Analyse
Die Analyse ist das Fundament des Mobilitätskonzeptes. Sie beschreibt, wie die Mobilität im Ennepe-Ruhr-Kreis heute funktioniert, welche Stärken schon vorhanden sind und wo es Handlungsbedarf für die Zukunft gibt. Dabei wurden viele Daten ausgewertet, Bürgerinnen und Bürger beteiligt und die vorhandenen Angebote genau betrachtet.
Raumstruktur und Bevölkerung
Der Ennepe-Ruhr-Kreis liegt am Rand der Metropole Ruhr. Er verbindet städtisch geprägte Orte wie Hattingen, Witten oder Schwelm mit ländlich geprägten Städten wie Breckerfeld oder Sprockhövel. Diese Mischung sorgt für unterschiedliche Anforderungen an die Mobilität.
- In den Städten ist die Nachfrage nach leistungsfähigem ÖPNV und Radverkehr hoch.
- In den ländlichen Gebieten sind viele Menschen stärker vom Auto abhängig.
Dazu kommt: Die Bevölkerung im Kreis wird älter. Das bedeutet, dass Barrierefreiheit, sichere Fußwege und gute Nahmobilität an Bedeutung gewinnen.
Regionale Verflechtungen
Täglich pendeln tausende Menschen aus dem Kreis in die Nachbarstädte Dortmund, Bochum, Essen, Hagen und Wuppertal. Umgekehrt kommen viele Beschäftigte aus diesen Städten in den Ennepe-Ruhr-Kreis. Der Kreis ist also ein wichtiger Bestandteil der Metropolregion, gleichzeitig aber auch von Auspendeln geprägt: Es fahren mehr Menschen aus dem Kreis heraus als hinein. Diese starke Vernetzung erfordert gute Verbindungen – sowohl auf der Schiene als auch über die Straßen.
Mobilitätsverhalten der Bevölkerung
Eine repräsentative Haushaltsbefragung hat gezeigt:
- Der motorisierte Individualverkehr (Auto) dominiert weiterhin. Rund zwei Drittel aller Wege werden mit dem Pkw zurückgelegt.
- Der Anteil von Fuß- und Radverkehr ist in den letzten Jahren gestiegen, bleibt aber noch deutlich hinter dem Landesziel zurück.
- Der ÖPNV hat während der Corona-Pandemie Nutzer verloren. Besonders junge Menschen und Auszubildende sind aber weiterhin stark darauf angewiesen.
- Fahrräder mit elektrischer Unterstützung (Pedelecs, E-Bikes) werden immer beliebter. Sie eröffnen neue Chancen für den Radverkehr – auch in den bergigen Teilen des Kreises.
Bestehende Maßnahmen und Konzepte
Viele Städte im Kreis haben bereits eigene Konzepte entwickelt: Radverkehrspläne, Klimaschutzkonzepte oder Nahverkehrsplanungen. Auch auf regionaler Ebene gibt es wichtige Ansätze, zum Beispiel das Radwegenetz des Regionalverbands Ruhr oder das Schnellbusnetz des VRR. Die Herausforderung liegt darin, diese vorhandenen Planungen aufeinander abzustimmen und für den gesamten Kreis nutzbar zu machen.
Verkehrsangebote und Infrastruktur
Die Analyse hat deutlich gemacht:
- ÖPNV: Busse und Bahnen sind in größeren Städten gut ausgebaut, im ländlichen Raum gibt es aber Lücken, gerade am Abend oder am Wochenende.
- Radverkehr: Es gibt viele Ansätze und Teilstücke, aber das Netz ist nicht durchgängig. Sichere und komfortable Radwege fehlen an vielen Stellen.
- Fußverkehr: In Ortszentren sind die Wege meist attraktiv, in Randlagen gibt es jedoch Defizite bei Sicherheit und Barrierefreiheit.
- Ladeinfrastruktur: Die Zahl der E-Ladesäulen wächst, reicht aber noch nicht aus, um den Umstieg auf E-Mobilität voll zu unterstützen.
- Straßennetz: Das Kreisgebiet ist insgesamt gut erschlossen, leidet aber wie viele Regionen unter Staus im Berufsverkehr.
Bürgerbeteiligung
Im Rahmen einer Online-Beteiligung konnten Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung äußern. Mehr als 2.000 Menschen haben ihre Mobilität beschrieben und Ideen eingebracht. Besonders häufig genannt wurden:
- der Wunsch nach besseren Bus- und Bahnangeboten mit dichterem Takt,
- sichere, durchgehende Radwege,
- weniger Belastung durch Durchgangsverkehr in Wohngebieten,
- moderne Angebote wie Carsharing oder On-Demand-Busse.
Die Beteiligung zeigt: Viele Menschen sind bereit, auf klimafreundlichere Verkehrsmittel umzusteigen – wenn die Angebote zuverlässig, sicher und attraktiv sind.
Stärken, Schwächen und Potenziale
Aus allen Untersuchungen lassen sich folgende Kernaussagen ableiten:
- Stärken: zentrale Lage in der Metropole Ruhr, gute Anbindung an Nachbarstädte, vorhandene ÖPNV-Strukturen, engagierte Kommunen, steigendes Interesse an Rad- und Fußverkehr.
- Schwächen: hohe Abhängigkeit vom Auto, fehlende Radwegverbindungen, teilweise unattraktive Fußwege, Defizite im ÖPNV (Taktung, Zuverlässigkeit), Ladeinfrastruktur noch im Aufbau.
- Potenziale: Ausbau klimafreundlicher Alternativen, mehr Vernetzung über Mobilstationen, Einsatz digitaler Lösungen (Apps, Echtzeitinformationen), Stärkung von Sharing-Angeboten und betrieblichen Mobilitätskonzepten.
Fazit
Die Analyse macht klar: Der Ennepe-Ruhr-Kreis steht vor großen Aufgaben. Der Autoverkehr ist nach wie vor dominant, gleichzeitig steigt das Interesse an alternativen Mobilitätsformen. Um klimafreundliche und moderne Mobilität zu erreichen, braucht es sichere Radwege, bessere ÖPNV-Angebote, digitale Lösungen und eine konsequente Vernetzung der Verkehrsmittel. Diese Ergebnisse sind die Basis für die Leitbilder, Ziele und Maßnahmen des Mobilitätskonzeptes.
