Von Roboter bis Virtual Reality: Das Medienzentrum fördert Kreativität im Unterricht
Einen Roboter zum Märchenhelden in der Grundschule werden lassen? Mit Siebtklässlern einen Podcast produzieren? Jugendlichen spannende Berufe virtuell zugänglich machen?
Wer beim Medienzentrum des Ennepe-Ruhr-Kreises noch an Filme und Projektoren, Fernseher und Leinwände denkt, liegt nicht falsch – aber einige Jahre zurück. Über Jahrzehnte wurden dort solche Geräte und Materialien für die Schulen bereitgehalten. Heute warten dort ganz andere Angebote auf Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler: Modernste Technik, digitale Werkzeuge und jede Menge Möglichkeiten, Unterricht anders zu gestalten. Medienpädagoge Leif Linnemöller unterstützt sie dabei – und sprudelt vor Ideen.
„Wenn Kreativität und Spaß an Technik zusammenkommen, ist so vieles denkbar und auch machbar“, sagt Linnemöller. „Und das geht schon bei den Kleinsten los.“ Der Medienpädagoge schnappt sich einen Blue-Bot, einen käferähnlichen Roboter, von denen ganze Klassensets im Medienzentrum ausgeliehen werden können. Er setzt ihn auf eine Stadtkarte und navigiert ihn per Knopfdruck – einmal geradeaus, einmal links, zweimal geradeaus… - vom Parkhaus bis zum Leuchtturm.
„Bis hierhin ist das ein nettes Spielzeug. Aber jetzt können wir anfangen, eine Geschichte zu erzählen, die der Bot erlebt. Wir können auch eine Waldkarte nutzen und uns ein Märchen für ihn ausdenken. Und schon sind wir nicht nur bei Zählen und Technik, sondern auch noch bei Sprache und Deutschunterricht“, nennt Linnemöller Beispiele. Selbst an den weiterführenden Schulen seien die Bluebots und Ozobots aus dem Medienzentrum noch interessant – dann könne das Märchen zum Beispiel auf Englisch erzählt oder zusätzlich professionell vertont werden.
Goethe vertonen oder einen eigenen Podcast produzieren
Alles, was für eine Vertonung benötigt wird, können Schulen im Ennepe-Ruhr-Kreis ebenfalls im Medienzentrum ausleihen. So wird ein Gedicht im Deutschunterricht nicht nur gelesen und interpretiert, sondern die Schülerinnen und Schüler selbst verleihen ihm Stimmen. Oder sie produzieren eine eigene Podcast-Folge zu einem Schulstoff-Thema. „Im Vordergrund sollte nicht das fertige Produkt stehen, sondern vielmehr die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Lösen der Aufgabe. Wichtig ist, dass die Kinder und Jugendlichen zum Experimentieren motiviert werden. Dann ist der Lerneffekt besonders groß“, erklärt der Medienpädagoge, der das Medienzentrum seit Februar unterstützt.
Auch der Biologieunterricht kann mit Technik aus dem Medienzentrum einen neuen Dreh bekommen: Neben Kameras, einem Greenscreen und Gimbals für Smartphones steht auch eine Endoskopkamera zur Ausleihe bereit, mit der sich sonst schwer zugängliche Bereiche erforschen lassen. „Man kann sie durch ein enges Loch in den Erdboden führen und sich das unterirdische Leben ansehen. Oder man schaut sich das Innere eines Abwasserrohrs an. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Linnemöller.
Noch intensiver wird das visuelle Erlebnis mit Virtual-Reality-Brillen. „Damit können die Schülerinnen und Schüler zeitlich und räumlich in ganz andere Welten eintauchen“, erklärt der Medienpädagoge. „Ein Programm führt sie zum Beispiel durch das Anne-Frank-Haus, welches das erzwungene Leben von Verfolgten während der Nazi-Diktatur im Zweiten Weltkrieg dokumentiert. Da können sie sich selbstständig bewegen, Türen öffnen, Anne Franks Versteck finden, ihre Bücher aufklappen und darin lesen.“ Andere Programme auf den Brillen ermöglichen es den Jugendlichen, in Berufe hineinzuschnuppern, die sonst schwer zugänglich sind. So können sie als Chemielaboranten mit gefährlichen Stoffen umgehen oder als Kranführer Container von A nach B bewegen.
Neu im Angebot: Workshops und ein Mediencafé für Lehrkräfte
Um all diese Optionen möglichst vielen Lehrkräften aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis zugänglich zu machen, bietet der neue Medienpädagoge seit Juni regelmäßig Workshops zu verschiedenen Themen wie beispielsweise „Virtual Reality“, „Audio & Podcast“ oder „Upcycling & Creative Gaming“ an. Zusätzlich richtet er ein Mediencafé ein, bei dem es um Austausch und Brainstorming geht. „Ich freue mich darauf, nichts vorzugeben, sondern zu schauen, was schon in den Köpfen drin ist, die Ideen aufzugreifen und gemeinsam zu überlegen, wie sie umsetzbar sind“, sagt Linnemöller.
„Meinen Enthusiasmus, kreativ mit alter und moderner Technik umzugehen, möchte ich unbedingt in die Schulen hineintragen. Ich möchte Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler dafür sensibilisieren, dass Fehlermachen erlaubt ist und dass das gemeinsame Tüfteln großen Spaß machen kann.“
Lehrkräfte aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis, die Fragen an den Medienpädagogen haben, erreichen ihn unter 02336 - 44 48 130 oder L.Linnemoeller(@)en-kreis.de. Neben dem Technikverleih hält die Mediathek des Ennnepe-Ruhr-Kreises (www.bildungsmediathek-nrw.de) Materialien zur Unterrichtsgestaltung in Form von Filmen, Printmedien und Lern-Apps bereit. Hier registrierte Lehrkräfte können diese Möglichkeiten nutzen. Ansprechpartnerin ist Annette Ide, A.Ide(@)en-kreis.de, 02336 - 44 48 129.
Leif Linnemöller ist studierter Sozialpädagoge/Sozialarbeiter, Erlebnispädagoge/Outdoortrainer und Erzieher. Jahrelang war er in der Kinder- und Jugendarbeit tätig. Er arbeitete in Jugendzentren und war als Medienpädagoge mit dem Lastenfahrrad auf Spielplätzen unterwegs, um die Kinder und Jugendlichen direkt vor Ort für „Making“, also das „Selbermachen“ von Dingen zu begeistern. Mit verschiedenen Materialien, die er auf dem Rad transportierte, bauten sie gemeinsam Neues. So entstand aus Kabelresten und großen Büroklammern beispielsweise ein Klavier, aus einem Einmachglas, Pappe und alten Kabeln ein funktionierender Joystick. Auch solche Upcycling-Projekte will er Lehrkräften in seinen Workshops näherbringen.


