möglicherweise belastetem Futter gefüttert wurde, wurde nicht beanstandet.

Die Ergebnisse der Bodenproben wurden in der Bürgerversammlung am 06.11.2019 vom LANUV vorgestellt.
 

Was haben die Bodenproben ergeben?

Zweck der Beprobung durch das LANUV war zu klären, inwieweit die flockenartigen Partikelniederschläge die PCB-(Hintergrund-)Gehalte in den umliegenden Böden beeinflusst hatten.

Dazu wurden unter Einbeziehung der Ergebnisse aus dem Löwenzahnscreening und unter Beachtung der Hauptwindrichtung insgesamt 11 Flächen im näheren und weiteren Umfeld der Fa. BIW beprobt.

Daraus folgend wurden 22 Bodenproben und direkt angrenzend von BIW eine bodenähnliche Materialprobe so untersucht, dass der emissionsbeeinflusste oberste Horizont 0 – 2 cm und der allgemein bodenschutzrelevante Bereich 0 – 10 cm getrennt voneinander bewertet werden können.

Untersucht wurden die Bodenproben auf die Stoffgruppe der PCB sowie auf Dioxine, da industriell hergestellte PCB wie vorliegend prinzipiell mit Dioxinen kontaminiert sein können.

Ergebnisse:

Grundsätzlich gilt, dass PCB aufgrund jahrzehntelanger Produktion und ihres multifunktionalen Einsatzes ubiquitär in Böden nachweisbar sind. Die Frage, inwieweit die von der Fa. BIW freigesetzten Partikelniederschläge sich auf die PCB-Gehalte in den Böden des Umfeldes auswirken, konnte eindeutig bejaht werden. Diese Aussage gilt jedoch nur für die Kongenere 47, 51 und 68. An allen in Hauptwindrichtung gelegenen Probennahmestandorten sind die drei Kongenere in den oberen 2 cm in höheren Gehalten als in den darunter liegenden Schichten bis 10 cm nachgewiesen. Der Immissionseinfluss von BIW nimmt mit zunehmender Entfernung wie auch entgegen der Hauptwindrichtung deutlich ab.

Auch die in der sog. Materialprobe deutlich erhöhten PCB-Gesamtgehalte sind darauf zurückzuführen, dass die Kongenere PCB 47, 51 und 68 hier prozentual den höchsten Anteil ausmachen.

Ein relevanter atmosphärischer Eintrag von Dioxinen und Furanen hat, wie der Vergleich der Bodenproben in Abhängigkeit von den Entnahmetiefen zeigt, nicht flächenhaft stattgefunden. Die Dioxingehalte befinden sich ± auf dem Niveau der landesweiten Hintergrundgehalte für Grünlandböden im ländlichen Bereich.

Auch die Dioxin-ähnlichen PCB (dl-PCB) liegen auf einem Niveau, das aus anderen vergleichbaren Untersuchungen bekannt und daher üblicherweise zu erwarten ist.

Fazit:

Der Einfluss der Fa. BIW über die Partikelniederschläge auf die umliegenden Böden ist eindeutig. Dies ist belegt über die Kongenere PCB 47, 51 und 68.

Fakt ist: Bodenschutzrechtliche Gefahrenschwellen sind definitiv nicht überschritten. Die multifunktionale Nutzung der Böden ist (noch) möglich. Um dies weiterhin zu gewährleisten gilt es rein bodenschutzrechtlich weitere Einträge wirkungsvoll zu verhindern.

Abschließend ergeht der Hinweis, dass die Suche nach weiteren potentiellen PCB-Emittenten im Gewerbegebiet Oelkinghausen fortgesetzt wird.

Den schriftlichen Bericht des LANUV über die Ergebnisse der Bodenproben finden Sie hier.



Warum dauert das so lange?

Die PCB-Analytik ist allgemein sehr aufwändig und daher entsprechend zeitintensiv. Bodenproben müssen z.B. in mehreren Schritten aufbereitet werden (Trocknen, mehrfaches Sieben, Mahlen). Die Proben können auch nicht nur in einem Labor analysiert werden, sondern müssen an verschiedene qualifizierte Labore versendet werden. Danach muss extrahiert und in mehreren Schritten analysiert werden, ggf. sind dann auch noch Kontrollanalysen erforderlich. Das nimmt entsprechend Zeit in Anspruch. Das LANUV hat dem Kreis versichert, dass die Bodenproben mit hoher Priorität bearbeitet werden, ein genauer Zeitpunkt zur Vorlage kann aber nicht genannt werden.

Die Grünkohlproben bleiben 100 Tage vor Ort stehen. Am 14. November 2019 wurde der Grünkohl durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LANUV geerntet. Nunmehr wird er küchenfertig aufbereitet. Auch diese Aufbereitung und die sich anschließenden Analysen sind sehr zeitintensiv und werden bis in das Frühjahr 2020 benötigen.

Des Weiteren kann es beim LANUV zu Sondereinsätzen kommen, die sowohl Personal- als auch Laborkapazitäten beanspruchen, so dass sich zeitliche Verschiebungen ergeben können. Das LANUV ist für den Kreis die oberste Fachbehörde. Insofern ist die Zusammenarbeit mit dem LANUV geboten.

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Vorsorgliche Verzehrempfehlung

Warum erfolgte eine vorsorgliche Verzehrempfehlung?

Aufgrund des Hauptbelastungsweges für den Menschen über die Nahrung wurde eine vorsorgliche Verzehrempfehlung für Obst und Gemüse aus Gärten im betroffenen Gebiet ausgesprochen, die auf den Löwenzahnergebnissen als Screening basieren.

Ob tatsächlich Nahrungspflanzen in dem betroffenen Gebiet eine erhöhte Belastung aufweisen, soll anhand der aufgestellten Grünkohlpflanzen untersucht werden.

Die vorsorgliche Verzehrempfehlung hat zum Ziel zu verhindern, dass eine zusätzliche, möglicherweise erhöhte PCB-Zufuhr durch das dort angebaute Obst und Gemüse stattfindet.
 

Für welche Lebensmittel gilt sie?

Die vorsorgliche Verzehrempfehlung gilt für sämtliches Obst und Gemüse im gekennzeichneten Gebiet. Diese schließt auch Kräuter und Nüsse ein.

Sofern möglich, könnten bestimmte Obst- und Gemüsesorten eingelagert, eingeweckt oder eingefroren werden bis eine abschließende Bewertung erfolgt ist.
 

Kann ich Honig essen?

Die vorsorgliche Verzehrempfehlung des LANUV gilt nur für Obst und Gemüse aus den Gärten des betroffenen Gebietes.
 

Kann ich die Fische aus den Teichen essen?

Die vorsorgliche Verzehrempfehlung des LANUV gilt nur für Obst und Gemüse aus den Gärten des betroffenen Gebietes.

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Verursacher

Wer ist der Verursacher der PCB-Emissionen?

Zurzeit gilt der Verursacher der weißen Partikelniederschläge, die PCB 47 enthielten, als gesichert. Weitere Aussagen zu Verursachern sind erst möglich, wenn die Emissionsmessungen und weitere Untersuchungen abgeschlossen und bewertet wurden.
 

Wie sind die Ergebnisse weiterer Untersuchungen bei einem anderen Unternehmen?

Bei einem anderen Unternehmen im Gewerbegebiet Oelkinghausen wurden Stoffproben genommen und untersucht. Die Ergebnisse sind nach aktueller Beurteilung durch das LANUV unauffällig. Es werden aber noch ergänzende Emissionsmessungen beauftragt, um die Ergebnisse, insbesondere in Bezug auf dl-PCB abzusichern. Die Messungen durch ein anerkanntes Messinstitut werden nicht vor Frühjahr 2020 erfolgen. Der Zeitpunkt der Vorlage von Messergebnissen steht daher zurzeit noch nicht fest.
 

Wird weiterhin PCB emitiert?

PCB wird aus dem Produktionsprozess emitiert. Abschließende Aussagen werden erst nach der Vorlage der Grünkohlproben sowie der Bewertung der Emissionswerte durch das LANUV getroffen.

Warum werden keine Betriebe stillgelegt?

Zunächst sind die noch ausstehenden Untersuchungsergebnisse abzuwarten. Für PCBs gibt es keinen Emissionsgrenzwert. Es gilt jedoch ein Emissionsminimierungsgebot nach TA-Luft (Es handelt sich um die bundesweit gültige Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft – TA Luft). Es sind daher alle Maßnahmen zu prüfen, die eine Minimierung der Emissionen ermöglichen. Die Maßnahmen müssen dabei geeignet und verhältnismäßig sein.

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Weitere Fragen

Wie sehen die Flocken aus, die als weißlicher Partikelniederschlag aufgetreten sind?

Die Flocken sind weiß, bis zu mehrere Zentimeter groß und sehen wie Schnee bzw. wie Watte aus:
Bild hier klicken.

Was ist bei erneuten weißlichen Partikelniederschlägen zu tun?

Sollten weiße Partikelniederschläge festgestellt werden, ist die Stadt Ennepetal unter Tel.: 02333/979-0 zu informieren. Außerhalb der Dienstzeiten wird eine Telefonnummer angesagt, die ständig besetzt ist.

Können bei mir im Garten auch Proben genommen werden (Boden, Obst oder Gemüse)?

Nein, der Ennepe-Ruhr-Kreis oder das LANUV entnehmen zurzeit keine Proben aus Privatgärten. Die Bodenproben sind an 12 Stellen entnommen worden und die Grünkohlcontainer sind an 6 Stellen aufgestellt worden.

Eine ergänzende Beprobung von weiterem Obst und Gemüse ist seitens des LANUV nicht vorgesehen, weil es dazu im Gegensatz zu den Löwenzahn- und Grünkohluntersuchungen keine Hintergrundwerte in NRW gibt. Damit ist eine abgesicherte Bewertung solcher Messergebnisse nicht möglich.

Wo kann Obst und Gemüse entsorgt werden?

Das Obst und Gemüse, das vorsorglich nicht verzehrt wurde, sollte über die Restmülltonne entsorgt werden. Sollte diese nicht ausreichend Platz bieten, nimmt die Stadt Ennepetal Anfragen zur Entsorgung unter der Telefonnummer 02333/ 979 - 191 entgegen, Ansprechpartner ist Herr Wiedersprecher. E-Mail: mwiedersprecher@ennepetal.de.

Wer leistet Schadensersatz für Ernteausfall und Entsorgung der Gartenernte?

Dies kann insgesamt erst nach Vorlage beweiskräftiger, abschließender Untersuchungsergebnisse zu Verursachern rechtlich geklärt werden.

Wer leistet Schadensersatz, wenn PCB-Belastungen auf Grundstücken festgestellt werden?

Dies kann insgesamt erst nach Vorlage beweiskräftiger, abschließender Untersuchungsergebnisse zu Verursachern rechtlich geklärt werden.

Können die Kinder weiter im Garten spielen?

Der Hauptbelastungsweg für den Menschen ist die Aufnahme von PCB über die Nahrung. Aus diesem Grund wurde eine vorsorgliche Verzehrempfehlung ausgesprochen (s. unten).

Die in dem Gebiet gewonnen Bodenproben wurden untersucht und die Ergebnisse ausgewertet. Das Spielen darauf ist unbedenklich.

Allgemein gilt: nach dem Spielen im Garten sollten die Hände gründlich gewaschen werden, insbesondere vor Nahrungsaufnahme.
 

Kann ich weiter stillen?

Das PCB-Verbot spiegelt sich auch in einem Rückgang der Hintergrundbelastung der Allgemeinbevölkerung in den vergangenen 40 Jahren wider, so dass sie deutlich weniger belastet ist als in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Dies kann anhand bevölkerungsbezogener Daten zur PCB-Belastung in Blut und Muttermilch gezeigt werden.

Aufgrund der weiten Verbreitung in der Umwelt und ihrer schlechten Abbaubarkeit können PCB auch heute noch in der Muttermilch nachgewiesen werden. Wegen ihrer hohen Fettlöslichkeit reichern sich PCB besonders im Milchfett an und gehen daher auch auf den Säugling über. Gestillte Kinder können somit höhere PCB-Werte als nicht gestillte Kinder aufweisen. Üblicherweise wird aufgrund der Belastung der Muttermilch mit Organochlorverbindungen wie PCB oder Dioxinen nicht empfohlen, das Stillen von Säuglingen einzuschränken, da trotz eventuell erhöhter Gehalte an diesen persistenten Stoffen im Körper die positiven Effekte des Stillens überwiegen.

Schwangeren Frauen und stillenden Müttern aus dem betroffenen Gebiet wird aus Vorsorgegründen besonders empfohlen, der Verzehrempfehlung zu folgen.

Besorgte Mütter können sich auch an das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe unter der Telefonnummer 0251 9821-0, E-Mail: poststelle@cvua-mel.de wenden.

Woher stammen die Gerüche aus dem Gewerbegebiet?

Die von Bewohnern beschriebenen Gerüche können von der Firma BIW Isolierstoffe GmbH stammen. Im Gewerbegebiet Oelkinghausen sind aber auch weitere Firmen ansässig, von denen Gerüche ausgehen können. Hier sind z.B. Lösemittelgerüche zu nennen. Es ist kein Rückschluss von Geruch auf PCB möglich, da PCB fast geruchlos sind.
 

Warum wurde der Screeningbericht des LANUV erst so spät veröffentlicht?

Der Bericht des LANUV zu den so genannten „Löwenzahnuntersuchungen“ sollte als Screeningbericht eine erste überblickartige Darstellung der PCB Verunreinigung im betrachteten Gebiet vermitteln. Er enthält zu diesem Zeitpunkt keinerlei gesundheitliche Bewertungen der ermittelten Befunde.

Der Bericht diente in der Folge dem LANUV als Grundlage für die Planung der inzwischen bereits durchgeführten weiteren Beprobungen zu Boden, Luft und Grünkohl. Die gesamten Ergebnisse dazu bleiben abzuwarten. Auf diese Zielrichtungen des orientierenden Berichtes hat das LANUV die Kreisverwaltung in der Vergangenheit mehrfach ausdrücklich hingewiesen.

Zum Bericht selbst: Der Bericht enthält Ergebnisse zur Gruppe der Tri- bis Decachlorbiphenyle, inklusive des PCB 47, der Gruppe der 6 DIN-Kongenere sowie der dioxinähnlichen dl-PCB. Dazu hebt das LANUV die bis zu 7-fachen Überschreitungen der zugehörigen Hintergrundwerte aus der Gruppe der Tri- bis Decachlorbiphenyle an einzelnen Messpunkten hervor. Diese Erkenntnis begründete in der Folgezeit vorrangig das weitere Untersuchungsvorgehen der Fachbehörde und war Grundlage der erfolgten vorsorglichen Verzehrwarnung.

Bewusst hat es der Kreis vermieden, ohne weitere ergänzende Erkenntnisse die Berichtsinhalte zu den dioxinähnlichen PCB zu veröffentlichen. Dies insbesondere vor dem Hintergrund in diesem frühen Stadium des Untersuchungsprozesses keine weitergehende verständliche Verunsicherung der Bevölkerung zu provozieren.

Dabei war zu berücksichtigen, dass im Gegensatz zu den deutlich höheren Messwerten bei der Gruppe der Tri- bis Decachlorbiphenyle, die Ergebnisse für dioxinähnliche PCB mit einer 1,4 fachen Überschreitung des zu beachtenden EU-Auslösewertes für Lebensmittel an einem Messpunkt im Gewerbegebiet wesentlich geringer auffällig waren. Auslösewert bedeutet hierbei, dass bei Überschreitung die Suche nach der Quelle der Verursachung anzustoßen ist. Dies ist durch die Untersuchungen und Probenahme bei möglichen Verursachern eingeleitet worden.

An dieser Stelle verweist die Kreisverwaltung mit Blick auf die dioxinähnlichen PCB auf entsprechende Verlautbarungen des Bundesinstituts für Risikobewertung, Berlin als nachgeordnete Behörde des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Das Institut verdeutlicht, dass bei dioxinähnlichen PCB der zu beachtende Auslösewert in Nanogramm je kg Untersuchungsmaterial gemessen wird. Damit liegt dieser Wert um den Faktor 1.000 unter dem Hintergrundwert für die Gruppe der Tri- bis Decachlorbiphenyle. Dieser wird in Mikrogramm je kg Untersuchungsmaterial gemessen.

Der sehr viel niedriger festgesetzte Auslösewert für dioxinähnliche PCB ist dem Willen des Gesetzgebers geschuldet, dass ein Mensch, selbst bei lebenslangem Verzehr von Lebensmitteln die mit dioxinähnlichen PCB in der vorgenannten Größenordnung verunreinigt sind, keine unvertretbaren Gesundheitsschäden erleidet.

Der Bericht in Gänze war ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. In den FAQ`s auf der Internetseite der Kreisverwaltung ist ein Teil des Berichtes mit dem hervorstechendem Messergebnis zu der Gruppe der Tri- bis Decachlorbiphenyle veröffentlicht worden, da dies Grundlage der vorlaufenden vorsorglichen Verzehrempfehlung gewesen war.

Ein Antrag eines Bürgers nach dem Umweltinformationsgesetz (UIG) vom 18. September führte dazu, sich erneut mit der Frage der Veröffentlichung zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang wurde zunächst dem LANUV im Hinblick auf den Urheberschutz Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Anschließend wurde die betroffene Firma in Bezug auf eine Passage des Berichts, bei deren Bekanntgabe eine Offenbarung möglicher Betriebs-/Geschäftsgeheimnisse der Firma im Raum stand, angehört. Dies erfolgte vor dem Hintergrund, dass es nach den einschlägigen gesetzlichen Regelungen des UIG Pflicht ist, die Betroffenen vor der Offenbarung entsprechend geschützter Informationen anzuhören.

Mit Schreiben vom 11. Oktober teilten die Rechtsanwälte der Firma mit, dass die in dem Bericht getroffenen Feststellungen keine Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse darstellen. Die Kreisverwaltung hat daraufhin entschieden, den Bericht nicht nur dem antragstellenden Bürger zur Verfügung zu stellen, sondern ihn auf der Internetseite der Kreisverwaltung zu veröffentlichen. Dies erfolgte am 17. Oktober.

 

Wie wird zukünftig informiert?

Der Kreis wird zukünftig über alle weiteren Ergebnisse transparent und in geeigneter Weise informieren. Die Liste der FAQ wird weiterhin ergänzt und aktualisiert, eine weitere Informationsveranstaltung ist in Zusammenarbeit mit dem LANUV nach dem Vorliegen der Grünkohlproben vorgesehen.

 

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