Ennepe-Ruhr-Kreis organisiert Sprachförderung für Vorschulkinder

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Wird hier pantomimisch vielleicht eine Flasche Öl aufgeschraubt? Die anderen Kinder müssen raten. // UvK // Ennepe-Ruhr-Kreis

Sprachförderung Vorschulkinder

Guisi Reese erklärt den Kindern die neue Bildkarte mit dem Wort „Öl“. // UvK // Ennepe-Ruhr-Kreis

„KiKi kommt in die Schule“: Mit einem neuen Projekt will das Kommunale Integrationszentrum des Kreises kürzlich zugewanderten Vorschulkindern den Schulstart erleichtern. Der Fokus liegt im Erlernen von Wörtern, die im Anfangsunterricht eine große Rolle spielen.

„Das Auto ist grün.“ „Das Eis schmeckt gut.“ „Die Uhr macht ticktack.“ Es ist Montagmorgen, 10 Uhr, und Erzieherin Guisi Reese sitzt mit drei Kindern und der Handpuppe KiKi in der Turnhalle des Schwelmer AWO-Kindergartens Loh. Wiederholt wird der Umgang mit Vokabeln, die sie in der vergangenen Woche geübt haben. Die Kinder erinnern sich gut daran. Es fällt ihnen leicht, kurze Sätze zu den Wörtern zu bilden.

Wörter der Anlauttabelle kennenlernen

„Wenn das gelingt, ist schon ganz viel gewonnen“, freut sich Hatun Cici vom Kommunalen Integrationszentrum, die das Projekt initiiert hat. Als Grundschullehrerin hatte sie vor ihrer Zeit beim Kreis die Erfahrung gemacht, dass der Schulstart Kindern, die gerade erst nach Deutschland gekommen waren, schwerfiel.

„In den ersten Schulwochen wird ganz viel mit Wort-Bild-Zuordnungen gearbeitet. Aber wenn die Kinder die Wörter zu den Bildern der Anlauttabelle nicht kennen, können sie am Regelunterricht kaum teilnehmen“, weiß die Pädagogin. „Wegen so eines kleinen Stolpersteins hinken sie dann hinterher.“ Als Mitarbeiterin des Kommunalen Integrationszentrums wollte sie Abhilfe schaffen.

Vier Schwelmer Kitas machen mit

Das Pilotprojekt startete vor vier Wochen an vier Schwelmer Kitas. Dreimal pro Woche trifft sich jeweils eine Erzieherin mit kürzlich zugewanderten Kindern, die nach den Ferien eingeschult werden, und übt mit ihnen das Material, das Cici konzipiert und den Kitas zur Verfügung gestellt hat.

Neue Wörter werden mit Bildkarten eingeführt. „Öl“, „Überraschungs-Ei“, „Hose“, „Nase“ stehen bei Erzieherin Reese und den Kindern, die aus Syrien, Weißrussland und Mazedonien stammen, an diesem Tag neu auf dem Programm. Dazu sprechen sie sie alle gemeinsam nach, und zwar so, wie die Kinder es wünschen: „Nase“ laut, fast schreiend, „Hose“ mit trauriger Stimme, „Überraschungs-Ei“ flüsternd.

Projekt soll ausgeweitet werden

Dann werden die neuen Wörter reihum pantomimisch dargestellt, die anderen müssen raten, welcher Begriff gemeint ist. Im nächsten Schritt denken sich die Kinder einfache Sätze zu den Vokabeln aus, zur Vertiefung spielen sie „Ich sehe was, was du nicht siehst“ mit den Begriffen. Zum Abschluss wird ein Bild zu einem der neuen Wörter ausgemalt.

„Es ist eine tolle Idee und man merkt den schnellen Fortschritt, wenn man sich die Zeit nehmen kann, so intensiv mit einer kleinen Gruppe von Kindern zu arbeiten“, sagt Reese. Ähnliches Feedback hat Cici auch aus den anderen drei Kitas erhalten, die sie bei der Umsetzung in den letzten Wochen begleitet hat. Ihr Plan ist es deshalb, das Projekt „Kiki kommt in die Schule“ im nächsten Jahr auf weitere Kitas im Kreisgebiet auszuweiten.