Neuanfang mit 61: Wie Frank Meyer Hausmeister im Jobcenter wurde

Hausmeister Meyer Büro

Sein neues Büro im Jobcenter hat der gelernte Schreiner, Maler und Lackierer Frank Meyer mit selbstgemachten Accessoires bestückt. // UvK // Ennepe-Ruhr-Kreis

Hausmeister Meyer

Immer zur Stelle, wenn es irgendwo klemmt: Frank Meyer geht in seinen Aufgaben als Hausmeister auf. // UvK // Ennepe-Ruhr-Kreis

Plötzlich berufsunfähig, plötzlich Hartz IV. Ein schwerer Unfall stellt das Leben des Gevelsbergers Frank Meyer vor 18 Jahren auf den Kopf. Arbeitslos zuhause zu sitzen, ist für den gelernten Maler, Lackierer und Schreiner keine Option. Er nimmt Gelegenheits- und Minijobs an, doch seine Bewerbungen auf Vollzeitstellen bleiben erfolglos. Bis sein Fallmanager beim Jobcenter des Ennepe-Ruhr-Kreises eine echte Chance für den inzwischen 61-Jährigen wittert.

Frank Meyer war bei international renommierten Ladenbau-Unternehmen tätig, weltweit auf Montage unterwegs. Er wurde Bauleiter und Anleiter, genoss das volle Vertrauen seines Chefs. Über 25 Jahre lang lief alles rund, er war erfolgreich und zufrieden.

Der Tag, der alles änderte

Dann kam der Tag, der alles änderte. Am 28. September 2004 ist Meyer in Hagen tätig, steht als Maler in acht Metern Höhe auf einem Gerüst. Er hält gerade einen Eimer mit Reibeputz in der Hand, als es kracht. Die morsche Gerüstbohle ist gebrochen, er stürzt auf die nächste Etage, auch diese Bohle bricht, er fällt weiter in die Tiefe. Lebendig, aber schwerverletzt kommt Meyer auf dem Boden an.

Die Diagnose: Halbseitige Lähmung, ein gespaltener Unterschenkelknochen, eine zertrümmerte Kniescheibe, Verletzungen im Gesicht. Meyer ist berufsunfähig.

Der nächste Schicksalsschlag

„Im Krankenhaus haben sie mich zusammengeflickt, nach dreieinhalb Monaten konnte ich nach Hause“, erinnert er sich. Doch dort erwartet ihn der nächste Schicksalsschlag: Seine Frau trennt sich von ihm. Meyer zieht aus und fällt in ein Loch. „Zu der Zeit ging nichts mehr.“

Gesundheitlich macht Meyer nach und nach Fortschritte, wird wieder mobiler, die Lähmung verschwindet. Was ihm fehlt, ist die Arbeit. „Ich bin einfach nicht der Typ, der zuhause sitzt und Fernsehen guckt. Ich brauche das Gefühl, gebraucht zu werden. Sonst fällt mir die Decke auf den Kopf“, sagt er. Arbeiten am Boden sind wegen der Knie aber undenkbar geworden, auch Treppen machen Meyer zu schaffen.

Neun Operationen

Sein Fallmanager beim Jobcenter, Dirk Lübeck, vermittelt ihm sogenannte „Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung“, im Volksmund Ein-Euro-Jobs genannt. Meyer nimmt jedes Angebot an, jobbt unter anderem als Lkw-Fahrer, bei einem Sicherheitsdienst und in einer Holzwerkstatt der VHS. Doch eine Integration auf den ersten Arbeitsmarkt will nicht gelingen. „Zu alt, zu stark körperlich eingeschränkt“, heißt es. Mehrfach werden die Bemühungen durch Krankenhausaufenthalte unterbrochen. Insgesamt neunmal wird Meyer am Knie operiert, seit 2019 läuft er mit einer Vollprothese. Erst seitdem ist er schmerzfrei.

Fallmanager Lübeck gibt nicht auf. „Egal bei welcher Beratung, egal bei welchem Job: Frank Meyer war immer pünktlich und immer zuverlässig. Ein Musterkunde, der es wirklich verdient hatte, eine gute Stelle zu finden.“

"Ich hätte Ihnen einen Vogel gezeigt"

Und dann kommt sie, die Gelegenheit, auf die beide gewartet haben: Der Bereich Gebäudemanagement beim Ennepe-Ruhr-Kreis sucht einen Hausmeister für das neu gebaute Jobcenter in Schwelm. Meyer bewirbt sich, geht zum Vorstellungsgespräch ins Kreishaus, überzeugt. Und ist seit Mitte Januar Hausmeister in Vollzeit.

„Hätten Sie mir das vor fünf Jahren erzählt – ich hätte Ihnen einen Vogel gezeigt“, sagt Meyer. „Aber ich habe es erlebt: Auch wer schon alt oder körperlich eingeschränkt ist, kann immer noch einen Job kriegen. Wichtig ist, das Selbstvertrauen nicht zu verlieren, nicht aufzugeben.“ 

"Es gibt nur positives Feedback"

In seinen neuen Aufgaben geht der Hausmeister auf: Egal ob eine Tür klemmt, ein Schlüssel abbricht oder ein höhenverstellbarer Schreibtisch hakt, eine Lampe ausfällt oder ein Chip für die Zeiterfassung nicht mehr funktioniert: Meyer ist zur Stelle. „Ich komme in jedes Büro, habe regen Kontakt mit den Kollegen, das Verhältnis ist sehr nett“, schwärmt er. Er begleitet Fachfirmen, holt die Post und führt Mängellisten, wenn etwas ersetzt werden muss. „Es macht einen Riesenspaß. Ich hätte nie gedacht, dass die Tätigkeit als Hausmeister so abwechslungsreich ist.“

Fast genauso sehr wie Meyer selbst freut sich Lübeck über den Erfolg seines Kunden: „Frank Meyer genießt schon jetzt große Anerkennung im Haus, durch sein fachliches Können und seine hilfsbereite, freundliche Art. Es gibt nur positives Feedback.“