Der Ennepe-Ruhr-Kreis und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) gehen derzeit erhöhten PCB Werten im Gewerbegebiet Ennepetal-Oelkinghausen und im Wohngebiet Büttenberg nach.

An dieser Stelle finden sich Ergebnisse, Berichte und Karten, Hinweise zum Verzehr von Gemüse und Obst sowie auf geplante Schritte im betroffenen Gebiet, Antworten auf Fragen, die Bürger in den letzten Monaten immer wieder gestellt haben sowie allgemeine Informationen zu PCB.

Die seit Januar vorliegenden Ergebnisse machen es möglich, die Lage differenzierter zu bewerten. Danach gilt weiterhin: Eine akute Gefährdung der Bürgerinnen und Bürger liegt zwar nicht vor. Dennoch ist das Plus an Klarheit nicht geeignet, um den Menschen alle Sorgen nehmen zu können.

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Aktuelles

Nachdem im Herbst 2019 Ergebnisse eines Löwenzahnscreenings sowie von Bodenuntersuchungen vorlagen, folgten Anfang 2020 die Ergebnisse der Untersuchungen von Grünkohlpflanzen sowie von orientierenden Emissionsuntersuchungen beim Unternehmen biw.

Die damit verbundenen Erkenntnisse haben im Januar 2020 zu einer zunächst unbefristeten, aber differenzierten Empfehlung für den Verzehr von Gemüse und Obst im betroffenen Bereich geführt. Zudem sind Blutuntersuchungen geplant.

Weitere Konsequenzen: Bereits im Mai dieses Jahrs wird wieder Grünkohl aufgestellt, das Messgebiet wird nach Norden ausgeweitet und auch den Sorgen der Bürger, die in östlich und nordöstlich angrenzenden Gebieten wohnen, wird durch das Ausweiten des Untersuchungsprogramms Rechnung getragen.

Für weitere Immissionsmessungen soll zudem ein Messcontainer am Standort Wohngebiet Büttenberg zum Einsatz kommen.

Alle Vorgaben und Messungen bleiben so lange bestehen und werden so lange wiederholt, bis das betroffene Gebiet keine PCB Werte mehr aufweist, die über den so genannten Hintergrundwerten liegen.

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Bürgertelefon/Bürgerversammlung

Montags bis freitags (ab Montag, 27. Januar 2020) ist ein Bürgertelefon besetzt. Zwischen 8 und 16 Uhr ist es unter 02333/403 1449 erreichbar.

Eine weitere Bürgerversammlung findet am Freitag, 21. Februar, um 18 Uhr im Haus Ennepetal statt. Diese wird gemeinsam vom Ennepe-Ruhr-Kreis und der Stadt Ennepetal angeboten. Experten des LANUV und der Kreisverwaltung stehen den Bürgern Rede und Antwort.

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Ergebnisse und Erkenntnisse

Grundsätzlich gilt: Die PCB-Analytik ist sehr aufwändig und daher entsprechend zeitintensiv.

So mussten die Bodenproben beispielsweise in mehreren Schritten aufbereitet werden (Trocknen, mehrfaches Sieben, Mahlen). Die Proben konnten auch nicht nur in einem Labor analysiert werden, sondern mussten an verschiedene qualifizierte Labore versendet werden. Danach musste extrahiert und in mehreren Schritten analysiert werden.

Ähnlich aufwändig war und ist das Verfahren beim Grünkohl. Er stand zunächst in Spezialbehältern 100 Tage an den ausgewählten Messpunkten. Im November 2019 wurde er eingesammelt und es konnte mit den Untersuchungen begonnen werden. Erfreulicherweise ist es gelungen, die Ergebnisse bereits im Januar und nicht - wie ursprünglich angekündigt - erst im März zu präsentieren.


Löwenzahnproben (September 2019)

Bei den Löwenzahnproben wurde an 6 Stellen der sogenannte Hintergrundwert für PCB überschritten Die Überschreitungen bewegen sich zwischen dem ca. 1,5- bis 6,7-fachen. Alle diese Punkte liegen im Gewerbegebiet Oelkinghausen. Der im Norden des Ortsteils Büttenberg gefundene Wert lag nahe am Hintergrundwert, zwei weitere Löwenzahnproben im Osten waren unauffällig.

Link zum Bericht des LANUV über die Ergebnisse der Löwenzahnproben.

Link zur Karte mit den Messpunkten sowie der bis Anfang Januar 2020 gültigen vorsorglichen Verzehrempfehlung.

Hinweis: Die Ellipse zum Verzehrgebiet wurde inzwischen geändert. Sie finden die neue Abgrenzung der gültigen Verzehrempfehlungen unter dem Punkt Verzehrempfehlungen.
 

Bodenproben (November 2019)

Zweck der Beprobung durch das LANUV war zu klären, inwieweit die flockenartigen Partikelniederschläge die PCB-(Hintergrund-)Gehalte in den umliegenden Böden beeinflusst hatten.

Dazu wurden unter Einbeziehung der Ergebnisse aus dem Löwenzahnscreening und unter Beachtung der Hauptwindrichtung insgesamt 11 Flächen im näheren und weiteren Umfeld der Fa. BIW beprobt.

Daraus folgend wurden 22 Bodenproben und direkt angrenzend von BIW eine bodenähnliche Materialprobe so untersucht, dass der emissionsbeeinflusste oberste Horizont 0 – 2 cm und der allgemein bodenschutzrelevante Bereich 0 – 10 cm getrennt voneinander bewertet werden können.

Untersucht wurden die Bodenproben auf die Stoffgruppe der PCB sowie auf Dioxine, da industriell hergestellte PCB wie vorliegend prinzipiell mit Dioxinen kontaminiert sein können.


Ergebnisse:

Grundsätzlich gilt, dass PCB aufgrund jahrzehntelanger Produktion und ihres multifunktionalen Einsatzes ubiquitär in Böden nachweisbar sind. Die Frage, inwieweit die von der Fa. BIW freigesetzten Partikelniederschläge sich auf die PCB-Gehalte in den Böden des Umfeldes auswirken, konnte eindeutig bejaht werden. Diese Aussage gilt jedoch nur für die Kongenere 47, 51 und 68. An allen in Hauptwindrichtung gelegenen Probennahmestandorten sind die drei Kongenere in den oberen 2 cm in höheren Gehalten als in den darunter liegenden Schichten bis 10 cm nachgewiesen. Der Immissionseinfluss von BIW nimmt mit zunehmender Entfernung wie auch entgegen der Hauptwindrichtung deutlich ab.

Auch die in der sog. Materialprobe deutlich erhöhten PCB-Gesamtgehalte sind darauf zurückzuführen, dass die Kongenere PCB 47, 51 und 68 hier prozentual den höchsten Anteil ausmachen.

Ein relevanter atmosphärischer Eintrag von Dioxinen und Furanen hat, wie der Vergleich der Bodenproben in Abhängigkeit von den Entnahmetiefen zeigt, nicht flächenhaft stattgefunden. Die Dioxingehalte befinden sich ± auf dem Niveau der landesweiten Hintergrundgehalte für Grünlandböden im ländlichen Bereich.

Auch die Dioxin-ähnlichen PCB (dl-PCB) liegen auf einem Niveau, das aus anderen vergleichbaren Untersuchungen bekannt und daher üblicherweise zu erwarten ist.


Fazit:

Der Einfluss der Fa. BIW über die Partikelniederschläge auf die umliegenden Böden ist eindeutig. Dies ist belegt über die Kongenere PCB 47, 51 und 68.

Fakt ist: Bodenschutzrechtliche Gefahrenschwellen sind definitiv nicht überschritten. Die multifunktionale Nutzung der Böden ist (noch) möglich. Um dies weiterhin zu gewährleisten gilt es rein bodenschutzrechtlich weitere Einträge wirkungsvoll zu verhindern.

Die Suche nach weiteren potenziellen PCB-Emittenten im Gewerbegebiet ist abgeschlossen. Es sind keine weiteren Emittenten von PCB 47 gefunden worden.

Den schriftlichen Bericht des LANUV über die Ergebnisse der Bodenproben finden Sie hier.

 

Futtermittel, Rohmilch, Fleisch

Zwei Futtermittelproben blieben aus futtermittelrechtlicher Sicht unbeanstandet. Eine am 7.10.2019 entnommene Rohmilchprobe aus einem Milchsammeltank einer Hofstelle in Ennepetal blieb ebenfalls aus lebensmittelrechtlicher Sicht unbeanstandet. Eine Fettgewebeprobe von einem Mastbullen, der mit möglicherweise belastetem Futter gefüttert wurde, wurde ebenfalls nicht beanstandet.


Orientierende Emissionsmessung bei biw

Bei der Firma BIW wurden an einem Temperofen und einer Extrusionsanlage zwischenzeitlich orientierende Emissionsmessungen durchgeführt.

Damit sollte geklärt werden, ob neben Partikelemissionen („weiße Flocken“) auch gasförmige Emissionen vorliegen.

Ergebnis: Insbesondere das Abgas des untersuchten Temperofens weist entgegen den von der Firma prognostizierten Werten um den Faktor 1.000 erhöhte Gehalte an PCB 47 auf.

Da dieser Wert nicht die Gesamtemissionen wiederspiegelt (es wird eine Vielzahl von Anlagen betrieben) wird aufgrund der Höhe der ermittelten Werte eine komplette Emissionsmessung sämtlicher Abgasströme angestrebt, um eine rechtssichere Grundlage für künftige Forderungen an die Verursacherfirma zu gewährleisten.


Grünkohluntersuchungen (Januar 2020)

Der Grünkohl ist aufgrund seiner Blattoberfläche hervorragend als Bioindikator eignet und war zwischen August und November an sechs Standorten aufgestellt worden.

Die wesentliche Erkenntnis der Experten des LANUV lautet: An drei der sechs Messpunkte fanden sich erhöhte PCB Werte. Diese werden wie bereits bei früheren Untersuchungen vom PCB 47 dominiert.

Die höchste Belastung wurde an Messpunkt 2 und damit direkt nördlich der Firma biw festgestellt. Dort lag der Wert um das 14fache über dem so genannten Hintergrundwert. An den Messpunkten 3 und 4 - diese liegen im Wohngebiet Büttenberg - wurde dieser Wert um das 3,5fache überschritten.

Weitere Erkenntnis: Die dioxinähnlichen PCB spielen keine Rolle.


Link zum Bericht des LANUV über die Ergebnisse der Grünkohlproben

Karte der Messergebnissse

 

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Verzehrempfehlungen

Aufgrund der Ergebnisse der Grünkohlproben wurde die im Herbst 2019 ausgesprochene vorsorgliche Verzehrempfehlung in eine differenzierte Verzehrempfehlung umgewandelt. Betroffen sind das Gewerbegebiet Oelkinghausen und das Wohngebiet Büttenberg.


Wo liegen die Einschränkungsgebiete?

siehe Karte

 

Welches Gemüse und Obst sollte im Gewerbegebiet Oelkinghausen nicht angebaut und verzehrt werden?

Für diesen Bereich gibt es die Empfehlung, folgende Blattgemüse nicht im eigenen Garten anzubauen und zu verzehren:

Grünkohl, Mangold, Spinat, Pflücksalat, Feldsalat, Rucola, Rübstiel / Stielmus, Staudensellerie, Kräuter und andere Gemüse, von denen die Blätter verzehrt werden.

Hintergrund: Da die Schadstoffe über die Luft verbreitet werden, sammeln sie sich in der Regel auf den Blättern an und zwar umso besser, wenn die Blätter gut anströmbar sind und eine große Oberfläche haben (z. B. gekräuselt sind).

Dementsprechend sind nach bisherigem Kenntnisstand kopfbildende Blatt- und Kohlgemüse, wie z. B. Kopfsalat, Weiß- und Rotkohl sowie Wurzel-, Knollen- und Fruchtgemüse in der Regel deutlich weniger mit luftgetragenen Schadstoffen belastet und können deshalb von der Nichtverzehrempfehlung ausgeschlossen werden. Sie sollten allerdings vor dem Verzehr in jedem Fall sehr gut gewaschen und / oder geschält werden. Bei Salat und Kohl sollten die äußeren Blätter komplett entfernt werden.

Früchte, die gut gewaschen und / oder geschält werden können, können angebaut und gegessen werden. Bei Beerenobst und Kirschen wird empfohlen, auf den Verzehr zu verzichten.

Wichtig: Das Schälen, Waschen und Entfernen äußerer Blätter greifen allerdings nicht bei Verunreinigung der Früchte und Gemüse durch „weiße Flocken“, wie sie im Oktober 2018 im Gewerbegebiet Oelkinghausen beobachtet wurden. Diese Flocken können sehr hohe Gehalte an PCB aufweisen. Im Fall eines solchen Partikelniederschlags sollten alle Früchte und Gemüsesorten entsorgt werden.


Was ist im Wohngebiet Büttenberg zu beachten?

In diesem Bereich sollten folgende Blattgemüse aus dem Anbau im eigenen Garten nicht häufiger als ein- bis zweimal pro Woche verzehrt werden:

Grünkohl, Mangold, Spinat, Pflücksalat, Feldsalat, Rucola, Rübstiel, Staudensellerie, Kräuter und andere Gemüse, von denen die Blätter verzehrt werden.

Hintergrund: Da die Schadstoffe über die Luft verbreitet werden, sammeln sie sich in der Regel auf den Blättern an und zwar umso besser, wenn die Blätter gut anströmbar sind und eine große Oberfläche haben (z. B. gekräuselt sind).

Dementsprechend sind nach bisherigem Kenntnisstand kopfbildende Blatt- und Kohlgemüse, wie z. B. Kopfsalat, Weiß- und Rotkohl sowie Wurzel-, Knollen- und Fruchtgemüse in der Regel deutlich weniger mit luftgetragenen Schadstoffen belastet und können deshalb verzehrt werden. Sie sollten allerdings vor dem Verzehr in jedem Fall sehr gut gewaschen und / oder geschält werden. Bei Salat und Kohl sollten die äußeren Blätter komplett entfernt werden. Früchte können angebaut und gegessen werden. Sie sollten ebenfalls gut gewaschen und / oder geschält werden.


Welche Gemüse und Früchte können in beiden Gebieten angebaut und verzehrt werden?

Sowohl im Gewerbegebiet Oelkinghausen wie auch im Wohngebiet Büttenberg können folgende Gemüse und Früchte im eigenen Garten angebaut und verzehrt werden:

  • Kopfsalat und andere kopfbildende Salate,
  • Weiß- und Rotkohl, Blumenkohl, Rosenkohl und weitere kopfbildende Kohlsorten,
  • Wurzel- und Knollengemüse, wie z. B. Möhren, Radieschen, Kartoffeln,
  • Fruchtgemüse, wie z. B. Tomaten, Salatgurken, Erbsen, Bohnen,
  • Früchte, die gut gewaschen und / oder geschält werden können (z. B. Äpfel, Birnen, Pflaume).


Die Gemüse und Früchte sollten allerdings vor dem Verzehr in jedem Fall sehr gut gewaschen und / oder geschält werden. Bei Salat und Kohl sollten die äußeren Blätter komplett entfernt werden.


Ist Kopfsalat unbedenklich zu verzehren?

Grundsätzlich sind kopfbildende Salate unbedenklich zu verzehren, wenn die äußeren Blätter entfernt werden und der Salat gründlich gewaschen wird. Es ist zu beachten, dass es Sorten von Kopfsalat gibt, die tatsächlich geschlossene Köpfe bilden, und andere, die auch je nach Bodenbeschaffenheit und Witterung lockere Köpfe bilden und dadurch doch durch luftgetragenen Schadstoffe belastet sein können. Die Gartenbesitzer sollten also weniger nach der Sorte beurteilen, ob Salat essbar ist, als vielmehr nach der tatsächlich vorhandenen Wuchsform.


Können Beeren und Kirschen verzehrt werden?

Alle im Bereich des Wohngebietes Büttenberg (eingeschränkte Verzehrempfehlung) geernteten Früchte sollten vor dem Verzehr oder der weiteren Verarbeitung gründlich gewaschen werden. Es wird empfohlen, im Bereich des Gewerbegebietes Oelkinghausen (Nichtverzehrempfehlung) auf den Verzehr dieser Obstsorten zu verzichten.

Aufgrund der Erfahrungen aus anderen Fällen mit organischen Schadstoffen ist davon auszugehen, dass die Belastung von Früchten deutlich geringer ist als die von Blattgemüse. Untersuchungsergebnisse über die PCB-Belastung von Beerenobst im betroffenen Gebiet liegen aber nicht vor.


Können Äpfel und Birnen bedenkenlos verzehrt und ungeschält zu Saft oder anderen Produkten verwertet werden?

Äpfel und Birnen sollten vor dem Verzehr oder der weiteren Verarbeitung gründlich gewaschen oder geschält werden.


Sind Kartoffeln, Mais, Rhabarber, Ackerbohnen, Erbsen und Bohnen verzehrbar?

Es ist davon auszugehen, dass Kartoffeln und Mais nicht durch immissionsbedingte Einträge von PCB belastet sind. Bei Ackerbohnen und Erbsen werden vor der Verarbeitung die Schalen entfernt. Demnach ist der Verzehr unbedenklich. Rhabarber und Bohnen sollten vor dem Verzehr bzw. der Verarbeitung gründlich gewaschen werden. Rhabarber sollte zudem geschält werden. Es liegen allerdings keine Untersuchungsergebnisse über die PCB-Belastung dieser Früchte und Gemüse im betroffenen Gebiet vor.


Kann man Kräuter zum Würzen verwenden?

Die Verwendung von frischen Kräutern in geringen Mengen, also z. B. zum Würzen von Salaten, ist möglich. Ein Verzehr größerer Mengen, wie etwa die Zubereitung von Pfefferminztee aus dem eigenen Anbau oder der Verzehr von Sauerampfer, Löwenzahn, Giersch oder ähnlichen Wildkräutern als Salat oder Gemüse, sollte zumindest im Bereich der Nichtverzehrempfehlung vermieden werden.


Kann man Weinblätter verzehren?

Weinblätter sollten im Bereich der Nichtverzehrempfehlung nicht verzehrt werden.


Kann ich Honig essen?

Die differenzierte Verzehrempfehlung des LANUV gilt nur für Obst und Gemüse aus den Gärten der betroffenen Gebiete.

Kann ich die Fische aus den Teichen essen?

Die differenzierte Verzehrempfehlung des LANUV gilt nur für Obst und Gemüse aus den Gärten der betroffenen Gebiete

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Blutuntersuchungen

Die vielfach von Ennepetalerinnen und Ennepetalern vorgetragene Sorge hinsichtlich einer gesundheitlichen Beeinträchtigung durch PCB, wobei PCB 47 (neben 51 und 68) im Vordergrund steht, nimmt der Ennepe-Ruhr-Kreis sehr ernst. Eine Anfrage an das LANUV mit der Bitte, ein Konzept für die Durchführung eines Humanbiomonitoring zu erstellen, wurde auf den Weg gebracht. Anfang Januar hat das LANUV dem Kreis mitgeteilt, dass es Blutuntersuchungen im betroffenen Bereich von Ennepetal aufgrund der inzwischen vorliegenden Erkenntnisse und Ergebnisse für grundsätzlich sinnvoll hält.

Das Humanbiomonitoring soll Klarheit darüber bringen, ob Personen im Umgebungsbereich der Schadstoffquelle eine innere Belastung aufweisen.
 

Wer wird untersucht, wann wird untersucht?

Das LANUV schlägt vor, in dem Gebiet, in dem aufgrund der vorliegenden Probenergebnisse und der Ausbreitung der Emissionen eine erhöhte Exposition der Bevölkerung möglich erscheint, ein freiwilliges Humanbiomonitoring durchzuführen. Dieser Bereich entspricht dem Gebiet der Verzehrempfehlungen für das Gewerbegebiet Oelkinghausen und das Wohngebiet Büttenberg (roter und gelber Bereich in der Karte).

Wie man aus zahlreichen Studien weiß, betreffen gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Schadstoffe wie PCB insbesondere das Nerven- und Immunsystem von Kindern. Erwachsene zeigen sich weniger anfällig und „reagieren“ eher bei höheren Konzentrationsbereichen.

Vor diesem Hintergrund richtet sich das Angebot an Kinder, die empfindlichste und besonders schutzbedürftige Personengruppe. Da die Exposition von Kindern im Mutterleib beginnt, soll die Untersuchung auch Frauen im gebärfähigen Alter angeboten werden.

Aktuell arbeitet der Fachbereich Soziales und Gesundheit der Kreisverwaltung daran, dass vom LANUV vorgelegte Konzept umzusetzen und eine Vielzahl noch offener Fragen zu klären. Dazu zählen beispielsweise das genaue Festlegen der zu untersuchenden Altersgruppen, das Erstellen notwendiger Formulare und Informationsschreiben, der Ort der Blutabnahme, die Lagerung und der Transport des Blutes und die Auswahl des Labors.

Zu beachten ist auch: Blutuntersuchungen müssen von einer sorgfältigen Vor- und Nachbereitung begleitet werden, dazu zählt unter anderem das Erheben von Lebens- und Verzehrgewohnheiten, Wohnadresse und beruflichen Faktoren.

Für die detaillierte Vorbereitung gilt: Sie erfolgt so schnell wie möglich, aber auch so umfassend wie nötig. Dabei stimmt sich die Kreisverwaltung eng mit dem LANUV ab. Das LANUV hat in der Vergangenheit bereits zahlreiche solcher Untersuchungen konzipiert, begleitet und durchgeführt hat und damit über umfangreiche Erfahrungen und entsprechende Expertise verfügt.

Aktuell gehen die Verantwortlichen davon aus, dass die Blutabnahme im Mai oder Juni angeboten werden kann. Über Ort und Termin werden alle, die zur Zielgruppe der Untersuchungen zählen, im Vorfeld rechtzeitig persönlich informiert.


Werden die Betroffenen in das Humanbiomonitoring eingebunden?

Ja. Zeitnah soll ein Arbeitskreis einberufen werden. Dazu sollen auch Vertreter der Bürgerinitiative und der Stadt Ennepetal eingebunden werden. Der Arbeitskreis begleitet das gesamte Verfahren, dazu zählen unter anderem die Auswahl des konkreten Personenkreises sowie die zeitliche Abstimmung.

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Verursacher

Im Fokus der Aktivtäten der Mitarbeiter des Umweltamtes stehen das Unternehmen biw und die Emission von PCB 47, 51 und 68. Die Untersuchungen der Grünkohlproben lieferte an drei der sechs Messpunkte erhöhte PCB Werte. Diese werden wie bereits bei früheren Untersuchungen vom PCB 47 dominiert. Die höchste Belastung wurde an Messpunkt 2 und damit direkt nördlich der Firma biw festgestellt. Dort lag der Wert um das 14fache über dem so genannten Hintergrundwert. Das PCB entsteht als unerwünschtes „Nebenprodukt“ in Produktionsprozessen und wird dann emittiert.

Die Kreisverwaltung hat das Unternehmen biw in einer Anhörung - in Verwaltungsverfahren Vorstufe einer Ordnungsverfügung - aufgefordert bis zum 31. Januar ein schriftliches Konzept abzugeben, wann und wie die Emissionen von PCB reduziert werden.Wie berechtigt diese Forderung ist, unterstreichen die Ergebnisse der Grünkohlproben. Diese liefern den Nachweis schädlicher Umwelteinwirkungen.

Mit Blick auf die rechtliche Ausgangslage gilt aber auch: Der PCB Ausstoß durch nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz nicht genehmigungsbedürftige Anlagen wie die von biw ist für Umweltbehörden landesweit Neuland.

Für PCB gibt es keinen Emissionsgrenzwert. Es gilt jedoch ein Emissionsminimierungsgebot nach TA-Luft (Es handelt sich um die bundesweit gültige Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft - TA Luft). Es sind daher alle Maßnahmen zu prüfen, die eine Minimierung der Emissionen ermöglichen. Die Maßnahmen müssen dabei geeignet und verhältnismäßig sein.

Es gilt stets genau zu prüfen, welche Schritte rechtlich möglich und geboten sind, um für Veränderungen zu sorgen und gegebenenfalls vor Gerichten zu bestehen.

Was die Kreisverwaltung des Ennepe-Ruhr-Kreises jetzt von biw erwartet, ist mit der Anhörung klar formuliert. Die Entscheidung, wie es weiter gehen wird, fällt, wenn das Unternehmen das vom Kreis angeforderte schriftliche Konzept vorgelegt hat und dieses bewertet ist.

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Weitere Fragen

Wie sehen die Flocken aus, die als weißlicher Partikelniederschlag aufgetreten sind?

Die Flocken sind weiß, bis zu mehrere Zentimeter groß und sehen wie Schnee bzw. wie Watte aus:
Bild hier klicken.

Was ist bei erneuten weißlichen Partikelniederschlägen zu tun?

Sollten weiße Partikelniederschläge festgestellt werden, ist die Stadt Ennepetal unter Tel.: 02333/979-0 zu informieren. Außerhalb der Dienstzeiten wird eine Telefonnummer angesagt, die ständig besetzt ist.

Können bei mir im Garten auch Proben genommen werden (Boden, Obst oder Gemüse)?

Nein, der Ennepe-Ruhr-Kreis oder das LANUV entnehmen zurzeit keine Proben aus Privatgärten. Die Bodenproben sind an 12 Stellen entnommen worden und die Grünkohlcontainer sind an 6 Stellen aufgestellt worden.

Eine ergänzende Beprobung von weiterem Obst und Gemüse ist seitens des LANUV nicht vorgesehen, weil es dazu im Gegensatz zu den Löwenzahn- und Grünkohluntersuchungen keine Hintergrundwerte in NRW gibt. Damit ist eine abgesicherte Bewertung solcher Messergebnisse nicht möglich.

Wo kann Obst und Gemüse entsorgt werden?

Das Obst und Gemüse, das vorsorglich nicht verzehrt wurde, sollte über die Restmülltonne entsorgt werden. Sollte diese nicht ausreichend Platz bieten, nimmt die Stadt Ennepetal Anfragen zur Entsorgung unter der Telefonnummer 02333/ 979 - 191 entgegen, Ansprechpartner ist Herr Wiedersprecher. E-Mail: mwiedersprecher@ennepetal.de.

Wer leistet Schadensersatz für Ernteausfall und Entsorgung der Gartenernte?

Dies kann insgesamt erst nach Vorlage beweiskräftiger, abschließender Untersuchungsergebnisse zu Verursachern rechtlich geklärt werden.

Wer leistet Schadensersatz, wenn PCB-Belastungen auf Grundstücken festgestellt werden?

Dies kann insgesamt erst nach Vorlage beweiskräftiger, abschließender Untersuchungsergebnisse zu Verursachern rechtlich geklärt werden.

Können die Kinder weiter im Garten spielen?

Der Hauptbelastungsweg für den Menschen ist die Aufnahme von PCB über die Nahrung. Aus diesem Grund wurde eine differenzierte Verzehrempfehlung ausgesprochen.

Die in dem Gebiet gewonnen Bodenproben wurden untersucht und die Ergebnisse ausgewertet. Das Spielen darauf ist unbedenklich.

Allgemein gilt: nach dem Spielen im Garten sollten die Hände gründlich gewaschen werden, insbesondere vor Nahrungsaufnahme.
 

Kann ich weiter stillen?

Das PCB-Verbot spiegelt sich auch in einem Rückgang der Hintergrundbelastung der Allgemeinbevölkerung in den vergangenen 40 Jahren wider, so dass sie deutlich weniger belastet ist als in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Dies kann anhand bevölkerungsbezogener Daten zur PCB-Belastung in Blut und Muttermilch gezeigt werden.

Aufgrund der weiten Verbreitung in der Umwelt und ihrer schlechten Abbaubarkeit können PCB auch heute noch in der Muttermilch nachgewiesen werden. Wegen ihrer hohen Fettlöslichkeit reichern sich PCB besonders im Milchfett an und gehen daher auch auf den Säugling über. Gestillte Kinder können somit höhere PCB-Werte als nicht gestillte Kinder aufweisen. Üblicherweise wird aufgrund der Belastung der Muttermilch mit Organochlorverbindungen wie PCB oder Dioxinen nicht empfohlen, das Stillen von Säuglingen einzuschränken, da trotz eventuell erhöhter Gehalte an diesen persistenten Stoffen im Körper die positiven Effekte des Stillens überwiegen.

Schwangeren Frauen und stillenden Müttern aus dem betroffenen Gebiet wird aus Vorsorgegründen besonders empfohlen, der aktuellen Verzehrempfehlung zu folgen.

Besorgte Mütter können sich auch an das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe unter der Telefonnummer 0251 9821-0, E-Mail: poststelle@cvua-mel.de wenden.
 

Woher stammen die Gerüche aus dem Gewerbegebiet?

Die von Bewohnern beschriebenen Gerüche können von der Firma BIW Isolierstoffe GmbH stammen. Im Gewerbegebiet Oelkinghausen sind aber auch weitere Firmen ansässig, von denen Gerüche ausgehen können. Hier sind z.B. Lösemittelgerüche zu nennen. Es ist kein Rückschluss von Geruch auf PCB möglich, da PCB fast geruchlos sind.
 

Wie wird zukünftig informiert?

Der Kreis wird zukünftig über alle weiteren Ergebnisse transparent und in geeigneter Weise informieren. Die Liste der FAQ wird regelmäßig ergänzt und aktualisiert.

Eine weitere Bürgerversammlung findet am Freitag, 21. Februar, um 18 Uhr im Haus Ennepetal statt. Diese wird gemeinsam vom Ennepe-Ruhr-Kreis und der Stadt Ennepetal angeboten. Experten des LANUV und der Kreisverwaltung stehen den Bürgern Rede und Antwort.

Montags bis freitags ist ein Bürgertelefon besetzt. Zwischen 8 und 16 Uhr ist es unter 02333/403 1449 erreichbar.

 

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Allgemeine Informationen zu PCB

Was sind PCB?

PCB sind eine Gruppe von chlorhaltigen chemischen Verbindungen. Es gibt 209 mögliche, chemisch unterscheidbare Einzelverbindungen (Kongenere).

Allgemein sind PCB sehr temperaturstabil, schwer entflammbar, besitzen eine niedrige elektrische Leitfähigkeit bei gleichzeitig guter Wärmeleitfähigkeit und sind auch gegenüber chemischen Einflüssen stabil. Sie sind gut in Fett, schlecht in Wasser löslich.

Mit ansteigendem Chlorgehalt in den Verbindungen nimmt die Dichte, Fettlöslichkeit und die Persistenz in der Umwelt zu.

 

Was sind dioxinähnliche PCB?

Zwölf PCB-Kongenere zeigen strukturelle Ähnlichkeiten mit Dioxinen und Furanen und werden als dioxinähnliche PCB (dl-PCB) bezeichnet. Neben ihrer Wirkung als PCB weisen diese daher auch toxische d.h. giftige Wirkungen auf, die den Dioxinen (polychlorierte Dibenzo-p-dioxine = PCDD) und Furanen (polychlorierte Dibenzofurane = PCDF) entsprechen. Bei dieser Stoffgruppe handelt es sich um chlorierte Verbindungen mit 3 Ringstrukturen. Daher werden die dl-PCB neben ihrer Bewertung zusammen mit den übrigen PCB zusätzlich einer gesonderten Bewertung als dioxinähnliche Substanzen unterzogen.

Die Ergebnisse der Grünkohluntersuchungen zeigen: In Ennepetal spielen sie keine Rolle.
 

Was verbirgt sich hinter TEF und TEQ?

Nicht alle Dioxine, Furane und dioxinähnlichen PCB wirken jedoch gleich stark. Sie werden daher ihrer Wirkstärke entsprechend mit Hilfe von Faktoren relativ zur Wirkstärke des giftigsten Dioxins, des auch als „Seveso-Dioxin“ bekannten 2,3,7,8-Tetrachlorbenzo-p-Dioxins (TCDD), eingeordnet. Diese Toxizitätsäquivalenzfaktoren (TEFs) ermöglichen es, die Toxizität eines Gemisches unterschiedlicher Dioxine, Furane und dioxinähnlichen PCB zu berechnen.

Zuletzt wurden die TEFs im Jahr 2005 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO)  aktualisiert. Dem TCDD und einem weiteren Dioxin wurden dabei jeweils ein TEF von 1 zugeordnet. Die TEFs für die anderen Verbindungen liegen niedriger. Für die dl-PCB betragen die TEF zwischen 0,00003 und 0,1. Das bedeutet, dass beispielsweise PCB 126 nur ein Zehntel der giftigen Wirkung von TCDD besitzt und die am wenigsten giftigen dl-PCB sogar nur 1/33.000 der Wirkstärke von TCDD. 

Verschiedene, in einem Gemisch vorhandene PCB ergänzen sich in ihrer Wirkung. Die gesundheitliche Bewertung von PCB erfolgt daher sinnvollerweise nicht für jedes Kongener einzeln. Sie wird stets für die Mischbelastung, der ein Mensch in der Summe ausgesetzt ist, vorgenommen. Dies gilt sowohl für die Bewertung der klassischen PCB-Wirkungen (PCBGesamt), als auch für die gesonderte Beurteilung der dioxinähnlichen Eigenschaften. Zur Bewertung der dioxinähnlichen Toxizität einer Probe werden daher die 12 dl-PCB gemeinsam mit Dioxinen und Furanen mit Hilfe der TEFs miteinander verrechnet. Die Gehalte der in einer Probe jeweils vorhandenen dl-PCB, sowie die Gehalte der Dioxine und Furane werden dabei zunächst mit ihrem zugehörigen TEF multipliziert. Daraus ergeben sich sogenannte Toxizitätsäquivalente (TEQs). Anschließend werden diese einzelnen TEQs aufsummiert. Auf diese Weise lässt sich die relative Toxizität eines Gemisches aus Dioxinen, Furanen und dl-PCB bestimmen.

 

Wofür wurden sie verwendet?

Aufgrund ihrer chemisch-physikalischen Eigenschaften (u. a. temperaturstabil, schwer entflammbar, gegenüber chemischen Einflüssen stabil) wurden PCB seit den 30er Jahren bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts produziert und u. a. in Transformatoren, Kondensatoren sowie als Hydraulikflüssigkeit verwendet. Neben dieser geschlossenen Anwendung kamen sie als Weichmacher in Lacken, Dichtungsmassen, Isoliermitteln und Kunststoffen u. a. zum Einsatz (offene Anwendung).

Nach Schätzungen beträgt die in Deutschland insgesamt in Verkehr gebrachte Menge an PCB 84.000 Tonnen.
 

Werden sie heute noch verwendet?

PCB dürfen in Deutschland seit 1989 nicht mehr hergestellt oder in den Verkehr gebracht werden (PCB-Verbotsverordnung).

PCB sind aufgrund des jahrzehntelangen Einsatzes in der Umwelt weit verbreitet und auch aktuelle Einträge in die Umwelt stammen hauptsächlich aus diesen "Altlasten": z. B. PCB-haltige Maschinen und technischen Geräte, die verschrottet werden, Hydraulik- und Kühlmedien, die unter Tage unbeabsichtigt freigesetzt werden, PCB-haltige Anstriche oder Fugenmassen in Gebäuden, abgelagerte Industrieabfälle u. a. Aus diesen und weiteren primären Quellen kann durch Aufwirbelung und Ausgasen ein Eintrag in die Umwelt stattfinden.

Daneben können unter bestimmten Bedingungen PCB bei thermischen Prozessen, bei denen chlor- und kohlenstoffhaltige Einsatzstoffe verwendet werden, entstehen.
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Wie gelangen sie in die Nahrungskette?

Aus den genannten Quellen können PCB auf verschiedenen Wegen (s. o.) in die Umgebungsluft, in Gewässer und Böden gelangen.

Aufgrund der hohen Umweltpersistenz (schwerer Abbau in der Umwelt) und der guten Fettlöslichkeit werden sie auf unterschiedlichen Pfaden in Pflanzen und von Tieren aufgenommen und reichern sich dort an. Es gibt Hinweise, dass verschiedene Pflanzenarten Unterschiede in der Anreicherung der PCB aufweisen.

Somit kann es zur Belastung tierischer und pflanzlicher Lebensmittel kommen. Über die Nahrungskette können PCB schließlich in den menschlichen Organismus gelangen.
 

Wie gelangen sie in den Körper?

Der in der Regel für den Menschen bedeutendste Weg, PCB aufzunehmen, ist die Aufnahme über die Ernährung. Mehr als 90 % erfolgt in Deutschland über die Nahrung, wobei hierbei wiederum 90 % auf tierische Lebensmittel entfällt.

Die Aufnahme mit der Außenluft ist normalerweise unbedeutend. Das gleiche gilt auch für die Aufnahme über die Haut, wenn man von besonderen beruflichen Kontakten absieht.

Nach der Aufnahme in den Körper werden PCB im Fettgewebe eingelagert. Der Abbau im Körper ist abhängig von der Anzahl der gebundenen Chloratome. PCB mit niedrigem Chlorgehalt werden schnell verstoffwechselt und ausgeschieden, während höher chlorierte lange im menschlichen oder tierischen Organismus verbleiben können.

Die EU-Kontaminantenverordnung (Stand 2017) und die Nationale Kontaminantenverordnung (Stand 2016) regeln die Höchstgehalte von PCB in verschiedenen Lebensmitteln.
 

Welche Auswirkungen haben Sie auf die menschliche Gesundheit?

PCB-Verbindungen weisen nur in sehr hohen Dosen ein akuttoxisches Potenzial auf. Dies kann im Rahmen von Unfällen wie z. B. durch kontaminiertes Reisöl in Japan 1968 und in Taiwan 1979 vorkommen. Es hat sich aber gezeigt, dass bei lang andauernder chronischer Belastung vergleichsweise niedrige Konzentrationen eine gesundheitsschädliche Wirkung haben können.

Zur gesundheitsschädlichen Wirkungen von PCB liegen eine Vielzahl von Untersuchungen und Studien vor. Die bedeutendsten negativen gesundheitlichen Effekte betreffen das Nervensystem und das Immunsystem. Insbesondere das sich entwickelnde kindliche Nervensystem kann geschädigt werden, was sich u. a. in Störungen der Gedächtnis- und Lernleistungen und Beeinträchtigung des Hörvermögens auswirken kann. Auch Auswirkungen auf das sich entwickelnde Immunsystem von Kindern konnten festgestellt werden, unter anderem in Form erhöhter Infektionsraten und Beeinträchtigung der Immunantworten, beispielsweise auf Routineimpfungen im Kindesalter. Diese Wirkungen auf das Nerven- und Immunsystem werden als die kritischsten Wirkungen von PCB eingeschätzt.

Den vorliegenden Studien ist aber auch zu entnehmen, dass sich das Nerven-und Immunsystem von Erwachsenen als weniger anfällig gegenüber PCB-Belastungen zeigt.

Es konnten weitere gesundheitliche Auswirkungen aus den Studien abgeleitet werden: Auswirkungen auf den Schilddrüsenstoffwechsel, hormonblockierende aber auch hormonähnliche Wirkungen bei Sexualhormonen, Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit, eine Beeinflussung des Fettstoffwechsel und der Leberfunktion. Die Datenlage hinsichtlich der Entstehung von Diabetes und Bluthochdruck ist noch uneinheitlich.

2013 wurde PCB als krebserregend eingestuft, wobei die Krebsentstehung nicht primär auf einer direkten Veränderung des genetischen Materials basiert. Vielmehr ist die krebserregende Wirkung durch Abbauprodukte der PCB und Begünstigung des Tumorwachstums durch andere Auslöser entscheidend. Diese Wirkungen sind beim Menschen erst in deutlich höheren Dosisbereichen zu erwarten als die genannten allgemeintoxischen Effekte.

Wie wird die Wirkung von PCB gesundheitlich bewertet?

Jedes PCB Molekül vermag - seiner jeweiligen chemischen Struktur entsprechend - an eine Reihe von unterschiedlichen Zellrezeptoren zu binden. Auf diese Weise beeinflusst PCB verschiedene Stoffwechselvorgänge in den Zellen menschlicher Gewebe und Organe und bewirkt die Fülle der oben genannten unterschiedlichen Effekte.

Wie beschrieben, erfolgt die gesundheitliche Bewertung von PCB in der Regel nicht für jedes Kongener einzeln, sondern für die Mischbelastung, der ein Mensch ausgesetzt ist. Hierfür wird eine Abschätzung der PCB-Gesamtbelastung vorgenommen, bei der idealerweise überprüft wird, welche der 209 unterschiedlichen Kongenere tatsächlich vorliegen. Ihre Konzentrationen werden dann zu einer Gesamtbelastung addiert und mit einem gesundheitsbezogenen Beurteilungsmaßstab verglichen. In der Praxis wird jedoch verschiedenen Konventionen entsprechend oft nur ein Teil der 209 Kongenere exemplarisch bestimmt. Mit Hilfe dieser so genannten Indikatorkongenere wird üblicherweise auf die Gesamtbelastung hochgerechnet. Diese Methode stößt allerdings dann an ihre Grenzen, wenn keine herkömmlichen, sondern stark abweichende Mischungsverhältnisse vorliegen.

Die 12 dl-PCB können zusätzlich an den sogenannten Ah-Rezeptor (Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor) in der Zelle binden, den sie aktivieren. Die dadurch ausgelösten „Dioxinwirkungen“ unterscheiden sich qualitativ nicht erheblich von den übrigen „PCB-Wirkungen“. Aufgrund des dioxinähnlichen Mechanismus jedoch wirken die dl-PCB gemeinsam mit Dioxinen und Furanen und müssen daher auch zusammen mit diesen Substanzgruppen nochmals über Toxizitätsäquivalente bewertet werden.

Kann ich die Belastung im Blut feststellen lassen?

Mit einer üblichen Blutuntersuchung, die beispielweise im Rahmen eines Checks beim Hausarzt durchgeführt wird, kann man keine Aussage zu einer PCB-Belastung treffen. Dazu ist ein sogenanntes Human-Biomonitoring erforderlich, das dann etwas über die innere Belastung eines Menschen aussagt.

Zur Risikoabschätzung der PCB-Wirkung wurden 2012 von der Kommission Human-Biomonitoring des Umweltbundesamtes sogenannte HBM-Werte festgelegt, die sich auf die Bestimmung der PCB-Verbindungen 138,153 und 180 als Indikatoren beziehen. Auf der Basis der oben genannten besonders kritischen Effekte auf das Nerven- und Immunsystem wurden 2 Werte zur Beurteilung der PCB-Belastung für die Risikogruppen Säuglinge, Kleinkinder und Frauen abgeleitet.

PCB haben je nach Chlorgehalt eine biologische Halbwertzeit von Monaten bis Jahrzehnten, daher ist eine schnelle Veränderung der Werte im Blut bis zur Durchführung des Human-Biomonitoring nicht zu befürchten.

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Ausgangslage Herbst 2018/Rückblick

Im Oktober 2018 wurde im Gewerbegebiet Oelkinghausen ein Partikelniederschlag festgestellt. Die Partikel wurden als weiße Flocken beschrieben, die eine watteähnliche Konsistenz hatten. Proben der weißen Partikel wurden zur Analyse an das Landesumweltamt (LANUV) gegeben.

Den Untersuchungsbericht der weißen Partikel erhielt die Kreisverwaltung am 16.11.2018 mit dem Ergebnis, dass die Flocken 2,4-Dichlorbenzoesäure enthielten. Damit war noch kein Rückschluss auf das jetzt im Fokus stehende PCB 47 möglich.

Der Fund von 2,4-Dichlorbenzoesäure und die Ergebnisse von Emissionsberechnungen der Verursacherfirma der beobachteten Partikelniederschläge, aus denen sich ebenfalls Hinweise auf PCB 47 ergaben, veranlassten das LANUV anschließend zu weitergehenden, aufwändigen PCB Untersuchungen.

Mitte März 2019 wurde die Kreisverwaltung durch das LANUV darüber informiert, dass PCB 47 auch analytisch nachgewiesen werden konnte. Daraufhin wurden im März/April 2019 weitere Proben aus Anlagen der Verursacherfirma gewonnen und analysiert. Auch diese enthielten PCB 47.

Die Ergebnisse führten am 9.7.2019 zu Löwenzahnbeprobungen an Wildpflanzen durch das LANUV. Diese Untersuchungen waren wichtig, um festzustellen, ob und wo sich Schadstoffdepositionen in Pflanzen im Gewerbegebiet sowie in der Umgebung des Gewerbegebietes Oelkinghausen wiederfinden.

Die Ergebnisse lagen dem Kreis am 4.9.2019 vor. Sie waren Grundlage für eine Warnung am 6.9.2019. Die Empfehlung lautete, im betroffenen Bereich vorsorglich auf den Verzehr der Gartenernte zu verzichten.

 

Warum wurde nach Bekanntwerden der weißen Partikelniederschläge nicht früher gewarnt?

Weil zum Zeitpunkt des Partikelniederschlags noch nicht bekannt war, dass die Flocken auch PCB enthielten. Aufgrund des Partikelniederschlags war kein Grund zu einer Warnung gegeben. Zuerst musste ermittelt werden, ob und wo Schadstoffemissionen sich tatsächlich in der Umwelt niedergeschlagen haben. Dazu dienten die Löwenzahnuntersuchungen. Sie waren der Ausgangspunkt für alle weiteren oben auf dieser Seite beschriebenen Untersuchungen und Aktivitäten des Ennepe-Ruhr-Kreises und des LANUV.

 

Was wurde nach Bekanntwerden der PCB-Belastungen zwischen März und Herbst 2019 durch den Ennepe-Ruhr-Kreis veranlasst?

Nach Vorlage der Ergebnisse der PCB-Belastungen der weißen Partikelniederschläge Mitte März 2019 erfolgten in zeitlicher Reihenfolge die nachfolgenden Maßnahmen:

  1. 18.3.2019 bis April 2019 Analyse weiterer Stoffproben aus der für den Partikelniederschlag verantwortlichen Firma. Die Ergebnisse lagen am 22.5.2019 vor.
  2. 9.7.2019 Entnahme von Löwenzahlblättern zur Erstellung eines ersten Screenings zu Schadstoffdepositionen in der Umgebung
  3. 15.8.2019 Aufstellung von sechs Grünkohlproben im Bereich der Verzehrempfehlung
  4. 3.9.2019 Emissionsmessungen in der für den Partikelniederschlag verantwortlichen Firma
  5. 4.9.2019 Ergebnisse der Löwenzahnproben
  6. 6.9.2019 Vorsorgliche Verzehrempfehlung
  7. 12.9. bis 13.9.2019 Entnahme von Bodenproben
  8. Am 22.9.2019 und 2.10.2019 wurden Futtermittelproben (Maishäcksel und Grasaufwuchs) im Bereich Ennepetal-Holthausen entnommen.
  9. Suche nach weiteren potentiellen Verursachern
  10. November 2019 Einsammeln der Grünkohlbehälter, anschließend küchenfertige Vorbereitung und Analyse

 

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